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Abmahnungsfalle Internet

Kriminelle haben die Internetseite eines Nieskyer Unternehmers attackiert. Auch anderen kann das leicht passieren.

Von Alexander Kempf

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Auf der Internetseite der Nieskyer Zinzendorf Apotheke ist ein roter Farbroller zu sehen. „Hier wird gerade frisch gestrichen!“, steht daneben. Und ein Countdown kündigt an, wie lange die Renovierung der Seite noch dauern soll. Doch der Neustart will nicht wirklich näher rücken. Vergangenen Freitag sind es noch neun Tage, genau wie gestern. Oliver Richter, der die Seite für den Apotheker Heiko Neumann betreut, schiebt den Start der Seite erst einmal hinaus. Aus Sicherheitsgründen. Sie soll so aus dem Visier von Kriminellen kommen.

Unbekannte haben die Internetseite des Apothekers zuvor angegriffen. Oliver Richter von leondesign spricht von einer Spam-Attacke. Diese führen oft dazu, dass Seiten langsamer werden oder sogar ganz zusammenbrechen. Wenn sich die Angreifer Zugang zum Server verschaffen, können sie nicht nur sensible Daten abgreifen, sondern darüber auch Nachrichten verschicken. Für den Betreiber der Seite kann das sehr unangenehm werden. Um Heiko Neumann zu schützen, hat sein Dienstleister die Seite vorerst vom Netz genommen.

Erst durch einen Hinweis von Oliver Richter wird der Apotheker überhaupt auf den Angriff aufmerksam. „Ich habe es am Anfang gar nicht mitbekommen“, sagt Heiko Neumann. Die Seite ist für ihn eine Visitenkarte, kein Verkaufsraum. Er setzt lieber auf Beratung und Verkauf vor Ort. Darum muss nun auch niemand fürchten, dass irgendwelche Daten von Kunden in Gefahr gewesen sind. Ärgerlich ist die Attacke dennoch. Schließlich bereitet sie Oliver Richter viel Arbeit.

Über den Hintergrund des Angriffs kann der Entwickler nur mutmaßen. Dass jemand dem Apotheker gezielt schaden will, hält er für unwahrscheinlich. Täglich gebe es im Netz Tausende Attacken auf Server. Die Angreifer suchen gezielt Sicherheitslücken. Oliver Richter will genau die schließen. Das ist aber nicht einfach, da sich die Software laufend weiterentwickelt. „Es gibt immer wieder Probleme“, sagt der Entwickler. Der beste Schutz vor Kriminellen sei seiner Meinung nach, die Internetseite von Profis betreuen zu lassen.

Wie häufig im Landkreis Görlitz Angriffe auf solche Plattformen verübt werden, ist nicht eindeutig zu ermitteln. Manche werden nicht mal bemerkt, andere nicht angezeigt. Wie viele Fälle den Behörden bekannt sind, kann Polizeisprecher Thomas Knaup aus dem Stegreif nicht sagen. Die Delikte im Netz sind so vielfältig wie unterschiedlich und werden daher nicht zentral erfasst. „Wenn eine Webseite gehackt wird, fällt das in den Bereich Sabotage von Daten“, erklärt der Polizeisprecher. Die Zahlen für Ostsachsen will er beim zuständigen Cyber-Kompetenzzentrum des Landeskriminalamtes erfragen.

Wie viele Fallstricke im Internet lauern, müssen einige Apotheker im Landkreis erst kürzlich erfahren. In Görlitz bereitet das Schreiben eines Leipziger Anwalts zum Beispiel Thomas Neumann Sorgen. Im Auftrag eines Apothekers aus Schwäbisch Hall wirft der ihm vor, mit seiner Internetseite gegen verschiedene Regeln zu verstoßen. Unter anderem könne man über seine Internetseite ohne Hürde Arzneimittel bestellen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen. Außerdem sei das Impressum unvollständig. Deswegen soll der Görlitzer pro Filiale 2 600 Euro bezahlen und versichern, sein wettbewerbswidriges Verhalten zu unterlassen. Doch Thomas Neumann betreibt gar keinen Onlineshop.

Wie er erhalten dennoch mehr als 3 000 Apotheker in ganz Deutschland Post. Auch in Weißwasser ist mindestens ein Fall bekannt. Der Spuk löst sich glücklicherweise nach wenigen Tagen auf. Denn viele Apotheker wehren sich mit Strafanzeigen gegen die Abmahnschreiben. Schon im Dezember zieht der Anwalt des schwäbischen Apothekers dann alle Abmahnungen zurück. Denn erstens hat sein Mandant gar keinen Internetshop, um mit den abgemahnten Apothekern in Wettbewerb zu treten. Zweitens sind die meisten Vorwürfe schlicht nicht haltbar und drittens wird schnell offensichtlich, dass mit der unseriösen Abmahnwelle nur schnell Geld verdient werden soll. Die Apotheke in Schwäbisch Hall ist mittlerweile geschlossen.

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