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Abfallwirtschaft steht auf dem Prüfstand

Gebühren. Wenn dadurch die Kosten sinken, könnte die Müllabfuhr im Kreis bald zentral vom Abfallzweckverband in Dresdengemanagt werden.

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Von Peter Anderson

Gut zweieinhalb Jahre ist der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft des Kreises alt, da könnten seine Tage schon wieder gezählt sein. „Eine Beraterfirma prüft momentan, ob es sinnvoll wäre, den Eigenbetrieb in ein neues Kompetenzzentrum beim Abfallzweckverband einzubringen“, sagt Thomas Großmann, der zuständige Dezernatsleiter im Landratsamt. Entscheidend dürfte sein, welche Variante für die Gebührenzahler finanziell am günstigsten ausfällt. Was kostet weniger: der Verbleib beim Landkreis oder die Übertragung der Aufgaben an den Zweckverband Abfallwirschaft Oberes Elbtal (ZAOE) mit Sitz in Dresden?

Meißen hat bereits zugestimmt

Im Nachbarkreis Meißen sind die Würfel bereits gefallen. Dort sprach sich eine Mehrheit der Kreisräte dafür aus, künftig alle Dienstleistungen rund um den Müll zentral erledigen lassen. Ebenso entschieden die Kommunalparlamente der restlichen zwei ZAOE-Mitglieder Sächsische Schweiz und Weißeritzkreis. Die vorausgesagten Einsparungen erwiesen sich als unwiderstehlich. So sollen in der Sächsischen Schweiz die Kosten der Abfallentsorgung von derzeit 48,34 Euro auf 41,75 Euro pro Einwohner und Jahr sinken. Im Weißeritzkreis würden sich die Ausgaben von 45,08 Euro auf 41,75 Euro verringern.

Erst Spareffekte nachweisen

Ob in Riesa-Großenhain ähnlich überzeugende Spareffekte zu erzielen sein werden, scheint allerdings fraglich. Bei einem Vergleich der Kosten für die Restabfallentsorgung durch die MDR-Umschau Anfang des Jahres schnitt Riesa-Großenhain weit besser ab als Meißen, die Sächsische Schweiz und der Weißeritzkreis. Um 3,7 Prozent konnte der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft 2005 die Gebühren senken. Allein die Grundgebühr pro Kopf und Jahr ging von 18 Euro auf 16,20 Euro runter. Schon 2004 hatte die Abfallwirtschaft sowohl die Grundgebühr als auch die so genannte Kippgebühr merklich reduziert. Ob es mit einer Bündelung der Entsorgung beim ZAOE noch weiter nach unten geht, müssen die Wirtschaftsberater herausfinden. „Das letzte Wort hat dann der Kreistag“, sagt Dezernatsleiter Thomas Großmann.

Im Westerzgebirge und Chemnitzer Land hat der dortige Zweckverband Abfallwirtschaft Südwestsachsen (ZAS) mit dem Zentralmodell in den letzten zwölf Monaten gute Erfahrungen gesammelt. „Früher waren wir nur für die Entsorgung auf der Deponie zuständig. Jetzt kümmern wir uns auch um die Müllabfuhr. Dieser Service aus einer Hand zahlt sich aus“, sagt Ramona Uhlig, Bereichsleiterin Finanzen und Controlling.

Höheres Einkaufsvolumen

Als ein Beispiel nennt sie die verbesserte Abstimmung der Tourenpläne auf die Öffnungszeiten der Umladestationen. „Das geht jetzt direkt, ohne Umwege“, so Ramona Uhlig gestern gegenüber der SZ. Die Bürger hätten nie richtig verstanden, warum Müllabfuhr und Müllentsorgung von zwei verschiedenen Betrieben geleistet würden. Weiteres Einsparpotenzial verspricht sich die Finanzexpertin, wenn etwa die Papier- oder Grünschnitt-Entsorgung neu auszuschreiben seien. „Dann haben wir durch das höhere Einkaufsvolumen bessere Karten“, sagt sie.

Ähnliche Hoffnungen hegen die ZAOE-Mitglieder. Insgesamt zwei Millionen Euro wollen die bislang beteiligten drei Landkreis einsparen. Vor allem beim Personal. Von 36 Planstellen sollen langfristig 24,5 übrig bleiben. Gleiches trifft auf die Technik und Gebührenberechnung zu. Statt dreier Systeme wäre dann nur noch eins zu pflegen.

www.zaoe.de