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Görlitz

Wie das Abi ab Montag laufen wird

Die Leiter der Görlitzer Gymnasien finden die Entscheidung richtig, dass die Prüfungen stattfinden. Auch wenn die Regelungen jetzt nicht ganz leicht sind. Wie die Schulen sie umsetzen.

Andreas Müller ist der stellvertretende Schulleiter des Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasiums und organisiert die Abiprüfungen - unter besonderen Bedingungen.
Andreas Müller ist der stellvertretende Schulleiter des Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasiums und organisiert die Abiprüfungen - unter besonderen Bedingungen. © André Schulze

An der Tafel in einem der Klassenräume im Joliot-Curie-Gymnasium ist kein Platz mehr. Am Dienstag hat die Schulleitung geplant, wie die kommenden Tage und Wochen aussehen werden. Wie viele Schüler in welchen Räumen ihre Abi-Prüfungen schreiben werden. 

Am Dienstag kam die Schulleitung des Curie-Gymnasiums zusammen, um zu planen, wann welche Konsultationsstunden für die Abiturienten stattfinden sollen und in welchen Räumen. In den kommenden Wochen sollen nie mehr als 30 Schüler zugleich im Schulhaus sein
Am Dienstag kam die Schulleitung des Curie-Gymnasiums zusammen, um zu planen, wann welche Konsultationsstunden für die Abiturienten stattfinden sollen und in welchen Räumen. In den kommenden Wochen sollen nie mehr als 30 Schüler zugleich im Schulhaus sein © André Schulze

Am Donnerstag vor Ostern hatte  Kultusminister Christian Piwarz mitgeteilt: Die Abiturprüfungen werden stattfinden wie geplant. Los geht es in Sachsen am 22. April mit der Religionsprüfung. Am Joliot-Curie-Gymnasium wird die aber niemand ablegen. Hier machen 60 Schüler ihr Abitur, für die ersten von ihnen geht es am kommenden Freitag mit Physik los. Organisatorisch allerdings wird einiges nicht laufen, wie einst geplant.

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Am gestrigen Freitag war Frank Gröll, Leiter des Augustum-Annen-Gymnasiums, in Bautzen beim Landesschulamt - um dort für seine Schule sowie das Joliot-Curie-Gymnasium Desinfektionsmittel und Seife abzuholen. Ab Montag öffnen die Schulen wieder für Personal und Abiturienten, ab Mittwoch zur Prüfungsvorbereitung für die Abschlussklassen an Oberschulen, Berufsschulen und Förderschulen. Mit strengen Hygienevorschriften. So gilt unter anderem: Direkt, nachdem die Schüler das Schulhaus betreten haben, sollen sie sich die Hände waschen. Außerdem gelten Abstandsregelungen für Schüler wie Lehrer. 

Das Schild im Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasium stammt noch aus der Zeit vor der Schulschließung. Es kann bleiben. Mit der Öffnung gelten sowohl Abstands- wie auch Hygienevorgaben. So sollen die Schüler direkt nach Betreten des Schulhauses zunächst Händewa
Das Schild im Görlitzer Joliot-Curie-Gymnasium stammt noch aus der Zeit vor der Schulschließung. Es kann bleiben. Mit der Öffnung gelten sowohl Abstands- wie auch Hygienevorgaben. So sollen die Schüler direkt nach Betreten des Schulhauses zunächst Händewa © André Schulze

Um die einzuhalten, soll beispielsweise auch der Zugang zum Schulhaus reguliert werden. "Wir haben drei Eingänge", erklärt Wolfgang Mayer, Schulleiter des Joliot-Curie-Gymnasiums, "das bekommen wir hin, denke ich." Auch in den Klassenzimmern werden die Schüler nicht in voller Kursstärke zusammensitzen. Für die Prüfungsvorbereitungen  werden sie aufgeteilt. "Wir versuchen, so zu planen, dass maximal 30 Schüler auf einmal im Schulhaus sind."

Fest steht am Joliot-Curie-Gymnasium, dass jeder Abiturient für seine Prüfungsfächer noch zweimal je 90 Minuten Konsultationszeit bekommt. Dafür werden acht bis zehn Schüler zusammenkommen, eine Gruppengröße, mit der sich die Abstandsregelungen in den Klassenräumen umsetzen lassen. Es gehe in den Konsultationen vor allem darum, noch mal  - mit Abstand - Kontakt zu den Schülern zu haben, so Wolfgang Mayer. "Es ist noch mal Zeit, etwas aufzuarbeiten und den Schülern Sicherheit zu geben." Ähnlich wird es am Augustum-Annen-Gymnasium laufen. "Die Vorgaben sind ja sachsenweit identisch", sagt Frank Gröll. 

Die Konsultationen werden in kleineren Gruppen in bestimmten Klassenzimmern stattfinden. Welche, das richtet sich nach Fragen wie: Wo lassen sich die Abstandsregelungen am besten umsetzen? Wie lässt sich der Weg vom Eingang zum Klassenzimmer möglichst kur
Die Konsultationen werden in kleineren Gruppen in bestimmten Klassenzimmern stattfinden. Welche, das richtet sich nach Fragen wie: Wo lassen sich die Abstandsregelungen am besten umsetzen? Wie lässt sich der Weg vom Eingang zum Klassenzimmer möglichst kur © André Schulze

Die aufgeteilten Kurse bedeuten aber auch: Es werden mehr Lehrer gebraucht. Dass in Sachsen viele Lehrkräfte in der Nähe des Rentenalters sind, ist kein Geheimnis. Auch aus anderen Gründen werden nicht alle Lehrer zur Verfügung stehen, weil sie zur Risikogruppe gehören. Nicht nur deshalb hat die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft große Bedenken zu den Schulöffnungen geäußert. Und einen Katalog mit Fragen veröffentlicht, wie die Regelungen praktisch umzusetzen sind. 

