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Kreuzbergbaude: Nach elf Jahren in Ruhestand

Hans-Jürgen Horschig leitete die evangelische Tagungsstätte in Jauernick-Buschbach. Nun ging er in Rente – wegen Corona anders, als gedacht.

Nach elf Jahren in der Kreuzbergbaude als Betriebsleiter fällt der Abschied Hans-Jürgen Horschig nicht ganz leicht, wenngleich er sich auf die Zeit mit seiner Familie freut.
Nach elf Jahren in der Kreuzbergbaude als Betriebsleiter fällt der Abschied Hans-Jürgen Horschig nicht ganz leicht, wenngleich er sich auf die Zeit mit seiner Familie freut. © Constanze Junghanß

Die Tische hatte Hans-Jürgen Horschig noch eingedeckt. Kaffee und Kuchen für die Gäste. Doch dann kam niemand - kein einziger Besucher. Die Stühle blieben leer. So hatte sich der 63-Jährige seine letzten Arbeitswochen nicht vorgestellt. Horschig, bis Ende Mai Betriebsleiter der Kreuzbergbaude Jauernick-Buschbach, schüttelt den Kopf. „Das war der Corona-Schock“, sagt er. Ab dem 14. März konnte die Kreuzbergbaude wegen der Pandemie-Auflagen keine Gäste mehr bewirten. Die Küche musste kalt bleiben.

Der Holtendorfer ging vergangenen Monat in Rente – so gern hätte er die Zeit zuvor noch unter seinen Besuchern verbracht, den Kindern eine kleine Nascherei zum Willkommen kredenzt, den Berzdorfer See als Ausflugsziel empfohlen. Das war ihm nicht vergönnt. Einen großen Blumenstrauß zum Abschied gab es nun doch für ihn, ein Holzspiel, das er mit den Enkeln im Garten spielen kann. Darauf freut sich der frisch gebackene Ruheständler nun. Zeit für seine Familie, „auch Zeit für mich finden“, sagt Horschig.

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Fantastischer Blick aus einem der Gästezimmer auf den Schwarzen Berg, der Gäste zum Wandern einlädt.
Fantastischer Blick aus einem der Gästezimmer auf den Schwarzen Berg, der Gäste zum Wandern einlädt. © Constanze Junghanß

Elf Jahre war die Kreuzbergbaude unter seinen Fittichen als Betriebsleiter. Sein Ansinnen: „Die evangelische Tagungsstätte noch weiter für die Besucher zu öffnen.“ Und damit auch Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit die Möglichkeit geben, hoch oben auf dem Berg zu übernachten. Das gelang, schätzt er ein. „Private Feiern gab es hier, sogar ein Biker-Treffen mit über 60 Mann“, erinnert sich Horschig zurück. Die Motorradfahrer wollten wiederkommen.

Zuletzt war eine polnische Pflegerin zu Gast

Wegen des Virus-Geschehens fiel das flach. Ein Neujahrsempfang der Gemeinde Markersdorf und Tagungen fanden in der Kreuzbergbaude statt, Seelsorger von Polizei und Armee trafen sich zum gemeinsamen Austausch, Schulklassen kamen. „Wir waren öfter voll belegt“, erinnert sich Horschig. Zuletzt war eine polnische Pflegekraft, die in Deutschland arbeitet, Gast im Haus. „Sie konnte wegen Corona nicht über die Grenze und wir haben ihr unsere Ferienwohnung gegeben“, sagt der Neu-Rentner.

Noch hat Horschig den Schlüsselbund für die Räume. Den wird er die kommenden Tage abgeben. Auch seine Geschenke, die er im Laufe der Jahre von Besuchern bekam, stehen auf der Vitrine. Darunter eine kleine Sanduhr, eine Glocke mit der Aufschrift „St. Jacobi Rodenberg“, ein Berliner Bär aus Keramik. „Das muss alles in den Karton.“ Packen ist angesagt, endgültig Abschied nehmen. Den bunten Bären bekam er von einer älteren Dame, die seit 1999 regelmäßig aus der Hauptstadt anreiste und mittlerweile „mit zur Familie gehört.“

Mit der Diakonie soll es weitergehen

Für April und Mai sei die Kreuzbergbaude gut gebucht gewesen. Doch wegen Corona gingen die Buchungen wieder flöten. So oder so stand der weitere Betrieb der Einrichtung auf der Kippe. Im Herbst vergangenen Jahres war sogar von der Schließung die Rede. Doch zum Jahresende gab die Kirche Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz den Verkauf bekannt.

Ein diakonischer Träger habe sich gefunden, hieß es. Das weiß auch der ehemalige Betriebsleiter. „Mit der Diakonie soll es weitergehen“, bestätigt Horschig, der vor seinen Kreuzbergbauden-Zeiten zwölf Jahre als Bankett-und Restaurantleiter im Görlitzer Mercure-Hotel arbeitete.

Ein bisschen falle es ihm schon schwer, nun von allem loszulassen. Schließlich wurde er im Gastronomie- und Hotelwesen groß, arbeitete sich vom gelernten Kellner zum Betriebsleiter hoch, hat eine Meisterausbildung in der Tasche und war lange Zeit Prüfer und Ausbilder bei der Industrie- und Handelskammer. Nun ist das Berufsleben zu Ende. „Ich habe das alles gern und mit Herzblut gemacht“, sagt er und auch: „Bei der Kreuzbergbaude können Gäste nun wieder buchen.“

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