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Abriss mit Ansage

In Königsbrück tobt seit Jahren der Streit um ein Wehr. Nun werden erstmals Tatsachen geschaffen.

© Matthias Schumann

Nicole Preuß

Königsbrück. Die ersten Bäume sind schon gefallen. Arbeiter kamen vor wenigen Wochen und sägten sie ab. Nun sind Vermesser am Werk. Sie wuseln um den Fluss herum und stellen ihre Geräte auf. Das Wehr an der einstigen Grünmetzmühle in Königsbrück soll abgerissen werden und die vorbereitenden Arbeiten sind bereits im Gange.

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Die Nachricht, dass es losgeht, traf viele Königsbrücker wie ein Schlag, besonders eine Gruppe unter ihnen. Die kämpft seit Jahren um den Erhalt des Wehres und hatte gehofft, dass der Abriss noch abgewendet werden kann. „Ich bin wütend und zornig“, sagt Rainer Hauffe. Er gehört zu der Bürgerinitiative, die sich gegen die Abtragung starkmachte. 2 000 Unterschriften sammelte sie vor Jahren dagegen. Doch nun soll alles umsonst gewesen sein. Kurz vor Weihnachten bekamen die Anwohner ein Schreiben mit der Nachricht. „Jedes Finanzamt hat zu der Zeit eine Friedenspflicht und die Landestalsperrenverwaltung kommt mit so einer Ankündigung.“

Desolater Zustand

Die Königsbrücker verbinden eine Menge schöner Erinnerungen mit dem Wehr. Einst schipperten sie dort über die angestaute Pulsnitz. Und gegenüber war sogar ein Spielplatz für die Kinder. Doch das ist lange her. In den 70er-Jahren schloss der Bootsverleih. Seitdem wurde an dem Wehr auch nicht mehr viel gemacht. Die Anlage vermoderte, was man allein an dem Zustand des Geländers sehen kann.

Die Landestalsperrenverwaltung, der das Wehr gehört, sieht sich in der Pflicht. „Das über Hundert Jahre alte Wehr befindet sich in einem desolaten Zustand. Die Stauanlage ist bei Hochwasser nicht mehr standsicher“, sagt Pressesprecherin Britta Andreas. Zunächst wollte die Landestalsperrenverwaltung das Wehr sanieren. Doch den Plan musste sie im Frühjahr 2008 unerwartet wegen naturschutzfachlicher Bedenken verwerfen. Sie untersuchte andere Varianten, unter anderem den Umbau und die Modernisierung. Dann startete sie ein Verwaltungsverfahren zur Prüfung des Abrisses. Die zuständigen Stellen stimmten zu. Die Bürgerinitiative klagte gegen die Entscheidung und scheiterte 2013 damit.

Genehmigung verweigert

Die Landestalsperrenverwaltung hätte eigentlich schon in dem Jahr das Wehr abreißen lassen können. Doch es tat sich eine andere Möglichkeit auf. Die Anwohner hatten einen Betreiber gefunden, der ein kleines Wasserkraftwerk an dem Wehr errichten lassen wollte. Er hätte damit auch jegliche Sanierungs- und Umbaukosten übernommen. Die Landestalsperrenverwaltung verkaufte ihm das Wehr für einen Euro. Doch der Fachmann für Wasserkraft bekam keine Genehmigung.

Lothar Gloger von der Wolter-Wasserkraft betreibt bereits ein kleines Wasserkraftwerk im Dresdner Süden. Er hatte sich die Sache durchgerechnet. Der Mann wollte ein Wasserrad an dem Wehr in Königsbrück bauen. 100 000 Kilowattstunden Strom im Jahr wollte er fördern. Damit hätten 50 Haushalte versorgt werden können. „Das ist eine nennenswerte Größe“, sagt er. 2012 sprachen er, einige Königsbrücker und das Umweltamt zum ersten Mal darüber. Er hatte einen Antrag auf Genehmigung des Wasserkraftwerks gestellt. Doch der war nicht vollständig.

In Widerspruch gegangen

2013 und 2014 passierte nach Aussagen des Umweltamtes des Landratsamtes nicht viel, außer dass immer wieder das Einreichen der Unterlagen angekündigt wurde. Im März 2014 setzten sich die Beteiligten noch einmal zusammen. Ein Jahr später reichte die Wolter-Wasserkraft eine Neufassung des Antrags ein. „Doch der wies leider wiederum zahlreiche Mängel auf“, sagt Kreissprecher Gernot Schweitzer.

Das Amt setzte eine letzte Frist bis September 2015. Lothar Gloger bekam die Unterlagen nicht zusammen und bat um eine Verlängerung der Frist. Doch das Umweltamt lehnte ab. „Wenn man mit einem Planer zusammengearbeitet hätte, der die nahezu drei Jahre Zeit für eine aussagekräftige Planung genutzt hätte, würde die Wasserkraftanlage heute vermutlich bereits arbeiten“, ist das Fazit des Amtes. Die Landestalsperrenverwaltung trat vom Kaufvertrag zurück und übernahm das Wehr wieder.

Anfang des Jahres heulten dann die Sägen zur Vorbereitung der Arbeiten. Das Umweltamt sieht keine Möglichkeit mehr, dass die Wolter-Wasserkraft die Genehmigung noch bekommt. Schließlich ist sie nicht mehr Eigentümer des Wehrs. Lothar Gloger ist in Widerspruch gegangen und ist gerade dabei, die letzten Unterlagen zusammenzutragen und einzureichen. Er hat Geld in die Planung investiert. „Wir versuchen es. Vielleicht geht noch was“, sagt er.