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Abenteuer auf dicken Stämmen

18 Männer und drei Frauen sind auf einem Floß elbabwärts geschippert. Fast hätte die Tour ihr vorzeitiges Ende gefunden.

Von Kristin Koschnick

Hackepeterbrötchen oder Fischsemmeln? Die Frage nach dem Imbiss bleibt nicht der einzige Diskussionspunkt an Bord. Nach kurzer Umfrage entscheidet Smutje Thoralf Glöckner: „Wir machen es so wie immer – Fischbrötchen!“ 20 Mitfahrer auf den schwimmenden 75 Quadratmetern wollen bei Laune und vor allem in Schwung gehalten werden.

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© Norbert Millauer

Der Moritzburger Tischlermeister ist seit der ersten Floßfahrt 2002 dabei. Ein harter Kern von acht Handwerkern aus Dresden und Umgebung organisiert aller zwei Jahre zirka 14 frischgeschlagene Kiefernstämme und baut aus ihnen in anderthalb Tagen ein 15 Meter langes und fünf Meter breites Floß. Werft ist die Wiese des Prossener Hafens, am Flusskilometer 13 vor Bad Schandau. Ihr Ziel findet die Fahrt an der Flussmarke bei Kilometer 83, hinter der alten Meißner Eisenbahnbrücke.

Pfingstfreitag, 11 Uhr. Bei hochsommerlichem Ausflugswetter liegen die Leinen noch fest. Das Gefährt ähnelt mehr einem schwimmenden Biwakplatz als einem Wasserfahrzeug. Eifrige Helfer schleppen Kisten, die letzten Nägel werden eingeschlagen und die Ladung vertäut. Zwei Tage dauert die Fahrt elbabwärts. Da Holzflößen hungrig macht, sind Säcke voller Brötchen, Grillkohle und Würstchen ebenso an Bord wie reichlich Getränkekisten, saure Gurken im Riesenglas und mindestens fünf Sonnenschirme gegen die erbarmungslos prasselnde Sonne. Feuerlöscher, Signalhorn und Außenbordmotor schreibt zusätzlich das Schifffahrtsamt vor.

Kapitän Ralph Streller hat das Sagen an Bord. Der trägt die Verantwortung für gefahrloses Passieren von Bojen, Engstellen und entgegenkommenden Schiffen.

11.40 Uhr, Leinen los! Der Motor tuckert vielversprechend. Je vier Mann stehen achtern und am Bug an den Pätschen, so nennen Flößer die bis fünf Meter langen Steuerruder, um das Floß in Fahrt zu bringen. Das schwerfällige Gefährt legt ab. Braunes Elbewasser schwappt über die Planken und sorgt für eine willkommene Abkühlung. Lilienstein, Königstein und Rathen ziehen beschaulich vorbei. Auf dem Elberadweg stauen sich die Ausflügler. Der Holzkohlegrill an Bord raucht. Erster Ankerplatz ist die Pillnitzer Kirche „Maria am Wasser“. Hier soll mit Schlafsäcken auf den harten Holzbänken an Bord übernachtet werden.

Das sonst so problemlose Anlegen wird dieses Mal zur Zerreißprobe für Material und Crew. Eines der Stahlseile, welche das Floß am Ufer verankern, reißt aus seiner Seilklemme. Käpt’n Streller fürchtet um die Steuerbarkeit. Die Weiterfahrt scheint in Gefahr. Die Nerven liegen blank.

Am nächsten Morgen Entwarnung. Mit weniger Ballast an Deck und einer großen Portion Vorsicht kann die Reise flussabwärts weitergehen. Mitinitiator Thoralf Glöckner sitzt der Schreck auch zwei Tage nach der glücklichen Ankunft in Meißen ein wenig in den Knochen. „Zum Glück ist alles gutgegangen“, meint er erleichtert.

Ob die Handwerksmeister in zwei Jahren eine Neuauflage ihres Elbeabenteuers angehen, steht noch in den Sternen. Die 14 Kiefernstämme haben gestern ihren Weg ins Sägewerk angetreten und können, aufgrund ihrer durch das Flößen schnelleren Trocknung, bereits im Oktober ein zweites Leben als Dachstuhl oder Regalbrett beginnen.