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Abwrackprämie lockt die Autokäufer

Die Bundesregierung will Neuwagenkäufern 2500 Euro Prämie zahlen, wenn sie ihr altes Auto verschrotten (siehe Kasten). Ziel ist, die Autoindustrie anzukurbeln. Die Reaktionen in der Region reichen von optimistisch bis skeptisch.

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Von U. Körber und K. Krüger-M.

Die Bundesregierung will Neuwagenkäufern 2500 Euro Prämie zahlen, wenn sie ihr altes Auto verschrotten (siehe Kasten). Ziel ist, die Autoindustrie anzukurbeln. Die Reaktionen in der Region reichen von optimistisch bis skeptisch.

Zieht die Prämie bereits Kunden an?

Kurt Hähnichen, Chef vom Autohaus Gute Fahrt in Riesa, reibt sich seit Freitag, als die Prämie spruchreif wurde, die Augen. Acht Kunden haben bis gestern bereits wegen eines Neuwagens im Zusammenhang mit der Prämienzahlung angefragt. Zwei Wagen sind verkauft, so Hähnichen. Allerdings weiß der Autohauschef noch nicht, wie die Prämienzahlung in der Praxis funktioniert. Diese Frage beschäftigt auch Thomas Liebscher, Betriebsleiter vom Großenhainer VW-Autohaus Fischer. Am 27. Januar sollen dazu Entscheidungen fallen, weiß er. „Die Nachfrage ist da, vor allem von Kunden, die sowieso schon ein Neufahrzeug im Auge haben“, sagt Liebscher. Im Peugeot-Autohaus Großenhain fällt das Interesse dagegen noch gering aus. „Von Peugeot kommen konkrete Aktionen erst nach dem 27. Januar“, sagt Autohaus-Chef Dietmar Pilgrim.

Was bedeutet die Prämie für die Werkstätten im Kreis?

Nichts Gutes, so der Sprecher von Autoteile Unger Deutschland Gerhard Bohmüller. Wenn die Prämie so einschlägt, wie gewünscht, könnte es sein, dass bei ATU die Auftragslage leidet. Immerhin werden zum großen Teil Autos ab vier Jahren Laufzeit und länger in diese Werkstätten gebracht. Neun Jahre und ältere Autos machen in der Riesaer Filiale bis 55 Prozent aus, so Bohmüller. Das liegt über dem deutschlandweiten Durchschnitt von 40 Prozent. 2008 wurden 5300 Fahrzeuge bei ATU in Riesa repariert, davon waren 3000 Autos dieser Altersgruppe. An massive Einbrüche will Bohmüller aber nicht so recht glauben. „Wer ein Auto fährt, das so alt und nur noch 2500 Euro wert ist, ist in der Regel kein Neuwagenkunde, sondern kauft sich einen Gebrauchten, weil das Konto nicht mehr hergibt.“ Auch die Werkstatt von Peugeot in Großenhain setzt darauf, dass die Servicenachfrage nicht abreißt.

Fürchtet man wegen der Prämie Autoschiebereien?

Kritiker fürchten, dass mit der Abwrackprämie Schwindler und Schieber angelockt werden, die entweder Papiere fälschen oder die Fahrzeuge statt sie zu verschrotten, in den Osten verkaufen. „Wir sehen aber keinen Anlass für solche Befürchtungen“, so Wolfgang Kießling, Sprecher der Polizeidirektion. Ein entsprechendes Schlupfloch für Kriminelle kann er nicht entdecken. „Autos dieses Alters und Wertes sind nicht unbedingt die Modelle, die in Polen oder anderen Orts sehr beliebt sind“, so Kießling.

Ist mit der Prämie die Autoindustrie zu retten?

„Die Prämie allein wird dafür nicht reichen“, so der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Lars Fiehler. Der Grund: Die hohe Exportquote. Zwei von drei neuen Autos werden ins Ausland verkauft. „Aber jeder prämienbedingt gekaufte Neuwagen hilft natürlich. Und zwar in erster Linie den Händlern hier und den Zulieferern“, so Fiehler. Er geht davon aus, dass vor allem die kleinen und günstigen Japaner, Franzosen und andere Hersteller davon profitieren, weniger die deutschen Automobilbauer.