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Freital

Abschied von den Ballsälen

Im Herbst beginnt die Sanierung des Veranstaltungshauses. Vieles wird danach anders sein – auch für den BC-Verein.

Kehraus: René Winkler, Marko Weidlich und Marco Thiele (von links) beräumen das BC. Im September soll die große Sanierung beginnen.
Kehraus: René Winkler, Marko Weidlich und Marco Thiele (von links) beräumen das BC. Im September soll die große Sanierung beginnen. © Karl-Ludwig Oberthür

Es folgen die Stühle. Übereinandergestapelt werden sie von den Männern aus dem Haus getragen und in einem Anhänger verstaut. Sie sollen für die nächsten gut eineinhalb Jahre in einem Lagerhaus des städtischen Bauhofes abgestellt werden. 

Marco Thiele packt mit an, als Vereins-Chef muss er ein bisschen zur Eile mahnen. „Wir haben noch viel zu tun“, sagt er und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Die Räumung der Ballsäle Coßmannsdorf – sie sind eine Herausforderung und auch ein Graben in der Vergangenheit des Hauses.

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Die alte Kegelbahn wurde 2002 von der Flut zerstört und war seitdem unbenutzbar.
Die alte Kegelbahn wurde 2002 von der Flut zerstört und war seitdem unbenutzbar. © Karl-Ludwig Oberthür

Seit der Errichtung 1911 war es in Betrieb. Kurz BC genannt, wurde in den Ballsälen getanzt, gefeiert, gegessen. Es gab große Karnevalsveranstaltungen, Konzerte, Diskotheken. Der BC-Verein, 2002 von Michael Schulze, dem damaligen Inhaber, gegründet, etablierte in jüngerer Zeit ein Oktoberfest und einen Weihnachtsmarkt. Zuletzt zog sogar die Wissenschaft ins Haus ein: Studenten aus Tharandt mussten ins Hainsberger BC zu Vorlesungen ausweichen, weil in der Forststadt ein Hörsaal wegen Bauarbeiten gesperrt wurde.

Nun wird auch das BC gebaut. Geplant ist ein Veranstaltungs- und Vereinshaus – für Hainsberg, für Freital, für die Region. Als Vorbild dienen die Kuppelhalle in Tharandt sowie das Stadt- und Vereinshaus in Wilsdruff. Unter der Obhut der Technischen Werke Freital sollen darin der BC-Verein, der Faschingsverein und der Jugendklub Hainsberg unterkommen. 

Denkbar sind auch Seniorentreffs, Stadtteilarbeit und schulische Veranstaltungen. Im neu gestalteten großen Saal sind alle Arten von Veranstaltungen denkbar – von Disco bis Kleinkunst. Im Frühjahr 2021 soll die Komplettsanierung beendet sein und Wiedereröffnung gefeiert werden.

Im großen Veranstaltungssaal wurden rauschende Feste gefeiert. Zuletzt lernten hierTharandter Studenten.
Im großen Veranstaltungssaal wurden rauschende Feste gefeiert. Zuletzt lernten hierTharandter Studenten. © Karl-Ludwig Oberthür

Es ist ein großer Traum, der die Stadt nach aktuellen Berechnungen 4,6 Millionen Euro kostet. Für den BC-Verein, der sich so lange gemeinsam mit den Karnevalisten aus Hainsberg um den Erhalt bemühte und das Haus zuletzt am Leben hielt, wird sich aber vieles ändern. „Für uns ist es deshalb ein Abschied mit lachendem, aber auch mit weinendem Auge“, gibt Marco Thiele zu.

Die Männer und Frauen vom BC-Verein hatten in den vergangenen Jahren freie Hand im Haus. Sie kümmerten sich um die Bewirtschaftung und Vermietung. Und sie veranstalteten selbst einige Feste, die auch gut besucht gewesen seien, so Thiele. Immer beliebter wurden das Oktoberfest sowie der Weihnachtsmarkt.

Was davon in die Zukunft gerettet werden kann und in welchem Umfang, ist noch nicht ganz klar. Fakt ist, dass der Verein neue, eigene Räume im BC bekommt; im hinteren Teil des Gebäudes. Fakt ist auch, dass Thiele und seine Mitstreiter nicht mehr im vollen Umfang über die Geschicke des Hauses bestimmen werden. Das kann auch entlastend wirken, denn die Stadt strebt an, dass das BC zukünftig besser ausgelastet wird, und das nicht nur mit Familienfeiern oder Vereinsabenden.

Die Gaststätte im vorderen Teil des Gebäudes war zuletzt der Dreh- und Angelpunkt des BC-Vereins.
Die Gaststätte im vorderen Teil des Gebäudes war zuletzt der Dreh- und Angelpunkt des BC-Vereins. © Karl-Ludwig Oberthür

Der BC-Verein wird sich nun erst einmal neu sammeln. Das geschieht nur ein paar Meter Luftlinie entfernt am Fuße des Kuhberges. Dort hat der Skiclub Hainsberg in zwei rustikalen Holzhütten sein Domizil und gibt sich solidarisch: Für die Bauphase kann der BC-Verein eine der Hütten mit nutzen.

 Größere Veranstaltungen für die Öffentlichkeit sind dort momentan aber nicht möglich, weil es an sanitären Einrichtungen mangelt. Die beiden Vereine bemühen sich um eine Lösung, im Gespräch ist ein Toilettencontainer. Das BC wird derweil weiter ausgeräumt.

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Über vier Millionen Euro werden in das geschichtsträchtige Gebäude investiert. Als erstes rückt eine Abrissfirma an.

In Kürze starten nämlich schon die Abbruch- und Rohbauarbeiten. Das Gebäude wird weitestgehend entkernt, das Dach neu gedeckt. Geplant ist, einen Anbau für zusätzliche Sanitäranlagen und Lagerräume zu errichten. Dort entsteht auch eine Außentreppe als zweiter Fluchtweg. Dann erfolgt der Innenausbau.

 Geplant ist eine Fertigstellung Ende 2020, für die ersten drei Monate das Jahres 2021 rechnet die Stadt noch mit Restarbeiten. Sollte alles wie am Schnürchen funktionieren, könnte das neue BC am 1. März 2021 wieder eröffnet werden.

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