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Abschied von den Waldspatzen

Für Hannelore Schüller beginnt der Ruhestand. Trotz vieler Kinder in der Gemeinde wird ihre Stelle nicht wieder besetzt.

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Von Maria Lotze

Ein neuer Lebensabschnitt hat gestern für Hannelore Schüller aus Zschaitz begonnen. Ab heute kann die 63-Jährige ihren Ruhestand genießen. Ihre letzten sechs Jahre im Berufsleben hat die gelernte Kindergärtnerin in der Kita „Waldspatzen“ in Zschaitz verbracht. Nicht nur für die Erzieherin war der Abschied schwer.

Mit einem Taxi wurde sie gegen 7.30 Uhr von ihrem Zuhause abgeholt. Ihre Chefin begleitete sie auf der letzten Fahrt zu ihrer Arbeitsstätte, wo sie von den Kollegen und Kindern sowie dem Bürgermeister der Gemeinde, Immo Barkawitz (parteilos), empfangen wurde. „Das war sehr emotional“, sagt Hannelore Schüller.

Als Erzieherin war sie fast ihr ganzes Arbeitsleben in ihrem Traumberuf tätig. „Nach der Schule habe ich mal Schneiderin gelernt, doch das war nicht das Richtige“, sagt sie. An der Förderschule in Mischütz hat sie sich schließlich per Fernstudium zur Kindergärtnerin ausbilden lassen. „Nach der Wende mussten wir eine Anschlussqualifikation zur staatlich anerkannten Erzieherin machen“, erzählt Schüller. Bis zur Schließung der Mischützer Schule hat sie sich in der Einrichtung um die Vorschüler gekümmert. Mitte der 1990er wechselte sie kurze Zeit das Fach und half bei ihrem Mann, selbstständiger Elektromeister. „Als mein Mann in den Ruhestand ging, bin ich in meinen alten Beruf zurückgekehrt“, sagt Hannelore Schüller. Sie kam zu den „Waldspatzen“ nach Zschaitz und kümmerte sich bis September dieses Jahres auch dort um die Vorschüler. „Die Arbeit mit den Kindern erfrischt und hält jung, auch wenn sie manchmal Nerven kostet“, erzählt die 63-Jährige von den schönen Seiten ihres Berufes. Im Vergleich zu früher seien die Kinder heute lebhafter und selbstbewusster. „Das ist auch gut so, sie müssen schließlich später auch ihren Mann im Leben stehen“, so die Zschaitzerin.

Hannelore Schüller sei immer eine liebe und engagierte Erzieherin gewesen, sagt Ina Beier, die Leiterin der Kita „Waldspatzen“. „Jederzeit hat sie sich mit neuen Ideen eingebracht.“ Trotz stabiler Kinderzahlen wird die freie Stelle nicht wieder neu besetzt. Das lässt der Personalschlüssel nicht zu, erklärt die Leiterin. „Je mehr ältere Hortkinder wir in der Einrichtung haben, desto weniger Personal bekommen wir.“ Wären es mehr Krippenkinder im Alter bis zu drei Jahren, wären auch mehr Erzieherinnen notwendig.

Doch 28 Hortkindern stehen derzeit neun Mädchen und Jungen im Krippenalter gegenüber. Sieben Kollegen kümmern sich um die Betreuung der insgesamt 74 Kinder. In den nächsten Jahren werden drei Mitarbeiterinnen in den Ruhestand gehen. Konkrete Gedanken um den Erzieher-Nachwuchs macht sich Ina Beier derzeit noch nicht. „Auf dem Dorf müssen wir erst einmal sehen, wie sich die Kinderzahlen entwickeln“, sagt sie. Erste Kontakte zu angehenden Erziehern hat sie jedoch bereits geknüpft. Regelmäßig sind in der Einrichtung am Hohlweg Praktikanten zu Gast.

Auf Hannelore Schüller muss die Leiterin noch nicht ganz verzichten. Schließlich wird sie das eine oder andere Mal ihren Enkel bei den Waldspatzen besuchen.