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Abschleppfalle vor der DSC-Halle

Parkplatznot sorgt für Ärger. Doch nicht jeder Falschparker sieht ein, dafür seinen Geldbeutel zu zücken.

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Von Steven Fischer

Hammerwerferin Jutta Neumann hätte fürs Falschparken beinahe teuer bezahlt. Die 38-jährige Sportlerin sollte an der DSC-Halle abgeschleppt werden. Zwei- bis dreimal in der Woche trainiert sie dort für die Senioren-Halleneuropameisterschaft im Hammerwurf. „Da meine Geräte sehr schwer sind, versuche ich immer einen Parkplatz nahegelegenen zu finden“, sagt Neumann. Die Parkplätze vor der Halle sind aber ständig knapp, weil Eltern oft ihre Kinder abholen oder zum Sport bringen. Die Athletin stellte sich deswegen in die Feuerwehrauffahrt, obwohl sie wusste, dass sie dort falsch parkt. Nach dem Training wollte die Hammerwerferin gerade unter die Dusche. Doch daraus wurde nichts mehr.

Hammerwerferin Jutta Naumann auf dem Parkplatz vor der DSC-Halle. Sie stand in der Feuerwehrzufahrt und sollte deshalb abgeschleppt werden. Foto: Katja Frohberg
Hammerwerferin Jutta Naumann auf dem Parkplatz vor der DSC-Halle. Sie stand in der Feuerwehrzufahrt und sollte deshalb abgeschleppt werden. Foto: Katja Frohberg

Eine Sportlerin gab ihr den Tipp, dass gerade Autos abgeschleppt werden sollen. „Deshalb zog ich mir schnell was drüber und eilte nach draußen“, erklärt Neumann. Die Kralle des Abschleppwagens schwebte schon über ihrem Auto. Sie legte beim Fahrer ihr Veto ein. Der Mitarbeiter des Abschleppdienstes stellte aber klar, dass sie trotzdem die Anfahrt bezahlen müsste. Das hätte die Dresdnerin notfalls akzeptiert. Dann lud der Fahrer allerdings ein anderes Auto auf seinen Lkw. Trotzdem wollte er noch immer die 90 Euro für die Anfahrt kassieren. Die Tour wäre also zweimal berechnet worden. „Als der Fahrer bemerkte, dass ich Fotos mache, ist er davongefahren“, sagt Neumann. „Das ist doch richtig Abzocke.“

Kristina Kain vom DSC-Management kennt die Parkplatz-Probleme. Deshalb soll jetzt gehandelt werden. „Wir wollen eine Schleife bauen, sodass eine Art Einbahnstraße entsteht“, sagt sie. Die Ausfahrt würde dieselbe bleiben, denn eine zusätzliche darf nicht gebaut werden. So könnten die Eltern ihre Kinder aber besser absetzen und einfach durchfahren. Zudem sollen zusätzliche Parkplätze entstehen.

Bis dahin unternimmt der DSC aber drastische Schritte. Damit die Feuerwehreinfahrt nicht wieder zugeparkt wird, kümmert sich seit Kurzem das Parkhaus Mitte um Ordnung vor der Trainingshalle. Seit Anfang März wird auch abgeschleppt. Ein Mitarbeiter schaut mindestens zweimal täglich vorbei, sagt Parkhausbetreiber Anton Volmer. Normalerweise gäbe es nur Knöllchen für Falschparker. In der Auffahrt sei aber Gefahr in Verzug, da im Extremfall die Feuerwehr nicht vorbeikäme. Seit Kurzem lässt Vollmer deshalb abschleppen, schließlich trage er die Verantwortung für den Parkplatz.

Dieses Vorgehen unterstützt auch Kristina Kain. „Abgeschleppt wird aber nur in der Feuerwehrzufahrt und im Kreuzungsbereich“, erläutert sie. Wenn auf beiden Seiten in der Auffahrt Autos stehen, dann sei das nicht akzeptabel. Für Sicherheit müsse nun mal gesorgt sein. Das versteht auch Jutta Neumann. „Das ist ja auch in Ordnung! Wenn wirklich was passiert, dann ist die Zufahrt versperrt.“ Nur, dass die Anfahrt doppelt berechnet werden soll, akzeptiert sie nicht.

Das beauftragte Unternehmen fühlt sich dennoch im Recht. „Die Frau hatte einfach Glück“, sagt ein Mitarbeiter des Dresdner Abschleppdienstes D & S Dathe und Dathe GBR. Normalerweise verlasse ja schon ein zweiter Lkw das Depot, um den nächsten Pkw mitzunehmen, sodass genauso Sprit und Lohn anfallen. Es sei also rechtens, die Anfahrt zu kassieren. Viel schlimmer sei es doch, dass die Menschen in der Feuerwehrzufahrt parken würden. „Sie stehen links und rechts der Einfahrt. Im Notfall würde da kein Krankenwagen durchpassen“, sagt der Mitarbeiter.

ADAC-Vertragsanwalt Tim Küchenmeister kennt sich mit der Materie bestens aus. „Sobald der Abschleppwagen das Depot verlässt, muss auch eine Leerfahrt bezahlt werden“, erklärt der Rechtsexperte. Allerdings darf nicht doppelt kassiert werden. Entweder hätte Jutta Neumann die Anfahrt bezahlen müssen oder der Kraftfahrer, dessen Auto vom beauftragten Unternehmen tatsächlich mitgenommen wurde. Die Hammerwerferin hat aus der Sache gelernt. „Ich werde mich nicht mehr in die Feuerwehrzufahrt stellen“, versichert die Hobbysportlerin.