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Abgehauen und Opfer zurückgelassen

Ein Hund ist in Zittau vor das Rad eines Mann gesprungen - der stürzt und verletzt sich schwer. Das Frauchen hat sich aus dem Staub gemacht. Nun ermittelt die Polizei.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © Symbolfoto: Claudia Hübschmann

Nichts ist mehr so, wie es noch vor ein paar Tagen war. Auf einem Schlag hat sich das Leben von Heintje Schlick am vergangenen Sonntag in Zittau verändert. Wie so oft, ist er an diesem Tag mit seiner Frau Isabell mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. Sie fahren oft Rad. "Es sollte wieder eine Trainingsrunde für unseren Urlaub werden", erzählt Isabell Schlick. 40- bis 50-Kilometer-Touren machen sie dafür. Doch an diesem Tag kamen sie nicht weit.

Gegen 12.45 Uhr fuhren sie gerade in Zittau auf dem Radweg an der Mandau in Richtung Olbersdorfer See. In Höhe des Einganges zur Gartenkneipe Sommerlust standen auf der linken Seite zwei Frauen. Eine hatte einen kleinen Hund dabei, der nicht angeleint war. Und der rannte plötzlich bellend auf Heintje Schlick zu. "Mein Mann wich ihm nach rechts aus und verlor dabei die Balance, weil er mit dem Lenker in der Hecke hingen blieb", schildert Isabell Schlick.

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Sie fuhr etwa zehn Meter hinter ihm. "Selbst ich musste noch sehr scharf bremsen", erzählt sie. Dass sie nicht gestürzt ist, schiebt die leidenschaftliche Motorradfahrerin darauf, dass sie schon mehrfach beim Fahrsicherheitstraining für Motorräder teilgenommen hatte, wo auch Vollbremsungen geübt werden.

Mindestens drei Operationen sind notwendig

Aber ihr Mann hatte nicht so viel Glück. Der 44-Jährige war kopfüber gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Seine Trümmerbrüche am linken Knie und am Unterschenkel sind so schlimm, dass er an die Uniklinik nach Dresden gebracht werden musste.

Täglich telefoniert Isabell Schlick mit ihrem Mann. Nach der ersten OP in der Nacht zum Montag ist er nun am Mittwoch zum zweiten Mal operiert worden. Diesmal wurden in der Uniklinik sogar vier Stunden für die OP angesetzt. Und für nächste Woche ist schon die dritte Operation vorgesehen.

Wie lange ihr Mann in der Uniklinik bleiben muss, kann sie derzeit noch nicht sagen. "Aber danach darf er mindestens ein halbes oder vielleicht sogar ein dreiviertel Jahr auf kein Fahrrad steigen", erzählt sie.

"Einen Fehler kann jeder mal machen. Und ein Hund muss nun mal in der Stadt an der Leine geführt werden", sagt Isabell Schlick. Aber das die Hundehalterin einfach weggegangen ist, ohne nach ihrem Mann zu sehen, ärgert sie schon. "Ich glaube, dass die Frau noch von Weitem Entschuldigung gerufen hat, aber genau kann ich das nicht sagen. Das ging alles so schnell", schildert sie. Ihr Mann lag am Boden und schrie vor Schmerzen. Da hatte sie sich um die beiden Frauen nicht gekümmert.

Wenigstens die andere Frau hat geholfen

Die andere Frau, die sich mit der Hundehalterin unterhalten hatte, kam allerdings zu ihr und ihrem Mann und bot Hilfe an. Sie hat auch den alarmierten Rettungswagen eingewiesen, wie er zur Unfallstelle kommt. Ist danach zum Leidwesen der Polizei aber auch gegangen, ohne ihre Personalien zu hinterlassen. Denn das hätte es wahrscheinlich einfacher gemacht, die Hundehalterin zu finden.

So veröffentlichte die Polizei einen Zeugenaufruf und bat darum, sich bei ihr zu melden, wenn jemand Angaben zum Unfall oder zu der Hundehalterin beziehungsweise zu der Frau, die geholfen hatte, machen kann. Unabhängig davon rief dazu auch Isabell Schlick auf Facebook auf.

Und bei ihr hat sich auch jemand gemeldet, der berichtete, dass in der Gartenanlage ab und zu eine Frau mit einem kleinen Hund zu sehen ist. Am Mittwoch rief dann auch die Polizei bei Isabell Schlick an. "Die Hundehalterin hatte sich bei der Polizei gemeldet", schildert sie.

Am Sonnabend sollte es in Urlaub gehen

Trotzdem ermittelt nun die Polizei gegen die 53-jährige Deutsche wegen des Verdachts des unerlaubten Entfernens vom Unfallort und der fahrlässigen Körperverletzung, berichtet die Presseprecherin der Polizeidirektion in Görlitz, Katharina Korch.

Isabell und Heintje Schlick wollten an diesem Sonnabend in den Urlaub und zu ihrer geplanten Donau-Radwanderung starten. Über 370 Kilometer sollte es mit dem Fahrrad von Passau nach Wien gehen. Daraus wird nun nichts. Aber sie hoffen, dass alles wieder gut wird und sie die Tour irgendwann mal nachholen können. 

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