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Nur die Dorflinde bleibt

In Kittlitz ist der ehemalige Dorfgasthofes abgerissen worden. Kurz vor dem Abriss hatte er noch mal für Furore gesorgt. 

Ende August hatten Einwohner sich letztmalig an ihrem Dorf-Gasthof getroffen, um Abschied zu nehmen.
Ende August hatten Einwohner sich letztmalig an ihrem Dorf-Gasthof getroffen, um Abschied zu nehmen. © Rafael Sampedro

Die "Weintraube" ist weg. Da, wo früher das Kittlitzer Gasthaus stand, wo die Kittlitzer getanzt und gefeiert haben, ist nur eine leere Fläche zurückgeblieben. Ende August hatte die Stadt Löbau mit dem schon lange angekündigten Abriss der früheren Gaststätte begonnen. Das Gebäude steht zwar nun nicht mehr, die Arbeiten auf der Fläche sind aber noch nicht gänzlich abgeschlossen. Wie die Stadt auf ihrer Homepage informiert, soll das Gelände noch begrünt werden.

Die Stadt Löbau hatte das ungenutzte Grundstück gekauft, seit über 27 Jahren stand das Gasthaus mittlerweile leer. Sie verfolgte von Anfang an die Absicht, es abzureißen. Zwar stand es unter Denkmalschutz, der wurde aber aufgehoben, sodass dem Abbruch schließlich nichts mehr im Wege stand. Das große Haus stand an der Kreuzung zweier Staatsstraßen mit entsprechend viel Verkehr. Chancen auf eine neue Nutzung sah die Stadt daher kaum. 

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Die "Weintraube" beschäftigte trotzdem in den vergangenen Jahren Stadt und Stadtrat etliche Male. Zuletzt wurde diskutiert, ob auf der Abrissfläche nicht ein Spielplatz entstehen könnte. Das hatte zumindest die CDU-Fraktion im Löbauer Stadtrat vorgeschlagen. Sogar Spielgeräte, auf denen sich Senioren fit halten können, sollten entstehen - ein sogenannter Mehrgenerationenspielplatz. Doch es wird den Spielplatz hier nicht geben. Zu groß sind die Sicherheitsbedenken. Immerhin liegt der Standort an einer Straßenkreuzung. Die Löbauer und die Nieskyer Straße  treffen hier aufeinander - zwei wichtige Ortsverbindungen. 

Durch den Abbruch werde aber eine Gefahrenlage beseitigt und das Ortsbild aufgewertet, heißt es von der Stadt.  Außerdem werde eine Fläche von 500 Quadratmetern entsiegelt. Dass die "Weintraube" wegkommt, hatte die Stadt schon länger angekündigt. Tatsächlich ging es dann aber Ende August sehr plötzlich und ohne große Vorankündigung los.  

Unter den Einwohnern sorgte der Abriss aber durchaus auch für Wehmut. Viele verbinden Erinnerungen mit dem Gasthaus, denken gern an Feste und Tanzabende zurück. So manche Ehe begann hier im Saal mit dem ersten Kennenlernen beim Tanz. Noch heute schwärmen die Menschen von der legendären Soljanka und Steak Strindberg in der "Weintraube". 

Die Einwohner hatten vor dem Abriss gewünscht, noch mal einen Blick ins Gebäude werfen zu können. Andernorts sind vor dem Verschwinden wichtiger Gebäude im Ort noch mal öffentliche Führungen angeboten worden. Das hatte die Stadt Löbau aber abgelehnt - aus Sicherheitsgründen, wie den Kittlitzern gesagt wurde. Kurz vor dem Abriss hatten sie sich jetzt trotzdem noch mal am geschichtsträchtigen Haus verabredet - ganz spontan über soziale Netzwerke wurde das Treffen eingerührt und viele Kittlitzer kamen zum Abschiednehmen. Dann rollten die Abrissbagger an.  

Etwas vom Gasthof bleibt aber. Die beiden großen Linden vor dem Haus sollen stehen bleiben, informiert die Stadt. Auch sie haben eine wichtige Bedeutung in der Oberlausitz. Früher stand eine Dorflinde meist im Zentrum des Ortes. Unter ihren ausladenden Zweigen wurden Feste abgehalten, getanzt und gefeiert. Zusätzlich will die Stadt eine Sitzgelegenheit schaffen.  

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