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Abstieg in die Unterwelt

Der Zweckverband Nord/Ost saniert das Pumpwerk in der Weinau. Wer sich dort umschaut, sieht warum das nötig ist.

Von Mario Heinke

Auf einer Wiese am Rande des Industriegebietes Weinau steht ein Betonwürfel mit einer Tür in der Landschaft. Als Dieter Scheunig die schwere Stahltür öffnet, entweicht eine übelriechende Wolke aus dem Innern. Gleich hinter der Tür beginnt eine enge Wendeltreppe, die in das unter der Erde liegende Pumpwerk Neiße führt.

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Die stählerne Treppe ist sehr eng. Beim Abstieg bis in neun Meter Tiefe wechseln die feuchten Gerüche. Eine Fäulnis- und Kloakenwolke wabert durch das enge Treppenhaus. Im zweiten Untergeschoss angekommen erklärt Bauplaner Markus Heim was in dem 1993 erbauten unterirdischen Bauwerk erneuert werden soll. Er zeigt auf verrostete Leitungen, durch Korrosion zerstörte Kabeltraversen und den durchgefaulten Kabelmantel einer Elektroleitung. Nach 22 Jahren ununterbrochenem Dauerbetrieb erhält der Baukörper und die Technik des Pumpwerks eine Rundum-Erneurung, damit auch künftig Havarien im Abwasserkreislauf vermieden werden. Der Zweckverband Nord/Ost als Betreiber der Station stellt dafür rund 300 000 Euro bereit, erklärt Dieter Scheunig, der die Geschäftsstelle des Zweckverbandes leitet. Die Stadt Zittau und die Gemeinde Mittelherwigsdorf sind Gesellschafter des Verbandes. Das Pumpwerk leitet das gesamte Schmutzwasser aus dem Industriegebiet Weinau aus der Deponie und seit 2013 auch aus Hirschfelde, Dittelsdorf, Wittgendorf, Schlegel und Drausendorf in das Zittauer Klärwerk an der Chopinstraße.

Das Pumpenhaus verfügt über zwei unterirdische Etagen. Durch das erste Untergeschoss ziehen sich dicke Abwasserleitungen, die von Schiebern und Stellrädern unterbrochen werden. Im zweiten Untergeschoss stehen drei große Pumpen. Jede von ihnen ist eine halbe Tonne schwer. 100 Liter Wasser pro Sekunde kann solch ein Teil befördern. Das entspricht ungefähr dem Fassungsvermögen einer zur Hälfte gefüllten Standard-Badewanne. Die Pumpen befördern das in einem Sammelbehälter aufgefangene Schmutzwasser in das Klärwerk. Der Füllstand des unterirdischen Beckens wird ständig gemessen. Eine automatische Steuerung setzt ab einem bestimmten Füllstand eine Pumpe in Betrieb, damit das Becken nicht überläuft. Der Höhenunterschied zwischen dem Pumpwerk und dem Klärwerk beträgt zehn Meter, das Abwasser wird also über eine Strecke von rund 1500 Metern bergauf gepumpt. Eine ausgeklügelte Steuerung sorgt für den richtigen Fluss. „Fließt das Wasser zu langsam, dann stinkt es in der Weinau“, so Heim. Während der Sanierung wird eine Havariepumpe das Wasser ins Klärwerk pumpen. Sollte der Strom ausfallen, sichert ein Notstromaggregat den Betrieb. Im März beginnen die Bauarbeiten und sollen bis Ende August abgeschlossen sein, so der Bauplaner.