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Abwrackprämie lockt die Autokäufer

Die Bundesregierung will Neuwagenkäufern 2500 Euro Prämie zahlen, wenn sie ihr altes Auto verschrotten. Damit soll der Autoindustrie wieder auf die Beine geholfen werden. Gleichzeitig könnten zugunsten der Umwelt viele Dreckschleudern von den Straßen verschwinden.

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Von H. Berndt und U. Körber

Die Bundesregierung will Neuwagenkäufern 2500 Euro Prämie zahlen, wenn sie ihr altes Auto verschrotten. Damit soll der Autoindustrie wieder auf die Beine geholfen werden. Gleichzeitig könnten zugunsten der Umwelt viele Dreckschleudern von den Straßen verschwinden. Das Elbland reagiert positiv.

Zieht die Prämie bereits Kunden an?

„Das hätte ich nicht gedacht“, sagt der Radebeuler Autohändler Rainer Gommlich. Schon vier Bestellungen in Kombination mit der Prämie seien seit der Bekanntgabe vor einer Woche eingegangen. Auch andernorts ist das gestiegene Interesse spürbar. „Täglich kommen jetzt Kunden und wollen die Prämie nutzen“, sagt Lars Hertwig vom Weinböhlaer Autohaus Grassel. Im Coswiger Autohaus Faust gibt es nun laut Verkäufer Veikko Röhner rund 30 Prozent mehr Interessenten.

Skurril: Einige Autofahrer wollen die Prämien nutzen, obwohl ihr alter Wagen noch deutlich mehr als 2500 Euro wert ist. Wie die Prämienzahlung in der Praxis funktioniert, wissen auch die Händler noch nicht. Klar ist, dass die meisten Häuser ihren Kunden die Verschrottung abnehmen.

Was bedeutet die Prämie für die Werkstätten im Kreis?

Auf den ersten Blick nichts Gutes. Das sagt zumindest der Sprecher von Autoteile Unger Deutschland, Gerhard Bohmüller. Die Auftragslage könnte leiden. Kaum Sorge hat da Mirko Arndt von der Kfz-Werkstatt in Weinböhla. „Deswegen kann sich doch nicht plötzlich jeder ein neues Auto leisten“, sagt er. Auch Steffen Hellenberg, Werkstattleiter aus Coswig, denkt weiter: „Wir brauchen sogar einen kontinuierlichen Wechsel hin zu Neufahrzeugen“, sagt er, „sonst stehen wir beim nächsten Aufschwung vor einem riesigen Loch.“

An massive Einbußen glaubt auch Bohmüller von ATU nicht: „Wer ein Auto fährt, das nur noch 2500 Euro wert ist – der kauft sich in der Regel keinen Neuwagen.“

Fürchtet man wegen der Prämie Autoschiebereien?

Autohändler Rainer Gommlich glaubt wie viele Kollegen durchaus, dass mit der Abwrackprämie auch Schwindler und Schieber angelockt werden. Diese könnten etwa die Papiere fälschen oder die Fahrzeuge im Ausland verkaufen, statt sie zu verschrotten.

Veikko Röhner vom Autohaus Faust meint dagegen, keine Verschrottungsfirma würde ihre Zertifizierung dafür aufs Spiel setzen. „Wir sehen keinen Anlass für solche Befürchtungen“, sagt auch Wolfgang Kießling, Sprecher der Polizeidirektion. „Autos dieses Alters und Wertes sind nicht unbedingt die Modelle, die in Polen oder andernorts sehr beliebt sind.“

Ist mit der Prämie die Autoindustrie zu retten?

„Die Prämie allein wird dafür nicht reichen“, sagt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer Lars Fiehler. Der Grund: Die hohe Exportquote. Zwei von drei neuen Autos werden ins Ausland verkauft. Verkäufer Veikko Röhner betont derweil, dass sich die Prämie wohl zunächst vor allem auf den Verkauf von Jahreswagen auswirken wird. „Die sind ja schon produziert und nutzen daher keinem Autobauer.“