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Abwassergebühren steigen vor allem für alte Anlagen

Die Stadt hat die Gebühren für die Jahre 2014 bis 2018 neu kalkuliert. Eigentlich müsste es noch viel teurer werden.

Von Jürgen Müller

Die Lommatzscher müssen vom kommenden Jahr an höhere Gebühren für Abwasser bezahlen. Die Stadt hat jetzt eine Kalkulation für die Jahre 2014 bis 2018 vorgelegt. Demnach steigen die Gebühren an, meist jedoch sehr moderat. Richtig teuer wird es vor allem für diejenigen, die nicht an die zentrale Versorgung angeschlossen sind, ihre Anlage auf eine vollbiologische Klärung bis 2015 umrüsten müssen, dies bisher aber noch nicht getan haben. „Wir wollen damit vor allem einen Anreiz schaffen, die Umrüstung zügig in Angriff zu nehmen“, sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP). Die Kanalgebühr für Abwasser, das in Gewässer eingeleitet werden kann, beträgt künftig 1,83 Euro pro Kubikmeter. Bisher waren es 72 Cent. Für Abwasser, das nicht in Gewässer eingeleitet werden kann, kostet die Kanalbenutzung ab Januar 2014 2,70 Euro pro Kubikmeter, das sind 98 Cent pro Kubikmeter mehr als bisher. Moderat steigt hingegen die Gebühr für die zentrale Schmutzwasserentsorgung von 2,19 Euro auf 2,24 Euro pro Kubikmeter. Für Regenwasser sind 0,54 Euro pro Quadratmeter zu zahlen, drei Cent mehr als bisher. Bei der dezentralen Abwasserentsorgung steigt die Gebühr von jetzt 19,36 auf dann 19,74 Euro pro Kubikmeter. Unverändert bleibt die Grundgebühr. Bei Zählergröße 1, der üblichen Größe für ein Einfamilienhaus, bleibt sie bei monatlich fünf Euro.

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Mit den neuen Abwassergebühren liegt Lommatzsch im Mittelfeld des Landkreises Meißen. Die Gebühren müssen kostendeckend erhoben und alle fünf Jahre neu kalkuliert werden. „Das wollen wir möglichst beibehalten, obwohl wir durch die neue doppelte Buchführung eigentlich jährlich eine neue Kalkulation machen müssten“, so die Bürgermeisterin. Ermittelt hat die neuen Gebühren wie schon in den vergangenen Jahren die KBS Kommunalberatung GmbH.

Von der Erhöhung sind Mieter und Grundstückseigentümer gleichermaßen betroffen. Die Abwassergebühren richten sich nach dem tatsächlichen Verbrauch. Bezugsgröße ist dabei der Frischwasserverbrauch, weil die Abwassermenge nicht erfasst wird. Dies führt zu Ungerechtigkeiten, beispielsweise wenn mit Trinkwasser der Garten gegossen wird. Dieses Wasser gelangt zwar nicht in die Kanäle, trotzdem muss dafür bezahlt werden. In Lommatzsch allerdings kann Wasser, das nachweislich nicht in die Abwasseranlagen und Kanäle fließt, abgezogen werden. Voraussetzung ist dafür ein extra Zähler, der alle sechs Jahre geeicht werden muss. Nicht nur Wasser für das Bewässern von Gärten kann abgesetzt werden, sondern auch im Handwerk verarbeitetes Trinkwasser, bei Wasserrohrbruch, bei Viehhaltung mit größeren Beständen und wenn abflusslose Gruben in großem Umfang genutzt werden.

Normalerweise hätten die Gebühren viel stärker erhöht werden müssen, um Rücklagen für Instandsetzungsarbeiten zu haben. „Darauf haben wir aber verzichtet, was zur Folge hat, dass wir nichts vorbeugend instandsetzen, sondern nur reagieren können, wenn ein Schaden auftritt“, sagt die Bürgermeisterin. Große Sorgen bereitet ihr die Tatsache, dass viele Besitzer alter Kläranlagen diese noch nicht auf vollbiologische Klärung umgerüstet haben. Dies ist bis 2015 nach einer EU-Verordnung Pflicht. Von 750 Grundstücksbesitzern haben erst 250 eine entsprechende Umrüstung vorgenommen. Es ist zu befürchten, dass die Fördermittel auslaufen und – je näher der Termin rückt – die Firmen die Preise anziehen werden.