SZ +
Merken

Abfahrt ungewiss

Seit Monaten trommelt Reinhard Mitschke für eine Busfahrt gen Österreich. Dort gibt es viel zu lernen. Doch die Jüngeren in der Gemeinde zieren sich noch.

Teilen
Folgen
© dpa-tmn

Von Alexander Kempf

Er kann einem leidtun. Immer wieder trägt Reinhard Mitschke im Gemeinderat Hohendubrau den gleichen Text vor. Er spricht dann über Themendörfer in Österreich, die sich gut für die Zukunft aufgestellt haben. Reinhard Mitschke will von ihnen lernen. Aber nicht alleine, sondern mit Anderen aus Hohendubrau. „Es gibt dort hochinteressante Dinge, die uns als Lösung dienen könnten“, sagt der Senior auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Gebelzig. Und dann folgt der Satz, den viele Gemeinderäte wohl schon fürchten. „Es wäre schön“, sagt Reinhard Mitschke, „wenn sich noch zwei Landwirte und zwei Gemeinderäte finden, die mitkommen.“ Die Blicke der anderen gehen dann ins Leere. Viele warten wohl darauf, dass der Nachbar sich ein Herz fasst. Bisher ist das nicht passiert. Selten herrscht so eine seltsame Stille im Gemeinderat.

Andere hätten ihr Anliegen wohl schon längst aufgegeben. Reinhard Mitschke aber ist die Exkursion sehr wichtig. Immer wieder erinnert er daran. „Auf dem Dorf sollte man sein Umfeld gemeinsam gestalten“, sagt der Senior zuletzt. Eine Zusage erhält er trotzdem nicht. Zumindest nicht von denen, die er im Auge hat. Denn Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank, sein Stellvertreter Hans-Peter Soldan und Rainer Schlemmer haben sich schon bereiterklärt, an der Exkursion teilzunehmen. Es sind die älteren Gemeinderäte, die der Reise aufgeschlossen gegenüberstehen. Die jüngeren schauen ins Leere. Ist ihnen die Exkursion zu teuer? Fehlt ihnen die Zeit? Oder gar das Geld? In Gebelzig ziehen es die Gemeinderäte vor, zu schweigen. Nur Bürgermeister Hans Hermann Zschieschank sagt noch einen Satz. „Es müssen Leute aus der Reserve gelockt werden, die noch nicht so Farbe bekannt haben“, sagt er.

In einer Gemeinderatssitzung im vergangenen Jahr ist Kritik am Termin der Exkursion laut geworden. Sie finde in der Erntezeit statt. Mittlerweile ist die Fahrt verschoben worden und soll vom 4. bis zum 6. April stattfinden. Die Zeit sitzt Organisator Reinhard Mitschke im Nacken. Schließlich müssen Hotels gebucht werden. Aber es fehlen eben auch Teilnehmer. Nur wenn der Bus voll ist, geht die Rechnung auf. Die Übernachtung soll maximal 100 Euro kosten, die Verpflegung nicht mehr als 45 Euro, wirbt Reinhard Mitschke im Gemeinderat. 25 Zusagen liegen ihm bereits vor. Noch ist Platz für das eine oder andere junge Gesicht.

Für die Reise nach Österreich hat Reinhard Mitschke schon viele in Hohendubrau angesprochen. Er wird es wohl weiter tun. Das Kirschendorf Groß Radisch braucht seiner Meinung nach neue Impulse. „Auch Tradition schläft ein“, warnt er die Gemeinderäte in Gebelzig. Falls aus ihr kein Nutzen gezogen wird, verschwinde sie irgendwann. Das will er verhindern.