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Abschied eines Altgedienten

Peter Buschmann hat 30 Jahre für Die Linke im Waldheimer Stadtrat gesessen. Jetzt hat er das Amt aufgegeben.

Von seinem Garten blickt Peter Buschmann ins Grüne. „Das Rathaus war früher besser zu sehen, doch die Bäume sind ganz schön gewachsen“, sagt er.
Von seinem Garten blickt Peter Buschmann ins Grüne. „Das Rathaus war früher besser zu sehen, doch die Bäume sind ganz schön gewachsen“, sagt er. © Lutz Weidler

Waldheim. Seine letzte Sitzung im Waldheimer Stadtrat endet für Peter Buschmann mit einem kleinen Wermutstropfen.

Der Antrag seiner Fraktion Die Linke/SPD, einen Pflegevertrag zur ehrenamtlichen Betreuung von Grünflächen zu erarbeiten, ist zur weiteren Beratung in den Technischen Ausschuss verwiesen worden.

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 „Alle Fraktionen haben betont, dass sie den Antrag gut finden, dennoch kommt es nicht zu einer Abstimmung. Das finde ich schade“, sagt Buschmann. Er glaube nicht daran, dass das Vorhaben, nach dem Anwohner Patenschaften zur Pflege von Grünflächen übernehmen sollen, in Waldheim umgesetzt werden wird. „Es wird irgendwie zerredet. Dabei zeigen andere Städte wie Roßwein, dass es möglich ist.“

Im Groll blickt Peter Buschmann aber keineswegs auf seine 30 Jahre als Stadtrat in Waldheim zurück. In dieser Zeit sei viel für die Stadt erreicht worden. Er denkt da an die Umgehungsstraße, die Gestaltung des Marktes und natürlich an die Umbaumaßnahmen an den Waldheimer Schulen. „Über all die Jahre hat die Verwaltung eine gute Arbeit geleistet“, sagt er.

Langeweile kommt nicht auf

Buschmann bezeichnet seine Partei als das soziale Gewissen der Stadt. Persönlich sei er damals enttäuscht gewesen, als die Straßenausbaubeitragssatzung beschlossen wurde. „Ich und ein weiterer Stadtrat haben als einzige dagegen gestimmt“, erinnert er sich. 

Umso erleichterter sei er gewesen, als die Satzung wieder aufgehoben wurde. Aus dem Protest gegen die Ausbaubeiträge sei zunächst eine Bürgerinitiative und später die Wählergemeinschaft Unabhängige Bürger für Waldheim (UBW) entstanden. „Die sind 2009 in den Stadtrat eingezogen, was unserer Fraktion zwei Stimmen gekostet hat“, so Buschmann.

Langweilig wird es Peter Buschmann nicht werden. Er arbeitet im Gartenvorstand mit. Im Garagenkomplex mäht er den Rasen, liest die Stromzähler ab und kassiert das Stromgeld. Zudem ist er im Seniorenrat der IG Metall in Riesa vertreten.Seine Frau Friedegard hat er beim Tanzen an der Talsperre Kriebstein kennengelernt.

 In diesem Herbst ist Goldene Hochzeit. Die beiden Töchter sind 50 und 49 Jahre alt, die Enkelin 23 und der Enkel 14. Um sich fit zu halten, versuchen Buschmanns, jeden Tag 10.000 Schritte zu wandern. „In der Gartensaison ist das aber eher schwierig“, gibt Peter Buschmann zu.

Der Waldheimer hatte gehofft, dass er als Stadtrat noch die Fertigstellung des Radweges nach Gebersbach miterlebt. „Es wurmt mich, dass wir das nicht auf die Reihe bekommen haben“, sagt Buschmann.

Eltern stammen aus dem Erzgebirge

Der heute 72-Jährige hat in der ehemaligen Spindelfabrik gearbeitet und dort auch seinen Meister gemacht. Nach der Wende arbeitete er in den Spindelfabrikwerken in Hartha und Leisnig. Durch das Hochwasser 2002 war dort Schluss. Peter Buschmann fand bei Autoliv in Döbeln neue Arbeit. 

Als Teamleiter arbeitete er im Dreischichtsystem. „Bis der Arzt mir sagte, dass das aufgrund meines Bluthochdrucks nicht gut ist. Ich hatte gehofft, dass ich in zwei Schichten arbeiten kann, aber das war nicht möglich und ich wurde entlassen“, sagt der 72-Jährige. Doch zu diesem Zeitpunkt sei er schon über 60 gewesen.

Urlaub machen Buschmanns überall dort, wo sie mit dem Auto hinfahren können. „Ich fliege nicht“, sagt Peter Buschmann. Die Lieblingsorte sind die Müritz, die Ostsee und das Erzgebirge. Wenn man es genau nimmt, ist Peter Buschmann ein Erzgebirger. Er wurde in Gahlenz bei Oederan geboren. Jedoch zog seine Familie 1950 nach Waldheim, weil der Vater im Strafvollzug Arbeit fand.

Er danke den Wählern, die ihn immer wieder gewählt haben. Buschmann findet es gut, dass mit Eyk Fechner ein junger Mann sein Mandat übernommen hat.

Peter Buschmann hat aus gesundheitlichen um seinen Rücktritt gebeten. Das Gehör will nicht mehr so. „Gerade, wenn jemand sehr leise spricht, verstehe ich nicht viel. Das trägt auch zu einer gewissen Unsicherheit bei“, so Buschmann.„Ich hätte gern noch das Heimatfest 2023 als Stadtrat begleitet“, sagt Buschmann mit etwas Wehmut in der Stimme. Doch seine Frau spendet ihm Trost. „Du kannst doch auch so mithelfen“, sagt sie.

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