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Ab in die Lüfte!

Der Verein „Skydive Lausitz“ veranstaltete eine Fallschirm-Wochenende in Nardt. Tandemspringer waren willkommen.

Sanny Schiller und Michael Knorn vor dem Einstieg in den Doppeldecker. Nach dem Fallschirmsprung werden beide überwältigt vom Erlebten sein.
Sanny Schiller und Michael Knorn vor dem Einstieg in den Doppeldecker. Nach dem Fallschirmsprung werden beide überwältigt vom Erlebten sein. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Nardt. Gitarrenmusik dringt aus einem Zelt. Vor dem Vereinshaus wird gemütlich gefrühstückt. Ein Mann schlendert mit Kulturtasche und Handtuch an abgestellten Segelflugzeugen vorbei. Am Imbisswagen duftet es nach frischem Kaffee. 

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Am Samstagmorgen herrscht auf dem Flugplatz in Nardt lockere Campingatmosphäre. Hier geht es zu wie in einer großen Familie. Segeln mit dem Aeroklub, fliegen und Fallschirmspringen mit dem Verein „Skydive Lausitz“ stehen heute auf dem Programm. Gern auch für Besucher, wenn sie mögen und sich trauen. Michael Knorn und seine Freundin Sanny Schiller zücken ihre Handys, um das vor ihnen stehende Flugzeug zu fotografieren. Dabei handelt es sich um eine Antonow (AN 2), ein russischer Doppeldecker.

„Hier falle ich gleich heraus“, flachst der Cottbuser und meint damit seinen angemeldeten Tandem-Fallschirmsprung, den er zum 46. Geburtstag von seiner Lebensgefährtin Sanny geschenkt bekommen hat und heute einlösen möchte. Einen ganz speziellen Grund für das außergewöhnliche Präsent gibt es nicht: „Ich wollte das schon immer mal machen. Angst habe ich nicht. Ich bin nur sehr gespannt, wie es wird“, meint Michael Knorn, der Späße mit einer vermeintlich vorbereiteten Traueranzeige macht. Alles nur Spaß, denn die Skydiver wissen was sie tun. Lebensgefährtin Sanny hat in diesem Moment auch eine Entscheidung getroffen: „Ich fliege mit.“ Für die Cottbuserin ist das Ereignis auch eine Premiere. Die Aufregung steigt. Michael Knorn zieht sich um.

Denn Landungen mit Fallschirmen hinterlassen an Hosen immer Spuren. Ein Schelm wer jetzt etwas anderes denkt. Es geht vielmehr um die grünen Grasflecken, denn gute Fallschirmspringer landen am besten auf dem Allerwertesten.

Die Tandemschüler erhalten eine letzte Einweisung. Profi Jörg Blaessius spricht von Gurtzeug, Bananen, Atmung und Körperspannung. Der erfahrene Fallschirmspringer und Tandemmaster bezeichnet seine Tätigkeit auf dem Flugplatz auch gern als Taxifahrer, der seinen jeweiligen Beifahrer mitnimmt, um eine Grenzerfahrung erleben zu können, die nicht nur Adrenalin freisetzt, sondern wahre Energieschübe auslösen kann und vor allem Spaß machen soll.

Doch bis es so weit ist, heißt es erst einmal für die vier „Beifahrer“, gut zuzuhören und zu üben, damit beim Absprung und vor allem danach alles gut funktioniert. Wer an dieser Reise teilnehmen möchte, sollte mindestens 1,40 Meter groß sein, maximal neunzig Kilogramm wiegen und wenigstens 14 Jahre alt sein. Das Mindestalter hat seine Begründung in der körperlichen Entwicklung. „Bei Kindern sind die Nasennebenhöhlen noch nicht vollständig ausgebildet. In der Absprunghöhe muss der menschliche Körper den Luftdruck allein ausgleichen können“, begründet Jörg Blaessius die Anforderungen. Jetzt geht es um die richtige Körperhaltung, die eben möglichst an eine Banane erinnern soll. Michael Knorn sehe aber eher aus wie eine Zucchini, scherzt der Tandemmaster.

Jetzt geht es endlich los. Das Gurtzeug, das vor jedem Einsatz gründlich kontrolliert wird, sitzt so, wie es soll. Sehr gute Vorbereitung in puncto Sicherheit sind oberstes Gebot.

Darüber hatte sich Michael Wunstorf aus Guben bis vor einigen Minuten noch gar keine Gedanken gemacht. Wie auch? Der Gubener hat von seinem Tandemsprung erst direkt vor Ort erfahren. „Schuld“ daran ist sein Trauzeuge Steven Kallet, der den Junggesellenabschied seines Freundes für diesen geplanten Überraschungsmoment „schamlos“ ausnutzt. Die Braut, so der Trauzeuge, wollte vorsorglich lieber nicht wissen, was ihrem zukünftigen Ehemann an diesem Samstag alles so blüht.

Der Doppeldecker hebt ab. In etwa 2 500 Metern sind vom Boden aus,vier kleine Punkte am Himmel zu sehen. Die ersten vier Einzelspringer schweben mit ihren Fallschirmen durch die Lüfte, bevor sie nacheinander auf dem Flugplatz landen. Indessen steigt die Aufregung im Flugzeug. Dem bis dato völlig entspannten Michael Knorn überkommt ein erstes, mulmiges Gefühl beim Blick aus dem Flugzeug. Nach dem Absprung macht der Cottbuser die Augen zu. Aber nur für einen Moment.

Das unbeschreibliche Gefühl des freien Falls, dazu Adrenalinschübe pur, übermannen ihn. Seine Lebensgefährtin Sanny hingegen fragt sich schmunzelnd, wer nun die Tür vom Flugzeug wieder zumacht? Schließlich sind alle Insassen bis auf den Piloten ausgeflogen. „Der Flug und auch die Landung waren traumhaft. Insgesamt ein super Erlebnis und ich bereue nicht im Geringsten, dass ich spontan zugesagt habe, mitzufliegen“, so ihr Fazit. Und in einem ist sich das Paar jetzt schon einig: Sie werden es wieder tun!

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