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Zittau

Alte Bahnstrecke wird gerettet

Im Böhmischen Mittelgebirge leben Enthusiasten ihren Traum. Sie stellen mit viel Aufwand eine Trasse wieder her.

Traditionell fahren auch Dampfloks für die Museumsbahn.
Traditionell fahren auch Dampfloks für die Museumsbahn. © Museumsbahn Zubrnice

Der Bagger gräbt sich in den Hang und legt nach und nach Gleise frei. „Hier führte früher die Bahnstrecke entlang. Später wurde sie teils verschüttet und ist zugewachsen“, zeigt Radek Kubala auf den wieder hergestellten Einschnitt. Jahrelang wurden Bahnstrecken stillgelegt. Doch in Tschechien sind diese Zeiten offenbar vorbei. Es werden sogar demontierte Gleise wieder aufgebaut, wie hier in Zubrnice (Saubernitz) im Böhmischen Mittelgebirge. Bis in das malerische Dorf führen die Gleise der Nebenstrecke von Usti nad Labem-Strekov (Aussig-Schreckenstein). Von Ende März bis Ende Oktober verkehren jedes Wochenende Traditionszüge.

Doch seit einiger Zeit wächst das Gleis weiter. 50 Meter wurden bereits vom Bahnhof Zubrnice Richtung Loveckovice (Loschowitz) verlegt. Nicht nur der Hang wurde weggebaggert, sondern überall Wildwuchs beseitigt und in Loveckovice selbst ebenfalls einige Hundert Meter Gleis verlegt. Das Ziel des Vereins ist klar: „Wir wollen die Strecke nach Loveckovice verlängern“, sagt Kubala. Bis dorthin und noch weiter nach Vernerice (Wernstadt) und Ustek (Auscha) führte die Lokalbahn seit 1890, ehe sie 1978 stillgelegt und die Gleise größtenteils abgebaut wurden. Erhalten blieb lediglich die Strecke nach Zubrnice. Als dort in den 1980er-Jahren ein Freilichtmuseum gegründet wurde, lebte die Idee auf, auch die Bahnlinie wieder zu reaktivieren. Es sollte noch bis 2010 dauern, bis aus dem Traum Wirklichkeit wurde und wieder regelmäßig Züge fuhren.

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12.000 Euro für 100 Gleismeter

Das alles ist das Werk des kleinen Vereins Museumsbahn Zubrnice, dessen Mitglied Kubala ist. Die Streckensanierung, aber auch die Anschaffung und Reparatur historischer Schienenfahrzeuge ist das Ergebnis unzähliger Arbeitseinsätze und vor allem ein teurer.

„Für 300.000 Kronen (ca. 12.000 Euro) können wir 100 Meter Gleis legen“, rechnet Kubala vor. So viel Geld ist seit Frühjahr auf einem Spendenkonto eingegangen. Für eine Verlängerung der Strecke ist der Verein auf Spenden angewiesen. Der Bahnbetrieb wirft dafür kein Geld ab. Im Gegenteil, er ist eher eine Liebhaberveranstaltung. Immerhin unterstützt der Bezirk Usti seit vier Jahren den Betrieb, sodass die Züge in der Saison regelmäßig an Wochenenden viermal pro Tag pendeln können. „Die Unterstützung des Bezirks ist für uns sehr wichtig und hat den Bahnverkehr gerettet“, sagt Kubala. Im letzten Jahr zählte die Strecke über 10 000 Fahrgäste. Gerade weil der Betrieb stabilisiert ist, kann nun der Blick nach vorn gehen. Dieses Jahr will der Verein 500 Meter neues Gleis legen. 2020 sollen es 900 Meter sein. Alles hängt davon ab, wie viel Spenden zusammenkommen. Entsprechend zurückhaltend schätzt Kubala, dass der erste Zug ins knapp fünf Kilometer entfernte Loveckovice in fünf bis acht Jahren fahren könnte. Zwar liegen auf der Strecke noch einige Gleise, aber Damm, Gleisbett und Schwellen müssen erneuert werden.

