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Abschied vom Stadtrat

Mit der ersten Sitzung des im Mai neu gewählten Gremiums am Donnerstagabend geht auch eine Ära zu Ende. Die des Urgesteins Christian Damme.

Seit dem Nachwendejahr 1990 saß der Bärwalder Christian Damme für die CDU ohne Unterbrechung im Radeburger Stadtrat. Die vergangenen 20 Jahre war er im Ehrenamt zudem noch 1. Stellvertreter des Bürgermeisters.
Seit dem Nachwendejahr 1990 saß der Bärwalder Christian Damme für die CDU ohne Unterbrechung im Radeburger Stadtrat. Die vergangenen 20 Jahre war er im Ehrenamt zudem noch 1. Stellvertreter des Bürgermeisters. © Arvid Müller

Radeburg. Alles hat seine Zeit. Den Seerosenteich im hintern Teil des großen Gehöfts hat Christian Damme kurzerhand zum Sandkasten umfunktioniert. „Für die Enkel.“ Zwei sind gerade zu Besuch in Bärwalde. Künftig hat der sechsfache Opa mehr Zeit für sie. Denn wenn sich der am 26. Mai gewählte Stadtrat am heutigen Donnerstagabend zu seiner konstituierenden Sitzung trifft, sitzt der 67-Jährige nicht mehr an seinem angestammten Platz.

Das Urgestein des Radeburger Stadtrats – 1990 hatte Christian Damme erstmals kandidiert und war seitdem immer wieder gewählt worden – nahm sich in diesem Jahr selbst von der Liste der Radeburger CDU, deren Ortsvorsitzender er ist. Ein Verlust für seine Partei. Denn seit der Wahl 1999 hatte der Landwirt, stets die mit Abstand meisten Stimmen bekommen. Nicht nur der CDU-Kandidaten, sondern aller Stadträte. Diese hatten ihm in den vergangenen 20 Jahren auch nach jeder Wahl wieder das Ehrenamt des ersten Bürgermeister-Stellvertreters übertragen.

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Das wollte er künftig nicht mehr sein. „20 Jahre reichen.“ Zudem vollziehe sich im Rathaus ein Generationswechsel. „Erneut für den Rat zu kandidieren, nur um Stimmen zu sammeln und dann keine Verantwortung zu übernehmen, das wollte ich nicht“, sagt Christian Damme. „Da bin ich den Wählern gegenüber ehrlich.“

Dass die CDU drei Stadtratsmandate verloren hat und auf der anderen Seite drei Sitze im Rat leer bleiben, weil die AfD nur einen Bewerber hatte, die erhaltenen Stimmen aber für vier Sitze gereicht hätten, ärgert ihn schon. Seine Entscheidung bereue er dennoch nicht.

Wenn Christian Damme etwas nicht gefällt, dann sagt er das. Nicht hinterm Rücken, sondern offen ins Gesicht. Dass er dabei manchmal auch etwas gepoltert hat, war egal. Ging es ihm doch fast immer um die Sache. So sieht es auch sein langjähriger Stadtratskollege Rüdiger Stannek (Die Linke). „Wir waren nicht immer einer Meinung, aber was Christian Damme gesagt hat, war nie verletzend. Es ging immer um das Wohl der Stadt.“ 

Dass der CDU-Mann jetzt nicht mehr im Rat dabei ist, bedauert Rüdiger Stannek. „Ich verstehe aber seine Entscheidung.“ Und die müsse man auch akzeptieren. Zugleich freut sich der Linken-Stadtrat: „Ich habe ihn ja noch eine Weile im Kreistag.“ Für diesen hatte Christian Damme im Mai erstmals kandidiert. Vor allem, damit die CDU gegenüber der AfD möglichst viele Stimmen bekommt. Tatsächlich konnte seine Partei ihre Position als stärkste Kraft im Kreis behaupten.

Der Bärwalder ist stolz darauf, wie sich Radeburg seit der Wende entwickelt hat. Die Angst, dass alle wegziehen würden, habe sich als unberechtigt erwiesen. „Wir haben eine neue Grundschule gebaut und die Oberschule saniert und ausgebaut.“ Das Gewerbegebiet ist nach mehreren Phasen der Ruhe inzwischen nahezu komplett ausgelastet. Christian Damme räumt ein, dass es gut war, die Erschließung als Stadt nicht selbst zu übernehmen. 

„Obwohl ich auch ein Anhänger dieser Idee war. Doch die Stadt wäre dadurch in finanzielle Schwierigkeiten gekommen.“ Klar abgelehnt hatte er seinerzeit Pläne für eine Schilfkläranlage in Bärwalde, auch wenn das mancher Hofbesitzer nicht gut fand, weil er Angst vor den Kosten für die Abwasserentsorgung hatte. Am Ende war es die richtige Entscheidung, wie Probleme mit solchen Anlagen anderenorts zeigen.

„Aus meiner Sicht gibt es daher keinen Grund, sich von den Parteien und Vereinigungen abzuwenden, die dafür gesorgt haben, wie sich Radeburg entwickelt hat“, sagt der scheidende Stadtrat mit Verweis auf das Ergebnis der AfD.

Dass er für das Ehrenamt in all den Jahren viel Zeit geopfert und manches mal den Mähdrescher hat stehenlassen, um eine Ratssitzung zu leiten, bereue er nicht. „Wenn der liebe Gott schützend seine Hand über uns hält, habe ich ja jetzt mehr Zeit für die Familie, den Hof und die Landwirtschaft.“

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