Dennoch ist Wolfgang Mayer dafür, dass die Prüfungen stattfinden wie geplant. "Es wurde uns in den vergangenen Wochen auch so kommuniziert." Das sieht Frank Gröll  genauso: "Es ist richtig, dass Klarheit herrscht." Zum einen sei es für die Schüler günstiger, wenn sie auf einen fixen Termin hinarbeiten können, als ohne klares Ziel zu lernen. "Ich empfehle auch, den Ersttermin wahrzunehmen", sagt Gröll. Zum anderen hängen an den schriftlichen Prüfungen weitere Termine. "Und wir wissen nicht, was in einem Monat sein wird." Deshalb sieht er es positiv, zumindest Klarheit für die schriftlichen Prüfungen zu haben, "und dann können wir wieder einen Schritt weitergehen." 

Schüler aus Görlitz und Zittau baten um Aufschub

Sowohl im Joliot-Curie- wie im Augustum-Annen-Gymnasium laufen noch die Planungen, welche Lehrer jetzt und zu den Prüfungen im Einsatz sein werden. "Oberstes Ziel ist natürlich, dass wir alle gesund durch die Zeit bringen", so Frank Gröll. Das gelte nicht nur für die Lehrer, sondern auch für die Schüler, die genauso zur Risikogruppe gehören können. "Wenn es Schüler gibt, die betroffen sind, dann bitte bei uns melden. Wir finden eine Lösung." 

Das ist ein Punkt, den Abiturienten aus Ostsachsen in einem Brief an Christian Piwarz angeführt haben, in dem sie um  einen Monat Aufschub bitten. So sagte eine Görlitzer BSZ-Schülerin, die eine Lebererkrankung hat, gegenüber der SZ, sie habe Angst vor einer Ansteckung. Außerdem, argumentieren die Schüler, dass sie sich nach vier Wochen Selbststudium nicht optimal vorbereitet fühlen. 

"Ich verstehe die Angst", sagt Andreas Müller, stellvertretender Leiter am Joliot-Curie-Gymnasium. "Es ist eine Unsicherheit, die bei uns allen gerade herrscht. Aber was wird durchs Warten besser?", fragt er. Mit dem prüfungsrelevanten Stoff sei man, als die Schulen vor vier Wochen geschlossen wurden, im Großen und Ganzen durch gewesen. Die coronabedingte Schließung betraf damit eher die Übungszeit, in der es aber Konsultationen auf elektronischem Weg, teils mit Videopräsenz gab.

Für den Fall, dass tatsächlich prüfungsrelevanter Stoff durch Corona zu kurz gekommen ist, bleiben die Prüfungen dieses Jahr für die Zweitkorrektur innerhalb der Schule. "Es gibt jetzt natürlich dennoch einen psychologischen Faktor", sagt Andreas Müller. "Aber ich bin guter Dinge, dass unsere Schüler gut vorbereitet sind. Und diese Sicherheit wollen wir den Schülern geben: Sie schaffen das."

Normalerweise finden im Gymnasium die Abiprüfungen in der Aula statt. Das gilt dieses Jahr nur für rund 20 Schüler pro Prüfung. Die anderen schreiben in kleineren Gruppen in Klassenräumen.
Normalerweise finden im Gymnasium die Abiprüfungen in der Aula statt. Das gilt dieses Jahr nur für rund 20 Schüler pro Prüfung. Die anderen schreiben in kleineren Gruppen in Klassenräumen. © André Schulze

Ähnlich sieht es sein Chef Wolfgang Mayer. "Die Schüler hatten dreieinhalb Wochen Zeit, sich in Ruhe auf die drei schriftlichen Prüfungen vorzubereiten", sagt er. "Die, mit denen ich in der Zeit in Kontakt war, haben auch gesagt: Sie wollen die Prüfungen jetzt ablegen, um es hinter sich zu haben." Die Regelungen jetzt seien herausfordernd, "das stimmt. Aber es ist nicht so, dass es nicht zu handhaben wäre."

Die Prüfungen selbst finden im Joliot-Curie-Gymnasium immer in der Aula statt. Dieses  Jahr werden rund 20 Schüler in der Aula ihr Abi schreiben, die anderen in Gruppen von acht bis zehn Personen. Dabei muss geschaut werden, welche Räume sich dafür gut nutzen lassen - zum Beispiel, weil sie nahe einer Toilette liegen. Damit die Schüler nicht erst zahlreiche Flurmeter zurücklegen müssen.

Leere Flure, so sah es jetzt fast vier Wochen aus. Ab Montag kehren die Abiturienten in das Joliot-Curie-Gymnasium für ihre Konsultationen vor den Prüfungen zurück. Normaler Unterricht findet noch nicht statt. Ab Mittwoch beginnen auch an den Oberschulen,
Leere Flure, so sah es jetzt fast vier Wochen aus. Ab Montag kehren die Abiturienten in das Joliot-Curie-Gymnasium für ihre Konsultationen vor den Prüfungen zurück. Normaler Unterricht findet noch nicht statt. Ab Mittwoch beginnen auch an den Oberschulen, © André Schulze

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