SZ +
Merken

Abstrampeln für den Radweg

Tourismus. Das Konzept für eine archäologische Radtrasse im Landkreis hat Furore gemacht. Die SZ fragte nach dem Stand der Dinge.

Teilen
Folgen

Von Reinhard Kärbsch

Längst ist Gras auf dem Humus gewachsen, unter dem vor 33 Monaten sächsische und polnische Archäologen an der Biehlaer Sumpfschanze Schätze aus der Früheisenzeit entdeckte. Und die Idee für einen archäologischen Radwanderweg reifte.

Die Worte der Experten hat Peter Hendrischk vom Heimatverein Schönteichen noch im Ohr, aber seither nichts mehr von den hochfliegenden Plänen gehört. Die Schönteichener spürten damals die Chance, mit ihrer Kommune aus der Abgeschiedenheit ans Licht der großen Welt zu kommen. Und wenn es das Licht an den Fahrrädern der Touristen ist.

Von Schätzen inspiriert

Die Exposition mit den sensationellen Fundstücken inspirierte die Kreisentwicklungsbehörde zu dem Tourismuskonzept mit einem archäologischen Radwanderweg. Seit 2000 arbeitete man hier an so einer Idee, Biehla sorgte wohl für Beschleunigung. Hoher Qualitätsanspruch in allen Bereichen – von der Gastronomie über technische Versorgung bis hin zur Aufklärung über Land und Leute – sollte nun den Aktivurlauber aus Deutschland und Europa in die Pedale treten und die Lausitz ansteuern lassen (SZ berichtete).

Sacharbeit statt Euphorie

Heute kann Andreas Heinrich, Leiter des Amtes für Kreisentwicklung, vom mühevollen Fortgang berichten – fernab aller Euphorie. Das ist erklärlich. „Es gibt in den Kreisen Bautzen und Kamenz mehr als 100 interessante archäologische Fundstätten, aber nur knapp ein Dutzend davon sind touristisch verwertbar.“ Das fanden Fachleute des Kamenzer Museums der Westlausitz und des Stadtmuseums Bautzen 2004 heraus. Diese Institutionen sind für diese Fragen prädestiniert. Seit Jahren organisiert beispielsweise das Kamenzer Museum regelmäßig Wanderungen und Tagesexkursionen zur Ostroer Schanze und anderen archäologischen Flächendenkmalen.

Für den Landkreis Kamenz kommen nach der Studie fünf Objekte infrage (siehe Kasten). Parallel dazu konsultierte Heinrich regelmäßig die Bürgermeister der Kommunen – wie Maik Weiße in Schönteichen, Volker Brandt in Elstra oder Franz Petasch in Panschwitz-Kuckau. „Wir müssen als Amt den Rahmen schaffen, das Konzept, für die Qualitätssicherung sorgen, die Verbindungen über die Kreisgrenzen hinweg aufbauen.“ Das schließe seinerseits intensive Zusammenarbeit bis hin zu den Heimatvereinen aus. „Das ist dann kommunale Angelegenheit“, sagt Heinrich. Und erklärt damit Peter Hendrischks Problem.

Die Museumsleute lieferten zugleich wichtige Informationen mit. Diese kommen jetzt auf Sichttafeln. Ab September werden diese an Ort und Stelle oder in der Nähe für die Touristen aufgestellt. „Das kostet rund 10 000 Euro, über 8 600 Euro werden gefördert“, sagt Heinrich. „Diese erste Qualitätserhöhung ist sicher“, sagt Heinrich. Die nächsten Schritte? „Das wird die Beschilderung der Tour selbst.“ Etwa 60, 70 Kilometer sind das, meist bekannte Radwege (siehe Kasten). Außerdem seien gegenwärtig Mitarbeiter mit dem Aufbereiten von Daten für mobile GPS-Technik (GPS – Global Positioning System) beschäftigt. Touristen können diese ausleihen – und alles an Informationen abrufen, was sie brauchen. 2007 soll alles funktionieren. „Wir bleiben am Ball, wenn es auch mühsam ist“, versichert der Amtsleiter. Und er gibt zu bedenken: „Im Landkreis haben wir 400 Kilometer Radwege zu unterhalten. Wir haben hier realen Nachholebedarf.“

Experten auf alles vorbereitet

Dagegen macht die Ostroer Schanze einen gepflegten Eindruck. Neue Holzgeländer an den Aufgängen zum Ringwall künden davon. „Die Schanze ist uns zugeordnet, und die Schar der Intessenten ist nicht gering“, informiert Franz Petasch. Die würden vor allem vom Kamenzer Museum mobilisiert. Und hier könnte man umgehend auch weitere Wünsche, die sich aus dem geplanten Radweg ergeben könnten, bedienen, versicherte Mitarbeiter Thomas Puttkammer, Projektleiter Bronzezeit. Etwa für die Prietitzer und nun auch Biehlaer Schanze. Nur müsse die Interessentenschar groß genug sein. Der eine Radwanderer, der des Weges kommt, kann aber ganz gut mit Broschüren bedient werden. Oder bald mit GPS.