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Einserabitur: Was zwei Görlitzer nun machen

Marie Clausnitzer und Lukas Bressel gehören zu den Abiturienten mit Topabschluss. Wie es für sie nun weitergeht - in Coronazeiten.

Im Moment arbeitet Lukas Bressel bei Skan. Am Freitag hat Lukas Bressel die Immatrikulationsbestätigung erhalten: Im Oktober beginnt sein Studium. Nur wie, ist noch die Frage.
Im Moment arbeitet Lukas Bressel bei Skan. Am Freitag hat Lukas Bressel die Immatrikulationsbestätigung erhalten: Im Oktober beginnt sein Studium. Nur wie, ist noch die Frage. © André Schulze

Vielleicht reicht es am Ende für ein Tablet. Im Moment arbeitet Lukas Bressel bei Skan in Hagenwerder, ein Ferienjob. Das Geld will er nutzen für Materialien, die er für sein Studium braucht. Ab kommenden Semester wird der 19-jährige Maschinenbau an der TU Dresden studieren. Ein Studiengang auf dem kein Numerus Clausus liegt. Wenn, dann hätte Bressel mit höchster Wahrscheinlichkeit dennoch den Platz bekommen: Er hat sein Abitur am Joliot-Curie-Gymnasium dieses Jahr mit 1,0 abgeschlossen.

Marie Clausnitzer hat einen Topabschluss am Joliot-Curie-Gymnasium geschafft. Corona hatte bislang wenig Einfluss auf sie, erzählt sie. Wie der Unialltag laufen wird, fragt sie sich aber schon.
Marie Clausnitzer hat einen Topabschluss am Joliot-Curie-Gymnasium geschafft. Corona hatte bislang wenig Einfluss auf sie, erzählt sie. Wie der Unialltag laufen wird, fragt sie sich aber schon. © privat

Allein ist er damit nicht. Auch seine Mitschülerin Marie Clausnitzer hat die Abschlussnote 1,1 geschafft. Und am Augustum-Annen-Gymnasium in Görlitz haben dieses Jahr sogar fünf Schüler die 1,0 auf ihrem Abizeugnis stehen, insgesamt acht haben Bestnoten bis 1,3 erreicht.

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Viel Unsicherheit dieses Jahr

Dabei war dieses Jahr die Unsicherheit groß. Wegen Corona. Die Schulschließung galt auch für Absolventen. Kurz vor der Prüfungszeit kamen erste Lockerungen, und die Abiturienten, die Absolventen an Ober-, Berufs- und Förderschulen, konnten zumindest zur Prüfungsvorbereitungen in die Schulen gehen, unter strengen Hygieneauflagen. Die Entscheidung, dass in Sachsen die Prüfungen wie geplant stattfinden, hatte nicht zuletzt unter Schülern für Verunsicherung bis Unmut gesorgt.

Corona sorgte für mehr Zeit zum Lernen

Für sich kann Lukas Bressel das nicht bestätigen. Eher im Gegenteil: Durch das Aussetzen der Schulpflicht fielen auch Unterrichtsstunden jenseits der Prüfungsfächer aus, heißt: Mehr Zeit zum Lernen für die Prüfungen. Außerdem habe am Joliot-Curie-Gymnasium auch der Unterricht auf Abstand ganz gut funktioniert. „Über die Plattform Lernsax ging das ganz gut“, erzählt er. Video-Konferenzen mit den Lehrern, Mathe-Unterricht über Whatsapp, Lernen mit Mitschülern über Skype.

Am Anfang, sagt Marie Clausnitzer, sei schon Unsicherheit dabeigewesen. „Keiner wusste, wie lange wir zu Hause bleiben werden und in welchem Rahmen die Abiturprüfungen stattfinden.“ Ein großes Verdienst der Lehrer sei es gewesen, Bedenken zu beseitigen und dafür zu sorgen, dass die Vorbereitung aufs Abitur in dieser Ausnahmesituation reibungslos funktionierte.

Beide Absolventen sind Mathe-Freunde

Marie Clausnitzer hat sich für ein Informatikstudium an der TU Dresden beworben – und die Zusage bereits bekommen. Ihr Abitur hat sie in den Fächern Mathe, Chemie, GRW, also Gesellschaftskunde-Recht-Wirtschaft, und Geschichte abgelegt. „Die naturwissenschaftlichen Fächer haben mir immer am meisten Spaß gemacht“, sagt sie. 

„Das ist etwas, bei dem man am Ende wirklich ein Ergebnis hat“, so Lukas Bressel. Dennoch, die Frage, warum er sich für Maschinenbau entschieden hat, habe er in den vergangenen Wochen schon mehrfach gehört. Ebenso wie den Hinweis, mit seinem Abschluss könne er doch auch Medizin studieren. „Aber das Interesse sollte schon an erster Stelle stehen, denke ich.“ Und das liegt derzeit besonders beim Thema Zukunftstechnologien wie der Wasserstofftechnologie. Voriges Jahr gehörte Bressel zu den Schülern, die an der Wasserstoffrallye beim Altstadtfest teilgenommen haben. Ein Zeichen, das die Oberschulen und Gymnasien für den geplanten Forschungscampus in Görlitz gesetzt haben.

Wie nun weiter in der Coronazeit?

Nach den Prüfungen ist vor der Ausbildung oder dem Studium. Auch keine leichte Zeit in der Coronakrise. Hochschulinformationstage und Ausbildungsbörsen sind ausgefallen oder wurden ins Netz verlegt. Können geplante Auslandsaufenthalte überhaupt stattfinden? Und findet man in einer vielleicht neuen, fremden Stadt eine Wohnung? Lukas Bressel hat jetzt eine gefunden, über eine Wohnungsgenossenschaft, erzählt er. „Sie ist ruhig gelegen. Das kommt mir entgegen, ich bin nicht so der Stadtmensch.“

Sorgen, wie es nun weitergeht, machen sich Marie Clausnitzer und Lukas Bressel zwar nicht. Marie Clausitzer hatte sich beispielsweise schon früher bei einem Tag der offenen Hochschultür über ihren Studiengang informiert, erzählt sie. „Gespannt bin ich nur auf den Ablauf des Unialltags während Corona.“ Eine Frage, die sich auch Lukas Bressel stellt. Wird es beispielsweise überhaupt eine Einführungswoche geben? An der TU Dresden gilt seit Mai eingeschränkter Präsenzbetrieb. Heißt, ausgewählte Lehrveranstaltungen finden im Präsenzbetrieb statt. Bei Maschinenbau, vermutet er, werden sich viele eingeschrieben haben – was volle Hörsäle bedeuten würde. „Deshalb nehme ich eher an, dass vieles noch digital laufen wird.“

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