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Abschied von den Toten wird teurer

Stolpen unterstehen fünf Trauerhallen, die viel Geld kosten. Jetzt wird daran gedacht, sie der Kirche zu schenken.

Von Anja Weber

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Wer in Stolpen oder in den Ortsteilen Abschied von Verstorbenen nehmen will, kann die Trauerfeierhallen nutzen. Die gibt es gleich zweimal in Stolpen und eine in Altstadt. Außerdem gibt es solche Abschiedshallen auch in Helmsdorf und Langenwolmsdorf. Der Zustand der Gebäude ist generell nicht der beste. Und auch für die Kühlzelle in Stolpen ist die Stadt mitverantwortlich. Die Sanierung all dieser insgesamt sechs Einrichtungen würde viel Geld kosten. Aber auch ohne ein neues Dach und frische Farbe wird das Betreiben dieser Hallen offenbar zunehmend zum Problem. Für Trauerfeiern können die Hallen bei der Stadt gemietet werden. Das wird jetzt teuerer. Die Meinungen dazu sind allerdings unterschiedlich. Auf der einen Seite ist die Unterhaltung von Trauerfeierhallen für die Stadt eine Pflichtaufgabe. Andererseits kostet die Unterhaltung der Gebäude viel Geld. Mit der neuen Kalkulation, die für die Jahre 2015 bis 2018 gilt, stand im Stadtrat der Erhalt der Trauerhallen generell in der Diskussion. CDU-Fraktionsvorsitzender Roman Lesch regte an, die Feierhallen der Kirche zu schenken. Das ist allerdings gar nichts so einfach, sagt Bürgermeister Uwe Steglich (FDP). „Es wäre schön, man könnte die Einrichtungen der Kirche nutzen, auch wenn man nicht kirchlich ist“, sagt er. Es habe da auch schon Gespräche mit der Kirchgemeinde gegeben. Allerdings hätten die noch zu keinem Ergebnis geführt.

Stadt setzt weiterhin zu

FDP-Fraktionschef Hans-Jürgen Friedrich sieht das eher kritisch. Er rät davon ab, die Trauerhallen an die Kirche zu übergeben. Man solle eher langfristig über die Kosten nachdenken und über eine Instandsetzung. Allerdings werden die fünf Trauerhallen kaum genutzt, manche nur einmal im Monat, wenn überhaupt. Die Stadt muss aber dafür sorgen, dass die Gebäude auch zwischendurch beheizt und geputzt werden. Allein für die Unterhaltungskosten wie Strom und Reinigung laufen pro Jahr 47 000 Euro auf. Dazu kommt, dass die Kühlzelle in Stolpen, die die Stadt ebenfalls vorhält, gar nicht mehr genutzt wird. Um kostendeckend zu sein, müssten für die Trauerfeierhalle in Stolpen die Einnahmen zum Beispiel bei 780 Euro liegen, für die Trauerhallen in Helmsdorf und Langenwolmsdorf bei je 500 Euro. Da sie nicht so oft benötigt werden, hätte das eine drastische Gebührenerhöhung zur Folge.

So weit sollte es nicht kommen. Die Stadt hat stattdessen den Räten eine kleine Steigerung vorgeschlagen und letztlich auch geraten, in Kauf zu nehmen, dass die Kommune auch weiterhin die restlichen Ausgaben aus der eigenen Tasche bezahlt. Pro Jahr wären das etwas über 19 000 Euro. Bis zum Jahr 2018 summiert sich der Posten auf etwa 77 700 Euro.

Der Stadtrat stimmte zu, dass die nicht gedeckten Kosten auch weiter aus dem städtischen Haushalt finanziert werden. Damit bleibt die Möglichkeit bestehen, auch außerhalb der Kirche von Verstorbenen Abschied zu nehmen. Zugestimmt wurde auch einer Gebührensteigerung.

Demnach kostet zum Beispiel die Trauerfeierhalle in Stolpen nicht mehr 60 Euro, sondern 80 Euro, in Stolpen-Altstadt werden statt 20 Euro nun 25 Euro verlangt. Für die Trauerfeierhallen in Helmsdorf und Langenwolmsdorf sind statt 40 Euro bisher nun 45 Euro zu zahlen.

Ausgehend von den derzeitigen Nutzerzahlen würde das Mehreinnahmen von 450 Euro ausmachen. Eine andere Lösung gibt es derzeit wohl nicht. Bürgermeister Uwe Steglich sicherte allerdings zu, dass es auch weitere Gespräche mit der Kirchgemeinde zu geben werde, um möglicherweise doch noch einen Konsens zu finden.