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Pirna

Abschied vom Vater der Elbresidenz

Werner Kirschner gilt als Pionier des Tourismus in der Sächsischen Schweiz nach der Wende. Jetzt ist er verstorben.

Im Mai 2007 auf der Baustelle: Der Bau des 5-Sterne-Hotels Elbresidenz am Markt von Bad Schandau war Kirschners größtes Projekt.
Im Mai 2007 auf der Baustelle: Der Bau des 5-Sterne-Hotels Elbresidenz am Markt von Bad Schandau war Kirschners größtes Projekt. © Archivfoto; Daniel Förster

Ohne ihn würde Bad Schandau heute anders aussehen – und vielleicht die Tourismuslandschaft der Sächsischen Schweiz generell. Werner Kirschner gilt als Vater der Elbresidenz, unter seiner Regie verwandelten sich die Ruinen am Bad Schandauer Markt zum 5-Sterne-Hotel, von 2006 bis 2010 war er Geschäftsführer des Hauses. Zuvor hatte er die Weka-Gruppe aufgebaut, zu der fünf Hotels gehörten, darunter das Erbgericht in Krippen und das Forsthaus im Kirnitzschtal.

Am 23. April ist Werner Kirschner gestorben. Er erlag in den frühen Morgenstunden einer schweren Krankheit, wie Andreas Eggert, Vorstand der Stiftung „Werner und Elisabeth Kirschner“ und früherer Bürgermeister von Bad Schandau bestätigt. Geistig war der 81-Jährige bis zuletzt agil, hat noch regelmäßig gearbeitet, nur dem Körper schwanden schließlich die Kräfte.

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Werner Kirschner kam nach dem Mauerfall zurück in die Sächsische Schweiz, die er als seine Heimat ansah. Geboren am 21. März 1938 im böhmischen Lobendau (Lobendava), musste die Familie 1945 nach Sebnitz übersiedeln. 1951 folgte der Umzug nach Hamburg, das Abitur legte er an einer Waldorfschule bei Walsrode in Niedersachsen ab. Nach dem Maschinenbaustudium in Karlsruhe und Braunschweig schien für den Diplomingenieur einiges auf eine wissenschaftliche Laufbahn hinzudeuten, die er allerdings aufgab – zugunsten der Politik. Von 1972 bis 1994 gehörte Werner Kirschner als Abgeordneter der SPD dem niedersächsischen Landtag an, zeitweise als stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Elf Jahre lang war er Bürgermeister der Gemeinde Vechelde.

Werner Kirschner bei einem Empfang anlässlich seiens 80. Geburtstags am 21. März 2018. Er ist Ehrenbürger von Bad Schandau. 
Werner Kirschner bei einem Empfang anlässlich seiens 80. Geburtstags am 21. März 2018. Er ist Ehrenbürger von Bad Schandau.  © Archivfoto: Dirk Zschiedrich

Nach der Grenzöffnung 1989 organisierte Kirschner zunächst Busreisen in seine alte Heimat, die Sächsische Schweiz. Kurz darauf begann er mit dem Ausbau von Ferienwohnungen und Hotels. „Er war gleichermaßen Politiker und Unternehmer, und das in einer Verbindung, die sich selten finden lässt“, sagt Bad Schandaus früherer Bürgermeister Andreas Eggert. Kirschner habe wirtschaftliches Können mit einer großen sozialen Kompetenz vereint. Letzteres spiegelt sich unter anderem im Kindergarten von Krippen wider. Der hätte nach der Flut 2002 eigentlich schließen müssen. Mit einem eigens gegründeten Verein und finanzieller Unterstützung trugen Werner und Elisabeth Kirschner maßgeblich dazu bei, dass der Kindergarten bis heute existiert. Später riefen sie zur Unterstützung eine Stiftung ins Leben.

Werner Kirschner war ein Mann, der einen enormen Ehrgeiz entwickeln konnte, sagt Andreas Eggert. „Er stellte allerhöchste Anforderungen an sich selbst.“ Ähnliches erwartete er von seinen Partnern in der lokalen Politik und Wirtschaft, was mitunter zu Konflikten führte.

Für seine Verdienste verlieh ihm die Stadt Bad Schandau 2013 die Ehrenbürgerwürde. Werner Kirschner steht damit in einer Reihe mit Rudolf Sendig, mit dem er nicht selten verglichen wurde. Er ist Träger des Verdienstkreuzes am Bande des Landes Niedersachsen und Ehrenmitglied des Tourismusverbands Sächsische Schweiz.

Die Urnenbeisetzung mit öffentlicher Trauerfeier findet am 31. Mai, um 15 Uhr, auf dem Friedhof in Krippen statt.

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