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Abriss tilgt Spuren des Bahnbetriebswerks

Pirna

Ein wichtiges Stück Pirnaer Eisenbahngeschichte ist so gut wie verschwunden. Im Auftrag der Deutschen Bahn AG reißen Bauarbeiter derzeit den großen Ringlokschuppen am einstigen Bahnbetriebswerk ab (SZ berichtete). Auch die dazugehörige Drehscheibe verschwindet. Wie Bahn-Sprecherin Daniela Bals mitteilt, war der Abriss des einsturzgefährdeten Gebäudes schon länger geplant. Die Bahn wird das Areal einebnen; eine Verwertung ist laut Daniela Bals zunächst nicht vorgesehen.

Das Pirnaer Bahnbetriebsgelände hatte für den Personenverkehr in der Region bis Mitte der 1990er-Jahre große Bedeutung, denn in Pirna wurde das rollende Material für die Nebenstrecken der Bahnlinie Dresden–Prag gewartet. Die Lokomotiven der Gottleubatalbahn, der Müglitztalbahn, der Strecken Pirna–Neustadt–Sebnitz, Pirna–Dürrröhrsdorf–Kamenz und teilweise der Strecke BadSchandau–Bautzen pflegte man hier.

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Dach war nur Flickwerk

Einer, der das Pirnaer Bahnbetriebswerk – das bereits seit Oktober 1968 nicht mehr eigenständig, sondern Einsatzstelle des Groß-Bw Dresden war – noch im Arbeitsalltag erlebt hat, ist Maik Ziesch. Er hat in Pirna als Lokführer gearbeitet und später als Lokleiter Dienstpläne gestaltet. „Als ich 1990 Personallokleiter war, haben wir von Pirna aus 110 Lokführer betreut“, erinnert er sich. Auf dem Bahnbetriebsgelände herrschte reger Rangierbetrieb: Drei Rangierloks waren vor Ort im Einsatz, eine weitere draußen auf den Strecken.

Die Werkstatt wartete in den 1980er-Jahren vornehmlich Dieselloks der Deutsche-Reichsbahn-Baureihen 106 und 110/112. Ab und an war auch eine der weiß-roten 118 und 119 zu Gast, die die Personenzüge nach Decin zogen. Aller drei bis vier Tage, erzählt Maik Ziesch, mussten die Dieselloks nach Pirna zu einer sogenannten präventiven Instandhaltung kommen, in größeren Abständen zusätzlich zu Fristuntersuchungen. Außerdem führten die Instandhaltungsbrigaden Reparaturen nach Bedarf durch. „Das kam zuletzt immer häufiger vor“, sagt Maik Ziesch, „da die Loks in die Jahre kamen.“

Der Verschleiß des rollenden Materials ging einher mit dem Verfall des 15-torigen Ringlokschuppens. Bei den Bombenangriffen auf die Pirnaer Bahnanlagen zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das Gebäude schwer getroffen worden, danach hatte man es nur notdürftig wieder aufgebaut. Besonders das Dach war und blieb ein Provisorium, erinnert sich Maik Ziesch. „Es gab nie Geld für eine grundlegende Sanierung, also war ständig eine Handwerkerbrigade unterwegs, die nur damit beschäftigt war, das Dach des Lokschuppens zu flicken.“

Im Oktober 1995 musste das Gebäude, das noch bis 1991 mithilfe einer Dampflok beheizt wurde, schließlich wegen Baufälligkeit gesperrt werden; die Loks, ohnehin immer weniger an der Zahl, gab man nach Dresden ab. Der Lokschuppen blieb dem Verfall preisgegeben, das Dach stürzte teilweise ein. Um die Gefahr, die von dem Gebäude ausging, zu beseitigen, ließ die Deutsche Bahn nun den Abrissbagger anrücken.