merken
PLUS

Abgezockt in Wilsdruff

Ein Unternehmer soll online für über 70 000 Euro Waren bestellt, sie aber nie bezahlt haben.

Von Stephan Klingbeil

Ein falsch registriertes Wilsdruffer Unternehmen, geprellte Geschäftspartner und jede Menge unbezahlte Rechnungen: Vor dem Amtsgericht Pirna wird derzeit eine Reihe schwerer Betrugsfälle verhandelt. Im Fokus der Ermittler steht dabei ein Mann – der 40-jährige Edin H. Eiskalt abgezockt haben soll er seine Geschäftspartner, mehrere davon hier im Landkreis. Selbst den ahnungslosen Vater seiner Ex-Frau soll er in krumme Geschäfte verwickelt haben.

August Holder GmbH
Zuverlässigkeit und Erfahrung
Zuverlässigkeit und Erfahrung

Kettensäge kaputt oder Profi-Gerät für´s Wochenende gesucht? Bei HOLDER kein Problem: Onlineshop, Werkstatt und Leihservice sorgen für funktionierendes und passendes Gerät.

Die Anklageliste gegen H. ist lang. Der Geschäftsmann habe zwischen November 2012 und Juli 2013 nicht nur Telefonverträge unter falschem Namen abgeschlossen und etliche gebrauchte Gartengeräte und Werkzeuge gekauft, sie dann aber nicht bezahlt. Er soll vor allem auch über das Internet in 95 Fällen neue Waren bestellt haben, ohne die Rechnungen zu begleichen. Zahlreiche Firmen in ganz Deutschland hätte der Angeklagte so um ihr Geld gebracht.

Bohrmaschinen, Kabel und Schneeschieber waren unter dem Bestellten. Auch Zündkerzen, Kühlschrank und Spiderman-DVDs habe Edin H. online geordert. Lieferadresse war stets eine Firma namens Car and Garden Provider Wilsdruff GmbH mit Sitz in der Fabrikstraße. Das Problem: Das Unternehmen gibt es eigentlich gar nicht.

Ominöser Firmenchef unauffindbar

Es wurde über offenbar gefälschte Unterlagen unter der Nummer einer früheren Wilsdruffer Firma registriert. Die Stadt sei der Sache nach Anfragen von Inkassounternehmen nachgegangen, konnte den angeblichen Geschäftsführer nicht ausfindig machen. Dieser soll „Frank Sündermann“ heißen. Selbst die Polizei, so hieß es vor Gericht, suchte ihn vergeblich. Vermutungen stehen im Raum, dass sich Edin H. hinter der Firma verbirgt. Der Angeklagte war im vorigen Juli in der Fabrikstraße festgenommen worden, wegen eines anderen Verfahrens. Dabei stellten die Beamten im dortigen Lager die Sachen sicher, die nie bezahlt wurden. Die Ermittler gehen von einem Mindestschaden von über 70000 Euro aus.

Der Angeklagte soll die Sachen weiter verkauft oder selbst genutzt haben. Noch immer ist die zuständige Polizistin damit beschäftigt, die im Lager konfiszierten Waren den offenen Rechnungen zuzuordnen. H. bestreitet die Vorwürfe, wollte sich aber nicht konkret dazu äußern. Einen Deal mit der Staatsanwaltschaft lehnte er ab. Um sich die Aufarbeitung jedes einzelnen Falls zu ersparen, hatte sie H. angeboten, dass er mit einer Haftstrafe von unter drei Jahren davon käme, wenn er die Vorwürfe einräumt. „In der Verhandlung soll sich zeigen, dass die Vorwürfe so nicht stimmen“, sagte sein Anwalt Endrik Wilhelm der SZ.

Dabei geht es vor allem darum, dass unklar wäre, wer die Waren tatsächlich bestellt hat. Laut Staatsanwaltschaft konnten zwar bereits rund 80 Prozent der nicht bezahlten Sachen dem Angeklagten zugeordnet werden. Dennoch äußerte das Gericht Bedenken. Denn solche Geschäfte über das Internet sind durchaus knifflig. Hat Edin H. die Waren selbst geordert? Bestellt, geliefert, vor Ort gefunden – genügt das nicht als Beweis? „So einfach ist es bei solchen Internetkäufen nicht“, erklärt der Richter. „Hier braucht man nicht nur Indizien, sondern eindeutige Beweise.“ Dies wären zum Beispiel Unterlagen, die nachwiesen, dass H. unbezahlte Waren weiter verkauft habe.

Doch gerade hier herrscht wohl Mangel seitens der Behörden. Daher rügte das Gericht die Ermittlungsarbeit der Polizei. Zudem wurde Kritik laut, dass ein Teil der Ware, die Gegenstand der Anklage ist, aus dem Wilsdruffer Lager verschwunden sei. Und zwar noch bevor die Räume im Sommer 2013 von den Beamten versiegelt wurden.

Dabei soll Karsten Z., ein damaliger Geschäftspartner von H. Sachen aus dem Lager abgeholt haben. Der zuständige Polizist hätte nichts dagegen gehabt, hieß es vor Gericht. Der Beamte hätte den Coswiger nur aufgefordert, eine Liste des abgeholten Inventars nachzureichen. Das geschah laut Polizei aber nie. Anwalt Wilhelm wundert sich: Hätte Karsten Z. dann nicht auch zum Kreis der Verdächtigen zählen müssen? Der Prozess wird am 24. April fortgesetzt.