Die Bürgermeister von Loveckovice, Radek Cerny, und Zubrnice, Tomas Pernekr (rechts) absolvierten schon mal eine Testfahrt auf den alten Gleisen.
Die Bürgermeister von Loveckovice, Radek Cerny, und Zubrnice, Tomas Pernekr (rechts) absolvierten schon mal eine Testfahrt auf den alten Gleisen. © Museumsbahn Zubrnice

Richtung Ustek sind nicht mal mehr Gleise vorhanden, weshalb Kubala von einer Verlängerung der Strecke nach Ustek lieber erst sprechen möchte, wenn die Züge bis Loveckovice Wirklichkeit werden. Dort kann man es gar nicht erwarten. Für die Gemeinde mit knapp 500 Einwohnern ist die Bahn ein echter Tourismusfaktor. Bisher gab es kaum Grund, den verschlafenen Ort aufzusuchen. Doch nun gehört Loveckovice zu den eifrigsten Unterstützern für eine Wiederbelebung der Bahnstrecke. Im alten Bahnhof wurde in Zusammenarbeit mit dem Bahnverein ein Minimuseum des Ortes und der Bahnstrecke eingerichtet. Seit vorigem Jahr führt vom Bahnhof ein markierter Wanderweg zum Aussichtsturm Vitova rozhledna.

Ab 5. Juli pendelt dieser Bus RTO zwischen Zubrnice und Ustek.
Ab 5. Juli pendelt dieser Bus RTO zwischen Zubrnice und Ustek. © Museumsbahn Zubrnice

Doch für die Freunde historischer Fahrzeuge gibt es eine attraktive Zwischenlösung. „Ab 5. Juli, dem Feiertag für Kyril und Metod, verkehrt den Sommer über ein alter Autobus der Marke RTO von Zubrnice über Loveckovice nach Ustek mit Anschluss an die Bahn in Zubrnice“, kündigt Radek Kubala an. Das Gute ist, dass auch für die Busse das Elbe-Labe-Ticket gilt.

An neuen Ideen mangelt es dem Bahnverein nicht. Auch in Ustek soll im alten Bahnhofsgebäude ein kleines Museum entstehen und auf den dort noch bestehenden Gleisen könnte eine Draisine fahren. „Die Begeisterung ist groß, aber wir machen das ja alles ehrenamtlich. Obwohl der Einsatz manchmal Ausmaße wie bei einem richtigen Job annimmt“, sagt Kubala, der sich ganz besonders auf den 13. September freut. Da wird auf der Strecke mal wieder eine Dampflok unterwegs sein. „Wenn alles gut geht, fährt sie dann schon mal die 500 Meter neues Gleis“, hofft Kubala.

© SZ-Grafik

Die Lokalbahn von Usti nad Labem (Aussig) über Loveckovice (Loschowitz) und weiter nach Vernerice (Wernstadt) und Ustek (Auscha) wurde 1890 eingeweiht. Mit der Bahn wurden unter anderem Kohle aus der Ferdinandszeche bei Loveckovice und Hopfen transportiert, aber zunehmend diente die Bahn auch dem Personenverkehr. Die Strecke war technisch anspruchsvoll, handelte es sich doch gleich nach der Zahnradbahn von Korenov (Bad Wurzelsdorf) nach Harrachov (Harrachsdorf) um die steilste Bahnstrecke Tschechiens.

Die Vertreibung der mehrheitlich deutschsprachigen Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg besiegelte auch das Schicksal der Bahn. Denn es gelang nicht, das Gebiet wieder so zu besiedeln wie vor 1945. Für den Verkehr wurden zunehmend Busse eingesetzt, bis die Strecke 1978 stillgelegt wurde. Seit den 1980er-Jahren gab es Versuche, die Bahn wieder zu beleben, was für einige Sonderfahrten Anfang der 1990er-Jahre bereits gelang.

1998 wurde die Strecke zum nationalen Kulturdenkmal erklärt. Seit 2010 gibt es einen regelmäßigen Museumsbahnverkehr. Die gesamte Strecke von Velke Brezno (Großpriesen) bis Ustek gehört inzwischen dem Verein Museumsbahn Zubrnice.

Auf der Museumsbahn gilt das Elbe-Labe-Ticket. Sie verkehrt jedes Jahr ab Ende März bis Ende Oktober immer am Wochenende und Feiertagen mit täglich vier Zugpaaren im Zweistundentakt. Der erste Zug fährt ab Usti-Strekov 10.10 Uhr.

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