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Abfälle am Nechener Teich ärgern Angler

Immer wieder liegen Futterhaufen für Nutrias am Gewässerrand. Die brauchen sie nicht.

© SZ Thomas Eichler

Von Markus Michalk

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Kartoffelschalen und Chicoréeblätter haben es dem kleinen Nager angetan. „Eigentlich ist das für die Kaninchen gedacht. Doch ich mache mal eine Ausnahme“, sagt Frank Schulze. Der Präsident des Löbauer Anglervereins holt noch etwas davon aus der Tüte. Neugierig schaut die Nutria und zeigt ihre orangefarbenen Zähne. Auch bekannt als Biberratte oder Sumpfbiber, sind Nutrias am Nechener Teich zu einer kleinen Attraktion geworden. „Autofahrer halten am Teich an, steigen aus und beobachten die Nutrias“, berichtet Schulze. Im Sommer kämen sogar ganze Familien, um nach den Nagern Ausschau zu halten. „Das kann man schon Nutria-Tourismus nennen“, scherzt er. Insgesamt vier Nutrias hat er bisher gesichtet. Er selbst findet die Nutrias ja auch ganz putzig. Probleme sieht er aber dennoch.

Eines davon erkennt man beim genauen Hinschauen. Jetzt, wo der Teich über den Winter leer ist, sieht man in den Uferwänden die Tunnel, die von den Nutrias gegraben wurden. „Die untergraben alles. Hoffentlich rutscht nicht mal der Hang ab“, sagt Schulze. Dis Nutria lässt sich davon nicht beeindrucken und nagt unterdessen weiter an den Kartoffelschalen. „Sie sind recht zahm und lassen sich leicht mit Futter anlocken“, erklärt Schulze und kommt damit direkt auf das zweite Problem zu sprechen. „Die Leute kommen hier her und bringen ihre Küchenabfälle für die Nutrias mit“, berichtet er. Vor allem im Sommer lägen häufig große Haufen mit Äpfeln, Möhren und Kartoffelschalen am Gewässerrand. Dass ihn das ärgert, daraus macht der Angelfreund keinen Hehl. Er sieht darin eine Umweltverschmutzung und habe das auch beim Ordnungsamt der Stadt Löbau gemeldet. Dort habe man ihm aber nur gesagt, man wisse nicht was man da machen solle, so Schulze. Doch bei der Stadtverwaltung sei das Problem nicht bekannt, wie Sabine Zwahr vom Ordnungsamt auf Anfrage mitteilt.

Woher genau die Nutrias kommen, weiß Frank Schulze nicht. Er vermutet allerdings, dass ihr Vorkommen mit den Nutriafarmen, die es bis Anfang der Neunzigerjahre gab, zusammenhängt. Auch in Kittlitz habe es so eine Farm gegeben, erzählt Schulze. Die Tiere selbst verursachen am Fischbestand keinen Schaden, da sie Vegetarier seien. Möglicherweise hätten sie sogar die Bisamratten vertrieben, erklärt er. Doch die Küchenabfälle stören ihn. „Irgendwann liegen die vergammelten Schalen auch im Wasser. Das muss doch nicht sein“, appelliert er an die Nutria-Fans. „Die Tiere finden genug Nahrung und müssen nicht angefüttert werden“.

Vom Füttern rät auch Hermann Ansorge vom Senckenberg Museum für Naturkunde in Görlitz ab. „Klar ist das für die Nutrias eine leckere Abwechslung. Aber das Anfüttern ist absolut unnötig“, erklärt er. Dass die Nager, die ursprünglich aus Südamerika stammen, die Bisamratten vertrieben haben, hält er für unwahrscheinlich. „Dazu gibt es in unserer Region zu wenige Nutrias“, sagt Ansorge. Die Zahl der Bisamratten sei generell zurückgegangen. Frank Schulzes Vermutung über die Herkunft der Tiere kann er hingegen bestätigen. „Es gibt sie überall, wo es früher viele Nutriafarmen gab“, erklärt er. Doch im Vergleich zu anderen Regionen seien es in Nechen wenige. „Sie leben in Verbänden mit bis zu zwanzig Tieren“, so Ansorge.

Den Ärger über die Futterhaufen und die Untergrabungen kann der Abteilungsleiter für Zoologie nachvollziehen. Doch einen Geheimtipp für Frank Schulze hat er nicht. Zwar sei die Nutria als nicht heimische Tierart ganzjährig jagbar, genieße also keine Schonzeit. Einen Jäger einzusetzen, um dem Problem Herr zu werden, befürwortet er als Tierfreund jedoch nicht. Die Nutrias hätten sich dem Oberlausitzer Klima zwar angepasst, erklärt Hermann Ansorge. Aber eigentlich seien sie subtropisches bis gemäßigtes Klima gewöhnt. „Wenn ein richtig strenger Winter kommt, überleben sie das nicht“, so der Experte.

Für Frank Schulze und seine Angelfreunde könnte das eine Lösung sein. Denn auf den Einsatz eines Jägers möchte auch er gern verzichten. „Das Beste wäre, die Leute würden nicht mehr füttern“, sagt er. So bliebe das Teichgelände sauber und die Nutrias hätten weniger zu fressen. „Vielleicht ziehen sie dann ja auch weiter“, hofft er. Und tatsächlich, der kleine Nager hat sich in der Zwischenzeit in den Gang in der Uferwand verzogen.

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