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Der Abriss des Jahres

Denkmalgeschützt, heiß diskutiert - und am Ende dem Erdboden gleichgemacht: Freitals Lederfabrik kam 2019 weg. Jetzt soll Neues entstehen.

100 Jahre Industriegeschichte zerfallen zu Staub: Freitals Lederfabrik wurde 2019 abgerissen.
100 Jahre Industriegeschichte zerfallen zu Staub: Freitals Lederfabrik wurde 2019 abgerissen. © Andreas Weihs

Als die Brüder Karl Oswald und Heinrich Reinhold Sohre kurz vor der Jahrhundertwende an der heutigen Poisentalstraße eine Fabrik zur Verarbeitung von Tierhäuten errichten ließen, dürften sie kaum geahnt haben, wie das ganze einmal enden würde. 

Viele Jahre lang stritten die Freitaler um den Abriss der Lederfabrik. Seit 1991 stillgelegt, war der riesige Komplex längst zur Ruine geworden. Aus den Dachrinnen wuchsen Birken. Unrat lagerte auf dem Gelände. Fassadenteile drohten abzustürzen. Der Fußweg vor der Fabrik musste zusätzlich gesichert werden - die Stadtverwaltung sorgte sich, dass die Passanten von herabfallenden Gebäudeteilen verletzt werden könnten. Teile der Fabrik, das betraf einige Nebenanlagen und Anbauten, waren schon Jahre zuvor demontiert worden.

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In dieser desolaten Situation gab es bis zuletzt Optimisten, die die Lederfabrik gerne erhalten hätten.  Und das lag an der Optik, aber auch an der Raumaufteilung der Fabrik. Das mehrstöckige Gebäude mit seinen großen Fenstern und dem verspielten Dachgeschoss - einschließlich Türmchen - war nicht nur ein Hingucker, der bis kurz vor Schluss auf der Denkmalliste stand. Die einzelnen Etagen waren als Produktionshallen angelegt und boten viel Platz. Eine Idee war, die Fabrik zu sanieren und Arbeitsräume für die Kreativwirtschaft zu schaffen. Es ging um Ateliers, Büros für Start-ups, Studios. 

Das Projekt scheiterte am Geld. Die Stadt als Eigentümer der Fabrik hätte rund sieben Millionen Euro in die Sanierung der Fabrik stecken müssen - in der einfachsten Variante.  Vor allem die enormen Altlasten machten das Vorhaben so teuer. Der Stadtrat entschied sich mehrheitlich, aber nicht einstimmig, für den Abriss. Zuvor war der Bau von der Denkmalliste gestrichen worden. Mitte August begannen die Abrissbagger mit ihrer Arbeit. 

Aus der Luft ist im Sommer 2018 gut zu sehen, wie groß die Zerstörungen im Dachbereich bereits sind. 
Aus der Luft ist im Sommer 2018 gut zu sehen, wie groß die Zerstörungen im Dachbereich bereits sind.  © Egbert Kamprath
So sah die Lederfabrik an der Freitaler Poisentalstraße im Winter 2019 aus.
So sah die Lederfabrik an der Freitaler Poisentalstraße im Winter 2019 aus. © Andreas Weihs
Ein letzter Blick in das Innere im August 2019. Im Erdgeschoss liegt Unrat. 
Ein letzter Blick in das Innere im August 2019. Im Erdgeschoss liegt Unrat.  © Andreas Weihs
Mitte September ist die rückwärtige Fassade des Industriebaus gefallen.  
Mitte September ist die rückwärtige Fassade des Industriebaus gefallen.   © Andreas Weihs
Ende September ist die Lederfabrik schon deutlich kleiner geworden.
Ende September ist die Lederfabrik schon deutlich kleiner geworden. © Andreas Weihs
Nach vier Wochen Abrissarbeiten fällt das letzte Stück Dach der Industrieruine. 
Nach vier Wochen Abrissarbeiten fällt das letzte Stück Dach der Industrieruine.  © Andreas Weihs
Auf der Baustelle häufen sich die Schuttberge, ein Mix aus Ziegelbruch, Stahlbeton und Holz.
Auf der Baustelle häufen sich die Schuttberge, ein Mix aus Ziegelbruch, Stahlbeton und Holz. © Karl-Ludwig Oberthür
Ende September ist auch das Erdgeschoss verschwunden. 
Ende September ist auch das Erdgeschoss verschwunden.  © Karl-Ludwig Oberthuer

Im kommenden Jahr wird das Gelände nun weiter saniert. Der belastete Boden wird ausgetauscht und der ehemalige Deubener Mühlgraben, der noch unter dem Fabrikgelände verläuft geöffnet. Anschließend erfolgt die Rekultivierung der gesamten Fläche. Einen Teil möchte die Stadt in absehbarer Zeit bebauen. Geplant ist, einen Bürokomplex zu errichten. In den möchte das Landesamt für Schule und Bildung einziehen. Auch das Landratsamt liebäugelt damit, seine Außenstelle von der Hüttenstraße an die Poisentalstraße zu verlegen.

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Die Fläche der Lederfabrik, die nicht für eine Bebauung vorgesehen ist, wird zu einem Park umgestaltet. Einbezogen wird der Mühlgraben, an dessen beiden Ufern Grünanlagen, Wege und Sitzbereiche entstehen sollen. Zudem soll die Hinterstraße verbreitert werden, damit der Verkehr in beide Richtungen rollen kann. Auch weitere Parkplätze werden dort angelegt. Die gesamte Baumaßnahme kostet 5,9 Millionen Euro. Weil das Projekt mit Geld aus dem Programm für eine nachhaltige Stadtentwicklung mit 80 Prozent gefördert werden kann, muss Freital lediglich 1,2 Millionen Euro selbst aufbringen. 

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