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Abstand wahren – weitermachen!

Thiendorfs Gemeinderäte demonstrieren, dass die Arbeit in den Kommunen durch Corona nicht zum Stillstand kommt.

Sitzordnung wie bei einer Abschlussprüfung: Der Thiendorfer Gemeinderat beschließt die Vergabe der Planungsleistungen für das neue Gerätehaus im Ortsteil Naundorf.
Sitzordnung wie bei einer Abschlussprüfung: Der Thiendorfer Gemeinderat beschließt die Vergabe der Planungsleistungen für das neue Gerätehaus im Ortsteil Naundorf. © Foto: Manfred Müller

Thiendorf. Bei Gemeinderatssitzungen sieht es in Pandemiezeiten aus wie bei einer schriftlichen Abiprüfung. Einzeltische im Zweimeterabstand. Vis a vis, wie aufsichtführende Lehrer, der Bürgermeister und die Mitarbeiter der Verwaltung. Die Tagesordnung bleibt auf wichtige Entscheidungen beschränkt, deren Aufschiebung der Kommune und ihren Bürgern schaden würde. So lief es auch bei der April-Ratssitzung in Thiendorf. 

„Wir wollen vor allem der Wirtschaft ein Zeichen geben, dass es bei uns weiterläuft“, sagt Bürgermeister Dirk Mocker. Schließlich stand der Haushaltplan für das Jahr 2020 auf dem Programm – und damit die Investitionen, von denen viele Unternehmen aus der Region ein Stück weit leben.

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Größte Investition im laufenden Jahr ist ein neues Feuerwehrgerätehaus für Thiendorfs nördlichsten Ortsteil Naundorf. Dazu wird der ehemalige Gasthof abgerissen und für rund 500.000 Euro ein komplett neues Gebäude mit Fahrzeughalle, Versammlungsraum, Umkleideräumen, Sanitäranlagen und einer Küche gebaut. Der Gemeinschaftsraum kann auch für dörfliche Veranstaltungen genutzt werden. Thiendorfs Gemeinderäte vergaben in der Ratssitzung den Planungsauftrag für das Projekt. 

Grünes Licht gab es auch für den Bau einer Kletteranlage im Hof der Ponickauer Grundschule. Und für eine Reihe von Bauanträgen, sowohl für Eigenheime als auch für drei Mehrfamilienhäuser und ein Gebäude für ambulant betreutes Wohnen am Rande des Thiendorfer Gewerbegebietes. „Wir wollen nicht, dass die Bauherren in Zeitverzug oder sogar in finanzielle Schwierigkeiten kommen“, so Bürgermeister Mocker.

Auch die obligatorische Bürgerfragestunde wurde trotz Coronakrise nicht von der Tagesordnung genommen. Die Teilnahme an einer Gemeinderatssitzung gilt für die Bürger auch während der Ausgangsbeschränkungen als wichtiger Grund und ist deshalb nicht untersagt. Allerdings hatte die Gemeindeverwaltung die Einwohner gebeten, wegen der Ansteckungsgefahr besser nicht ins Kulturhaus zu kommen. Und die Thiendorfer hielten sich daran – die in großem Abstand aufgestellten Besucherstühle blieben leer. Die Gemeinderäte hingegen nahmen ihren Arbeitsauftrag ernst und waren fast vollständig erschienen.

Welche Auswirkungen die Pandemie auf die Gewerbesteuerzahler im Gemeindegebiet von Thiendorf haben wird, lässt sich im Moment noch nicht abschätzen. Er habe mit etlichen Firmen gesprochen, sagt Thiendorfs Bürgermeister, die Erfahrungen seien recht unterschiedlich. Das dürfte im Moment die größte Sorge der Kommune sein, denn immerhin hat sie im aktuellen Haushalt 2,6 Millionen Euro an Steuereinnahmen aus Industrie und Gewerbe eingeplant. Ob im Laufe des Jahres noch Anträge auf Herabsetzung der Gewerbesteuer kommen, ist ungewiss. Deshalb erlaubte der Gemeinderat der Verwaltung prophylaktisch schon einmal den vollen Zugriff auf den kommunalen Kassenkredit.

Gesunde Finanzen sind die Voraussetzung dafür, dass Thiendorf drei investive Großprojekte stemmen kann, die in den nächsten fünf Jahren geplant sind. Das betrifft zum einen den Neubau eines Hortgebäudes an der Ponickauer Grundschule. Der Bau mit sechs Gruppenzimmern, einen Mehrzweckraum und einem Kinderrestaurant wird etwa 1,8 Millionen Euro kosten und ist für das Jahr 2022 geplant. 

Parallel zum Hort-Projekt will die Gemeinde den Breitbandausbau in den südlichen Ortsteilen vorantreiben. Der wird zwar zu 90 Prozent von Bund und Land gefördert, muss aber von der Kommune zwischenfinanziert werden. Durch die neuen Glasfaser-Standards, die Bedingung für die hohe Förderung sind, werden sich die Kosten bis 2023 auf 3,4 Millionen Euro summieren. Ebenfalls in diese Gesamtkosten-Region wird die am Tauschaer Herrenhaus geplante neue Kindertagesstätte kommen. Hier kalkuliert die Gemeinde für 2023/24 mit etwa vier Millionen Euro.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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