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Abriss im Lahmann-Sanatorium

Ein Teil der alten Mauern ist nicht mehr zu retten. Im September sollen die ersten neuen Häuser fertig sein.

Von Bettina Klemm

Die historischen Bauten im Lahmann-Sanatorium sehen gruslig aus. Vom einst stolzen Herrenbad steht nur noch die Fassade. Sie wird von Gerüsten gestützt. Im Inneren ist alles weg, entkernt nennen es die Fachleute. Auch vom Damenbad blieb nur noch ein Teil stehen, der Rest fiel den Abrissbaggern zum Opfer. „Das Mauerwerk ist an vielen Stellen so vom Schwamm und Pilz zersetzt, dass es nicht mehr zu retten war“, sagt Berndt Dietze.

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Auf dem Gelände entstehen 14 Eigenheime. Einige stehen schon im Rohbau. Die ersten Häuser sollen bereits im September bezugsfertig sein.
Auf dem Gelände entstehen 14 Eigenheime. Einige stehen schon im Rohbau. Die ersten Häuser sollen bereits im September bezugsfertig sein.
Die Kehrseite: Weil die Schäden durch jahrzehntelange Vernachlässigung größer als erwartet sind, muss von der historischen Bausubstanz, wie hier am Hirschhaus, mehr abgerissen werden als geplant.
Die Kehrseite: Weil die Schäden durch jahrzehntelange Vernachlässigung größer als erwartet sind, muss von der historischen Bausubstanz, wie hier am Hirschhaus, mehr abgerissen werden als geplant.
Notquartier für die Fledermäuse. Für die Tiere werden alte Gänge erhalten und Winterquartiere im Heizkraftwerk geschaffen.
Notquartier für die Fledermäuse. Für die Tiere werden alte Gänge erhalten und Winterquartiere im Heizkraftwerk geschaffen.

Der Baywobau-Chef verweist auf ein Gutachten. Danach müsste der verwendete chemische Cocktail dokumentiert werden, weil nicht auszuschließen ist, dass sich ein Inhaltsstoff irgendwann einmal als schädlich erweist. Zudem müsste das Ziegelwerk zehn Jahre lang an einer Stelle offengelassen werden, um kontrollieren zu können, ob sich neuer Schwamm bildet. Mit gesundem Wohnen habe das nichts zu tun. Nach jahrzehntelangem Verfall müsse jetzt leider im Lahmann-Sanatorium mehr abgerissen werden als ursprünglich geplant war.

Neben dem bereits wiedererrichteten Wandelgang liegen Originalsteine. Weiße Säcke beherbergen zudem sogenannte Seifensteine. Sie haben die Form eines Kernseifenstücks und wurden aus Abfallprodukten der Meissner Porzellanherstellung gefertigt. Die Steine waren schon damals teuer und wurden beispielsweise in der Innenstadt verlegt. „Wir verwenden so viele Originalsteine, wie möglich“, sagt Dietze.

Im Heinrichshof, dem ehemaligen Wohnhaus von Sanatoriumsbegründer Heinrich Lahmann, hat die Sanierung begonnen. In die herrschaftlichen Wohnungen sollen noch vor Weihnachten die ersten Bewohner einziehen können. Das Damenbad, das Hirschhaus und das Doktorhaus sollen im Frühjahr nächsten Jahres, das Herrenbad drei Monate später fertig sein. Das Gebäude verfügt dann über einen sieben Etagen hohen Zwillingsturm.

Für die Wohngebäude rechnet Dietze mit Baukosten in Höhe von etwa 41,5 Millionen Euro. Weitere 20 Millionen Euro sind für die Gewerbebauten entlang der Bautzner Straße erforderlich.

In einem reichlichen halben Jahr werden die ersten der 14 Eigenheime auf dem Gelände fertig sein. Sie werden auf 400 bis 725 Quadratmeter großen Grundstücken errichtet. Zehn Häuser sind verkauft, für stolze Preise zwischen 550.000 und 700.000 Euro. Zum Ensemble gehören auch Stadthäuser mit Eigentumswohnungen. „Wir nennen die Häuser Marika, Zarah und Louise“, erzählt Dietze. Die Künstlerinnen Marika Rökk und Zarah Leander kurten einst im Sanatorium. Louise wiederum hieß Lahmanns Frau. Alle Häuser werden durch eine Tiefgarage erschlossen. Deren Zufahrt ist ausgehoben. Zum Jahresende soll die Tiefgarage funktionsfähig sein, auch wenn dann noch Restarbeiten erfolgen müssen.

Damit die Bewohner des künftigen Dr. Lahmann-Parks wenig vom Lärm der Bautzner Straße mitbekommen, wird eine 1,80 Meter hohe Schutzwand aus Holz mit großen Glasfenstern hinter dem ehemaligen Wirtschaftsgebäude errichtet. Ihr Sockel ist bereits zu sehen. Luxuriös leben werden künftig auch die Fledermäuse in dem Areal. Sie erhalten das gesamte Dachgeschoss des künftigen Blockheizkraftwerks. Dort wurde vergangene Woche schon Richtfest gefeiert, Ende April wird das Gebäude der Drewag zum Innenausbau übergeben. Unter dem Walmdach entstehen verschiedene Wärmestuben. An den Bäumen ringsum sind schon mal Ausweichquartiere für die Fledermäuse aufgehängt. Oberbaumeister Sirke Koch ist bereits zu einem Experten für die fliegenden Säuger geworden. 13 von 20 in Sachsen auftretende Arten sollen in der Heide anzutreffen sein. So ist Koch nicht nur am Tag auf der Baustelle, sondern oft auch abends unterwegs, um die Tiere zu beobachten. Seine Freundin hat er auch schon begeistert. „Vergangene Woche haben wir beim Abbruch im Herrenhaus hinter einer Putzscholle eine Zwergfledermaus gefunden“, sagt er. Das Tierchen wird jetzt in einer Auffangstation aufgepäppelt, um im Frühjahr wieder ausgesetzt zu werden. Auch die unterirdischen Gänge, die Lahmann einst für Versorgungsleitungen anlegen ließ, sind ein beliebtes Fledermausquartier und bleiben erhalten.