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Bautzen

Eltern fordern: Prüfungen verschieben

Ist wegen der Schulschließung eine ordentliche Vorbereitung überhaupt möglich? Im Kreis Bautzen gehen die Meinungen dazu auseinander.

Die Stuhlreihen in den Schulen im Landkreis Bautzen bleiben derzeit leer; stattdessen bereiten sich Oberschüler und Gymnasiasten zuhause auf die Abschlussprüfungen vor.
Die Stuhlreihen in den Schulen im Landkreis Bautzen bleiben derzeit leer; stattdessen bereiten sich Oberschüler und Gymnasiasten zuhause auf die Abschlussprüfungen vor. © Symbolfoto: Fabian Strauch/dpa

Bautzen. Noch drei Wochen, dann wird es ernst für viele Schüler in Sachsen: Am 22. April findet die erste Abiturprüfung statt - zumindest, wenn es nach dem Kultusministerium geht. Marcus Fuchs vom Bautzener Kreiselternrat versetzt sich nur mit Bauchschmerzen in die Lage der Schüler. "Ich habe mich mit einem Vater unterhalten", sagt der Arnsdorfer, "der muss hilflos zusehen, wie sein Sohn versucht, sich auf die Prüfungen vorzubereiten." Fragen beantworten könne er ihm nicht - dazu sei er inhaltlich nicht in der Lage. 

Schuld an der Situation ist das Coronavirus. Üblicherweise würden die Abiturienten jetzt in der Schule den Stoff wiederholen; letzte Fragen stellen. Stattdessen sitzen sie nun zu Hause, büffeln für sich alleine.

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Der Bautzener Kreiselternrat hat sich deshalb mit dem Görlitzer und dem Dresdner Kreiselternrat in einem Offenen Brief an das Kultusministerium gewandt. Darin fordern die Eltern, die Abiturprüfungen zu verschieben - um mindestens zwei Wochen, besser noch auf zwei Wochen nach Wiederaufnahme des Schulbetriebs. "Die bisher übliche Vorbereitung in Lerngruppen ist aufgrund des Kontaktverbotes quasi ausgeschlossen", heißt es zur Begründung unter anderem in dem Schreiben. Auch von einer psychischen Zusatzbelastung sprechen die Eltern. 

Einige Themen gar nicht durchgenommen

Marcus Fuchs sagt: "Viele Eltern haben große Sorgen." Einige Lehrer würden sich zwar große Mühe geben und versuchen, via Videokonferenz Fragen zu beantworten. Doch das sei nicht dasselbe wie eine Prüfungsvorbereitung in der Schule. "Oft scheitern die Konferenzen an der Technik", sagt Fuchs, außerdem sei das nicht dasselbe, wie in einem Raum zu lernen. "Ich kenne das aus Videokonferenzen im Homeoffice", sagt der Vorsitzende des Kreiselternrates, "es geht viel verloren." Schwierige Sachverhalte? - So nur schwer zu vermitteln. Von viel Frust spricht Fuchs.

Er sorgt sich nicht um diejenigen, die ohnehin gute Noten nach Hause bringen. "Es wird die Mittleren treffen", sagt er, "und die, die Schwierigkeiten haben." Das Abitur werde in diesem Jahr einen schlechteren Durchschnitt haben als üblich, vermutet er. Und nicht nur das. Auch die Abschlussprüfungen an den Oberschulen bereiten ihm Sorge. "Einige Oberschulen waren nicht einmal mit den Themen durch", sagt Fuchs.

Seine Forderung geht deshalb weiter, als nur die Prüfungen zu verschieben. Auch beim Stoff müsse es Nachsehen geben. "Sachsen kann doch nicht stur sein Ding durchziehen, ohne Rücksicht auf die Folgen der Schulschließungen zu nehmen."

Jongliert daheim zwischen Homeoffice und Heimunterricht: Marcus Fuchs, Vorsitzender des Bautzener Kreiselternrates.
Jongliert daheim zwischen Homeoffice und Heimunterricht: Marcus Fuchs, Vorsitzender des Bautzener Kreiselternrates. © SZ/Uwe Soeder

Karsten Vogt, Schulleiter des Bautzener Philipp-Melanchthon-Gymnasiums, kann die Forderung der Kreiselternräte nachvollziehen. Eine Meinung oder gar Empfehlung will er nicht abgeben, aber auch er ist überzeugt: "Die Lage ist für die Breite, also nicht nur diejenigen, die schon zuvor auf der Kippe standen, ein Nachteil." Vor allem das unsichere Gefühl, mit dem viele jetzt in die Prüfungen gehen, sei ein Problem. Die Abiturienten stellen Fragen über Chats oder per Mail, "aber das ersetzt kein persönliches Gespräch".

Einige Schüler indes, hat Fuchs gehört, nehmen die Sache hingegen gelassen. "Vielleicht fehlt ihnen der Vergleich, wie es wäre, den Stoff jetzt in der Schule zu wiederholen." Tatsächlich sagt zum Beispiel Joseph Maak, der am Beruflichen Schulzentrum Kamenz das Abitur schreiben will: "Ich halte nichts von einer Verschiebung der Prüfungen." Er habe ja trotzdem gelernt, individuell für sich. "Das ist eigentlich günstig", findet er. Die Lehrer seien für Fragen offen gewesen, er fühle sich sicher. 

Schüler sehen es gelassen

Und auch Hanna Clauß, Schulsprecherin des Schiller-Gymnasiums in Bautzen, sagt: "So hatte jeder Zeit, das zu lernen, was gerade nötig ist." Die meisten hätten sich damit abgefunden; sie sei unsicher, ob eine Verschiebung der richtige Weg ist. In ihrem Deutschkurs haben sich die Schüler ein Buch selber erarbeiten müssen, weil der Kurs dies vor den Schulschließungen nicht mehr geschafft hat. "Es wäre schön, sich wenigstens für die Prüfungsfächer noch einmal in der Schule zusammensetzen zu können." Auch an ihrer Schule fordern einige ein Durchschnitts-Abi, das auf den Noten aus der Qualifikationsphase basiert. Hanna Clauß hat aber die Befürchtung, dass ihr Jahrgang im Zweifel immer als "der Corona-Jahrgang" gelten wird - eben der, der Vorteile bekommen hat.

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Das sächsische Kultusministerium indes verweist auf einen Brief, den Kultusminister Christian Piwarz (CDU) vor ein paar Tagen an die Abiturienten sendete und in dem er sich gegen ein Notabitur ausspricht. Auch auf Sorgen wie die von Hanna Clauß geht er darin ein: "Ihr Schulabschluss bleibt für Ihr ganzes Leben eine wichtigere Referenz", heißt es in dem Brief, der an die Schülerinnen und Schüler ging, "Niemand soll darum fürchten, sein Abitur später ausreichend anerkannt zu bekommen."

Hier ist der Offene Brief der Kreiselternräte zu finden. 


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