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Ab Oktober wird im neuen Kraftwerkslabor geforscht

Mit dem letzten Versuchsstand ist eine millionenschwere Investition abgeschlossen. Magnetlager aus Zittau könnten zum Exportschlager werden.

Von Mario Heinke

Zittau. Christian Dschjedzik sitzt nach vorn gebeugt in der Kabine und stützt sein Gesicht auf den Händen ab. Alles ist vorbereitet. Drei seiner Kollegen von der Firma Kranlogistik Lausitz stehen neben dem riesigen Autokran und unterhalten sich. Am Haken des Auslegers hängt seit einer halben Stunde ein 15 Tonnen schwerer Versuchsstand zum Test von Magnetlagerungen an dicken Stahlseilen. „Das kommt nicht so oft vor, dass wir auf einen Minister warten müssen“, sagt der Kranführer.

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Als die schwarze Limousine des sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministers Frank Kupfer (CDU) vorfährt, geht es endlich los. Per Sprechfunk dirigiert ein Monteur den 72 Meter langen Ausleger des Autodrehkrans. Ganz langsam wird die wertvolle Fracht durch das geöffnete Dach im Zittauer Kraftwerkslabor auf dem Gelände der Stadtwerke am Lusatiaweg gehievt. Im Laborgebäude wartet Professor Frank Worlitz, Direktor des Instituts für Prozesstechnik, Prozessautomatisierung und Messtechnik (IPM). Er erklärt dem Minister und zahlreichen Gästen den Magnetlagerversuchsstand. Millimetergenau wird der Versuchsstand auf der bereits im Februar gelieferten Grundplatte abgesetzt. Die anwesenden Gäste spenden Beifall.

Am vergangenen Donnerstag ist der letzte Großversuchsstand für das Zittauer Kraftwerkslabor von Siemens in Görlitz geliefert worden. Der Versuchsstand ist für den Test von Magnetlagerungen in der Energietechnik konzipiert. Auf dem Gelände der Stadtwerke hatte es bereits zu DDR-Zeiten ein Kraftwerkslabor gegeben, das geschlossen worden war.

An die Tradition knüpft die Hochschule nun an und hat in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Euro in Versuchsstände investiert. Seit 20 Jahren tüfteln und forschen die Zittauer bereits an der Magnetlagertechnik und gehören international zu den führenden wissenschaftlichen Einrichtungen auf diesem Gebiet. Magnetlager sollen ölgeschmierte Gleitlager in Industriedampfturbinen ersetzen. Der Versuchsstand spielt dabei eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung der Technologie. Im Kraftwerkslabor werden die Magnetlager unter verschärften Bedingungen getestet.

„Die Magnetlagertechnik könnte ein Exportschlager werden“, sagte Umweltminister Kupfer. Er sieht in der Investition im Kraftwerkslabor einen wichtigen Baustein, um den Wissenschaftsstandort Zittau zu festigen. In den kommenden Wochen wird der neue Versuchsstand montiert und installiert. Zum Semesterbeginn im Oktober soll dann die Forschungsarbeit am Versuchsstand beginnen. Neben der Magnetlagertechnik wollen die Forscher um Professor Worlitz auch mit Energiespeicherung experimentieren. Zukünftig werden davon insbesondere der Studiengang Energie- und Umwelttechnik sowie der neue Studiengang Automatisierung und Mechatronik profitieren, erklärt die Hochschule. Das Großprojekt „Zittauer Kraftwerkslabor“ wird mit Mitteln der EU und des Freistaates Sachsen gefördert.