merken
PLUS Bischofswerda

Streit um Baupläne: Investor stoppt Abriss

Auf dem Gelände des früheren Fortbildungswerkes in Bischofswerda dreht sich seit Wochen kein Rad. Und das bleibt so - mindestens den Sommer über.

Eine Bauschutthalde mitten in der Stadt: So wie es aussieht, werden die Bischofswerdaer noch lange mit diesem Anblick, der sich auf dem Areal des ehemaligen Fortbildungswerkes bietet, leben müssen.
Eine Bauschutthalde mitten in der Stadt: So wie es aussieht, werden die Bischofswerdaer noch lange mit diesem Anblick, der sich auf dem Areal des ehemaligen Fortbildungswerkes bietet, leben müssen. © SZ/Uwe Soeder

Bischofswerda. Mit den Maschinen hat die Recyclingfirma auch ihre Mitarbeiter abgezogen. Seit März herrscht Ruhe auf der Abbruch-Baustelle des ehemaligen Fortbildungswerkes in Bischofswerda. 

Zurück blieben zwischen Neustädter und Süßmilchstraße meterhohe Halden von Bauschutt, große Bruchsteine und die Reste von zwei Gebäuden, deren Abriss begonnen hatte. 

Anzeige
Wundermittel Bewegung
Wundermittel Bewegung

Zu langes Sitzen erhöht das Risiko für Bluthochdruck. Bewegen und dabei sparen. Um mehr zu erfahren klicken Sie hier:

Der Zeitplan sah anders aus. Nach Auskunft des Landratsamtes sollten die Abbrucharbeiten bis Ende März, spätestens aber bis Mitte April abgeschlossen werden. 

Eigentümer will Fachmarktzentrum errichten

Der Investor selbst hat den Abriss-Stopp veranlasst.  Andreas Barth, Projektentwickler beim Grundstückseigentümer, der Saller-Gruppe  Weimar,  bestätigt gegenüber Sächsische.de, dass man den Abbruch jetzt "etwas langsamer" angehen wolle. Er begründet es damit, dass das Unternehmen in der Planung nicht wie erhofft weitergekommen sei. "Ein Abbruch kostet viel Geld, und wir wissen noch nicht, wie wir das Grundstück künftig nutzen dürfen", sagt Barth. 

Das Unternehmen Saller ist auf den Bau und die Vermietung von Handelsimmobilien spezialisiert. Es plant in Bischofswerda den Bau eines Einkaufszentrums mit dem Lebensmitteldiscounter Netto und einem DM-Drogeriemarkt als Ankermieter.  Hinzu kommen sollen ein Textil- und ein Schuhdiscounter sowie ein Sonderpostenmarkt. 

Seit dem Jahr 2014 ist die Saller-Gruppe mit der Stadt Bischofswerda darüber im Gespräch. Doch es gibt unterschiedliche Meinungen und Erwartungen, was an dieser Stelle gebaut werden darf - und was nicht. 

Stadtratsbeschlüsse stehen den Bauplänen entgegen

Der Bau des Netto-Marktes, der den vorhandenen Markt an der Belmsdorfer Straße ersetzen soll, könnte sofort beginnen. Dafür gibt es bereits Baurecht. 

Die weiteren Märkte stoßen dagegen in der Stadtverwaltung und bei den Stadtratsfraktionen CDU und FDP auf Ablehnung. Sie begründen es mit dem vom Stadtrat beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzept,  das an dieser Stelle keinen großflächigen Einzelhandel vorsieht, und dem Anliegen, die Geschäfte in der Innenstadt vor neuer Konkurrenz zu schützen. Statt großflächigem Einzelhandel südlich der Bahnlinie plant die Stadt in Zusammenarbeit mit Edeka den Bau eines Supermarktes an der Stolpener Straße.

Neben dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept steht auch eine vom Stadtrat beschlossene Veränderungssperre den Plänen des Investors entgegen. 

Linke/SPD und BfB wollen vermitteln

Andreas Barth argumentiert, nur im Paket würde sich die geplante Investition tragen. Als Kompromiss schlägt er vor, außer Netto vorerst den Drogeriefachmarkt mit zu errichten. Linke/SPD, Bürger für Bischofswerda (BfB) und AfD zeigten sich zu Jahresbeginn in einer Umfrage von Sächsische.de unter den Stadtratsfraktionen offen dafür. 

Andreas Barth stellte im Februar die Pläne den fünf Stadträten von Linke/SPD vor. Im Juli werden auch BfB ihn zu einem Gespräch einladen, sagt Fraktionsvorsitzender Robert Geburek. Die vier Stadträte von BfB seien zwar nicht einstimmig, aber mehrheitlich dafür, die Voraussetzungen zu schaffen, um das Gebiet für den Einzelhandel zu entwickeln. 

Robert Geburek kündigte in diesem Zusammenhang eine Stadtratsinitiative seiner Fraktion an. Zum einen wolle man dafür sorgen, dass die Veränderungssperre  gelöst wird. Zum anderen gelte es, das Einzelhandels- und Zentrenkonzept fortzuschreiben. 

In die gleiche Richtung zielen die Vorstellungen von Linke/SPD. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung wolle man beraten, was möglich ist, sagt Fraktionsvorsitzende Simone Keimel. 

Geschützte Tiere besiedeln Abbruchhäuser

Die Schutthalden auf dem Gelände könnten - theoretisch - schon jetzt abgefahren werden. Die beiden Gebäudefragmente müssen dagegen nun mindestens bis zum Spätsommer noch stehen bleiben. 

Weil die Abrissarbeiten zum Stillstand gekommen sind, siedelte sich in einem Gebäude zwischenzeitlich ein Hausrotschwanz-Paar zur Brut an, sagt Cynthia Thor, Pressesprecherin des Landratsamtes. Außerdem wurde das bereits bekannte Wochenstubenquartier der Zwergfledermaus in der ebenfalls zum Abriss vorgesehenen Garage Mitte April durch die Tiere wieder bezogen.

Die Eigentümergesellschaft sei durch die ökologische Baubetreuung mehrfach darauf hingewiesen worden, den Abriss fortzusetzen, um eine Besiedlung der Gebäude durch geschützte Tiere zu verhindern, sagt Cynthia Thor. Sie habe darauf nicht reagiert. 

Damit ist jetzt ein Abriss beider Gebäude den Sommer über ausgeschlossen. Frühestens  wenn die Tiere ausgeflogen sind, können die Arbeiten fortgesetzt werden. Voraussichtlich wird das im August der Fall sein. Doch die eigentliche Frage ist eine andere: Werden sich Stadt und Investor bis dahin einigen können?

Weiterführende Artikel

Wird hier bald für Netto gebaut? 

Wird hier bald für Netto gebaut? 

Auf dem Gelände des früheren Fortbildungswerkes in Bischofswerda rollen die Abrissbagger. Zur Zukunft des Areals gibt es unterschiedliche Positionen.

Streit ums geplante Einkaufszentrum

Streit ums geplante Einkaufszentrum

Neben dem neuen Netto in Schiebock sollen weitere Läden entstehen. Verträgt die Innenstadt diese Konkurrenz?

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bischofswerda