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Abstand halten im Nünchritzer Jugendtreff

Die Kombi hat wieder für Kinder und Jugendliche geöffnet. Unter erschwerten Bedingungen. Aber irgendwie funktioniert es.

In der Siebdruck-Werkstatt der Nünchritzer Kombi markieren Kreuze auf dem Fußboden, wo man stehen soll.
In der Siebdruck-Werkstatt der Nünchritzer Kombi markieren Kreuze auf dem Fußboden, wo man stehen soll. © Sebastian Schultz

Nünchritz. Sina, Noel, Lena und Milo sind die ersten Kombi-Besucher nach der wochenlangen Corona-Pause. Sie haben sich vorab für die Siebdruck-Werkstatt im Nünchritzer Kinder- und Jugendtreff angemeldet. Die beiden Mädchen wollen Stoffbeutel bedrucken mit ihrem Konterfei. Ein gedruckter Beweis ihrer festen Freundschaft.

Die Jungen überlegen noch, welches Motiv sie sich aussuchen wollen. Vielleicht was mit Musik, denn Noel ist begeisterter Schlagzeuger. Er kommt, so oft es geht, in den Mehrzweckbau im Karl-Liebknecht-Ring, um zu proben. Eigentlich auch heute. Ihn zieht es eher in den benachbarten Probenraum. Da es aber nicht anders geht, bleibt er bei den anderen und beobachtet, wie Sina am Siebdruck-Karussell gleichmäßig die weiße Farbe verteilt. Martin Rettig, der Leiter des Kinder- und Jugendtreffs, steht daneben und hilft ihr dabei.    

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Normalerweise würden jetzt in allen Räumen der Kombi, die die Volkssolidarität Riesa-Großenhain in der ehemaligen Nünchritzer Kinderkrippe betreibt, insgesamt bis zu 25 Kinder und Jugendliche ihre Freizeit verbringen. Doch das ist wegen der Corona-Bestimmungen zurzeit nicht machbar. Martin Rettig kann nur einzelne Gruppen mit maximal fünf Leuten empfangen. Sonst wäre es für ihn unmöglich zu kontrollieren, ob die Abstandsregeln eingehalten werden. 

In diesem Fall klappt es. Die vier Kinder stehen um das Siebdruck-Karussell herum. Kreuze aus braunem Paket-Klebeband am Boden markieren, wo die Mädchen und Jungen stehen sollen. Sie dürfen sich nur abwechselnd dem Druckgerät in der Mitte des Raumes nähern. Das sieht der Hygieneplan für die Kombi so vor, den das Gesundheitsamt Meißen abgesegnet hat.

Kombi-Leiter Martin Rettig bringt weiße Farbe auf das Siebdruck-Karussell, damit die Mädchen, die vorbildlich Abstand halten und Masken tragen, Stoffbeutel bedrucken können.
Kombi-Leiter Martin Rettig bringt weiße Farbe auf das Siebdruck-Karussell, damit die Mädchen, die vorbildlich Abstand halten und Masken tragen, Stoffbeutel bedrucken können. © Sebastian Schultz

Alle tragen sogar ganz vorbildlich Nase-Mund-Masken. Obwohl das nicht unbedingt vorgeschrieben ist. "Wir halten es wie in der Schule", sagt Martin Rettig. Auf den Gängen gilt die Maskenpflicht, in den einzelnen Räumen nicht. Vorausgesetzt, die anderthalb Meter Abstand werden eingehalten. Daran erinnern auch die selbstgemachten Plakate, die Martin Rettig überall verteilt hat. "Zeig Anstand - Halte Abstand!" steht da drauf. Die Plakate sehen peppiger aus als die förmlichen Corona-Regeln, die man vielerorts an Eingängen zu Läden oder öffentlichen Einrichtungen sehen und lesen kann.

Viele Kinder und Jugendliche aus Nünchritz und den umliegenden Dörfern, die hier regelmäßig ein- und ausgehen, haben schon lange darauf gewartet, dass die Kombi endlich wieder aufmacht. "Die Nachwuchsbands freuen sich, dass sie wieder in den Probenraum können", so Rettig. Aber auch hier gilt: Abstand halten! 

Mit der Schmiege abgemessen

Schlagzeuger, Bassist, Keyboarder, Gitarrist und Sänger sollen sich nicht zu nah kommen. Der Raum gibt es her. Der Kombi-Leiter hat es extra mit einer Schmiege ausgemessen. Hört eine Band mit ihrer Probe auf, muss er erst einmal alles desinfizieren, bevor die nächsten Nachwuchsmusiker hinein dürfen. So läuft es auch bei allen anderen Angeboten. Auch deshalb kann Martin Rettig nur eine begrenzte Anzahl in den Jugendtreff lassen. 

Er ist Organisator, Workshop-Leiter, Putzfrau und Kontrolleur in einem. "Ich renne den ganzen Tag mit einem Hefter rum", erzählt er. Darin werden die Namen und die Besuchszeit der Mädchen und Jungen notiert, um bei Bedarf die Infektionsketten nachvollziehen zu können. Auch das Säubern der Räume und die verwendeten Reinigungsmittel werden erfasst. Das sind alles Vorgaben, damit die Kombi überhaupt öffnen durfte.  

Noel und Helena musizieren im Probenraum. Auch das ist trotz Corona wieder in der Kombi möglich. Allerdings wie bei allen Angeboten nur nach Voranmeldung.
Noel und Helena musizieren im Probenraum. Auch das ist trotz Corona wieder in der Kombi möglich. Allerdings wie bei allen Angeboten nur nach Voranmeldung. © Sebastian Schultz

Am Eingang erhalten alle Besucher erstmal eine Einweisung in die Corona-Regeln. Wer krank ist, darf nicht hinein. Großeltern, die ihre Enkel abgeben oder abholen wollen, müssen ebenfalls draußen bleiben. Sie gehören zur Risikogruppe und sollen geschützt werden. Das hat Auswirkungen auf die Seniorennachmittage, die hier regelmäßig stattfinden. Sie sind vorerst abgesetzt.

Zurzeit befinden sich Martin Rettig und seine ehrenamtlichen Helfer in der Orientierungsphase, welche Angeboten möglich sind und welche nicht. Bis auf Weiteres  bleibt auch das Jugendcafé geschlossen. "Da kann man keine Abstände gewährleisten", sagt Martin Rettig. "Aber wenn ein Vati und sein Sohn eine Runde Tischkicker spielen möchten, ist das auch okay." 

Zudem sind sämtliche Jugendweihe-Stunden in der Kombi abgesagt. Es gibt auch keinen Gitarren- und Keyboard-Unterricht, der sonst jeden Donnerstag angeboten wird. Konzerte wären zwar erlaubt, doch nur mit Abstand und Bestuhlung. "Aber bestuhlte Konzerte sind nicht unser Stil", so Rettig. Dann lieber gar keine Parties. 

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Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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