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Absurdes Dosen-Theater

Wohin mit unseren Einwegdosen. Das kann doch kein Problem sein. Jetzt, wo das Gesetz endlich alles regelt. Theoretisch. Praktisch geht rein gar nichts

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Von M. Busche, J. Joó , S. Hübener

Haben Sie gestern auch versucht, Ihre Dosen irgendwo loszuwerden. Nein? Dann haben Sie Glück gehabt. Im Landkreis herrscht nämlich Pfandnotstand. Im Moment weiß offensichtlich niemand genau, was nun irgendwo abzugeben ist. Die Händler nicht und die Kunden auch nicht.

Dabei soll doch alles so einfach gehen. Wer eine Dose verkauft, muss dafür Pfand kassieren und auch andere Dosen wieder zurücknehmen. So steht es im Gesetz. Doch wenn die Händler ihre Waren tatsächlich zurücknehmen sollen, blättern sie ganz wild im großen Ausredenbuch.

Penny gehört zu Rewe, das sollte man wissen

So nimmt der Penny-Markt an der Pirnaer Schillerstraße nur Flaschen zurück, die in einem Geschäft der Rewe-Gruppe gekauft worden sind. Dazu gehört eben Penny und Toom. Ersichtlich wird das durch ein kleines Logo an der Flasche. Fehlt das, weil die Flasche alt ist, also noch ohne Logo geliefert wurde, bekommt der Kunde Probleme. Dann muss er nämlich seinen Pfandbon aufbewahrt haben, obwohl die Flasche eindeutig bei Rewe gekauft wurde.

Ganz schwierig wird es bei Rewe selber. Der liegt an der Schillerstraße gleich neben Penny. Ein Konzern hat dort also zwei Geschäfte. Im Test haben wir uns erlaubt, das Papierettikett der Pennyflasche abzumachen, die Ware also quasi nackt bei Rewe einzureichen. „Dafür brauchen Sie einen Pfandbon“, versicherte die Verkäuferin ganz schnell, ohne die Flasche geprüft zu haben. Den Bon hatten wir natürlich nicht, weil ja gerade eben bei Penny gekauft, wo keine Bons mehr ausgegeben werden. Auch unseren Hinweis, die Flasche stamme zwar von Penny, sei aber von der Rewe-Gruppe, wie deutlich auf dem Rand der Plastikflasche aufgedruckt, wusste der Kassierer zu kontern. „Dann geben sie die doch bei Penny ab“. Aber nicht lange. Denn als wir einfach nicht gehen wollten, kapitulierte der Mann irgendwann und gab missmutig das Pfandgeld wieder heraus.

Der Dosenpfand-Test gerät zur absurden Posse

Ins geradezu Absurde gleitet der Versuch am Bahnhof Pirna ab. Dort verkauft ein Döner-Laden Mehrwegflaschen der Marke Lift und nimmt dafür 15 Cent Pfand. Der PSG-Zeitungskiosk im Bahnhof verkauft die Flaschen ebenfalls, nimmt 25 Cent, stellt aber einen Pfandbon aus, weil sonst die Flasche nicht zurückgegeben werden könnte. Das erstaunt uns, denn schließlich soll das Gesetz doch gerade damit Schluss machen. Dachten wir, bis heute. Unserer Frage, das sei doch nicht mehr nötig, kontert die Verkäuferin mit dem Hinweis auf ein P-Logo, das den Flaschen fehle.

Dem Dönermann ist das offensichtlich egal. Er nimmt die Flasche vom Zeitungskiosk anstandslos zurück, zahlt die 15 Cent aus und macht fröhlich weiter. Die Zeitungsfrau hingegen weigert sich die identische Flasche vom Dönermann zurückzunehmen, weil halt der Bon fehle. Argumente fruchten nicht. Da bleibt die Frau hart und hat Recht, erklärt Siegmund Eggler, Einkäufer der Prima-Service-Gesellschaft, dem Besitzer der PSG-Läden. Glaubt man ihm, darf die Zettelwirtschaft bis Ende September 2004 weitergehen. „Solange dauert die Übergangsfrist, weil die Industrie derzeit keine Kapazitäten hat, alle Waren mit dem „P wie Pfand“-Logo auszustatten“.

Auch Mehrwegflaschen aus Glas sind schwierig

Selbst die Rückgabe einer ganz normalen Glaspfandflasche Mineralwasser kann scheitern. Der SB-Tank an der Dresdner Straße in Pirna hat nämlich kein Glas mehr, nimmt also auch keines zurück. Doch es gibt auch richtig gute Adressen. Die GO-Tankstelle an der Dresdner Straße nimmt unsere Glasflasche anstandslos zurück und berät auch noch intensiv. Ein solcher Service ist vorbildlich.

Die SZ testete auch in Sebnitz. Das Ergebnis ist nicht viel anders. Viele Händler entziehen sich ganz dem Rückgabesystem indem sie darauf verzichten, mit Pfand belegte Getränke anzubieten. Weder in den beiden Schlecker-Filialen, noch bei Eedka Lebensmittel Neumann oder den vielen Backwarengeschäften sieht man deshalb noch Dosen oder Einwegflaschen mit pfandpflichtigen Getränken. „Das wird sonst einfach zu teuer“, sagt Angelika Fleischer von der Feinbäckerei Henke. Also weicht man zum Beispiel auf pfandbefreite Säfte und Milchgetränke aus.

Der Imbiss am Sebnitzer Busbahnhof steht stellvertretend für viele Geschäfte mit weniger als 200 Quadratmeter Verkaufsfläche. Man kann hier zwar noch gut gekühlte Getränke in Dosen bekommen, aber verständlicherweise werden in dem kleinen Schnellimbiss nur selbst verkaufte Getränkeverpackungen zurückgenommen.

Im Spar-Frischemarkt Sebnitz wird ebenfalls nur markteigene Dosen und Flaschen zurück genommen. „Stimmt die Verpackung in Form, Art und Inhalt mit einer in der Filiale angebotenen Ware überein, wird sie angenommen“, erklärt Inhaber Bernd Griephan.

Ein eigenes System mit Pfand-Sicherheitscoupon läuft parallel und vereinfacht die Rücknahme von in SPAR-Filialen gekauften einwegverpackten Getränken. Vom Idealfall eines lückenlosen Rücknahmesystems ist man derzeit auch hier noch weit entfernt.