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Abzocke am Automaten

Vorsicht beim Geldabheben in Polen und Tschechien: Wer die Abrechnung in Euro wählt, zahlt drauf.

Von Matthias Klaus

Eigentlich freut sich Manfred W. (Name geändert) über das Angebot. Er hebt in Polen Geld ab, und der Automat bietet ihm gleich die Umrechnung in Euro an. „Das sah ganz einfach aus“, so W. Und deshalb hat er einfach mit einem Knopfdruck zugestimmt. Das böse Erwachen kommt, als sich W. später die Kontoauszüge ansieht. Denn für das Abheben in der Heimatwährung hat er draufgezahlt. Kommission, Wechselkurse – das hat den Besuch am Geldautomaten teuer gemacht.

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Bis zu zehn Prozent des abgehobenen Betrages kann man in Polen zuzahlen. Sogar die Tourismuszentrale im Nachbarland warnt und empfiehlt: immer Abrechnung in Zloty. Tausende Geldautomaten im Nachbarland bieten den Umrechnungsdienst inzwischen an. Er nennt sich DCC, Dynamic Currency Conversion, dynamische Währungsumrechnung. Nicht nur in Polen ist das System auf dem Vormarsch, sondern unter anderem auch in Tschechien. Wird die EC- oder Kreditkarte in den Automaten geschoben, erkennt der, woher der Reisende kommt und bietet die Abrechnung in Heimatwährung an, also in Euro. Plus Zuschlägen eben, die offenbar mehr oder weniger willkürlich festgelegt werden können. Das Ganze ist legal. Denn der Kunde hat die Auswahl zwischen DCC und der jeweiligen Landeswährung. Meist kommt aber am Anfang auf dem Bildschirm die Frage: „Möchten Sie in Euro zahlen?“ Und da alles doch so schön transparent und nachvollziehbar auf dem Monitor erscheint, fallen Kunden darauf herein.

Unterschiedliche Banken hierzulande sehen das Thema auch unterschiedlich. Beispiel Deutsche Bank. Bis 2011 hatte die noch eigene Geldautomaten in Polen. Seither werden die von der Firma Euronet betrieben, einem weltweit agierenden Unternehmen. „Für Kunden der Deutschen Bank bleibt die Nutzung kostenfrei“, so ein Sprecher gegenüber der SZ. Aber es gebe beim Geldabheben eben auch zwei unterschiedliche Verfahren – mit oder ohne Umrechnung. „Das wird auf dem Bildschirm angezeigt“, so der Deutsche-Bank-Sprecher. Weiter möchte er das Thema nicht kommentieren.

Bei der Commerzbank wird man deutlicher. „Wir raten unseren Kunden, sich beim Abheben von Bargeld im Ausland in Ruhe mit der Anzeige auf dem Bildschirm zu beschäftigen“, so ein Sprecher des Geldhauses auf SZ-Anfrage. Zeit nehmen, alles genau durchlesen, nicht gleich den Knopf drücken, so sein Tipp. Und das Nachrichtenportal Polen-pl rät: Lieber zweimal am Automaten Nein drücken, um DCC abzuwählen. Die dynamische Währungsumrechnung funktioniert dabei nicht nur an Geldautomaten. Gerade beim Einkaufen mit EC-Karte im Grenzgebiet werden Kunden immer wieder gefragt, ob sie nicht lieber in Euro bezahlen wollen, etwa an Tankstellen. Wer da nicht den aktuellen Umrechnungskurs im Hinterkopf hat, zahlt unter Umständen drauf. „Verbraucher sollten mit ihrer Karte immer in der Landeswährung zahlen. Das spart Geld“, so Katarzyna Trietz vom Deutsch-Polnischen Verbraucherinformationszentrum der Verbraucherzentrale Brandenburg. Die Stiftung Warentest hat sich im vergangenen Jahr ebenfalls mit diesem Thema beschäftigt. Ein Test ergab: Ein Automat in Polen schlug am heftigsten bei den Umrechnungskosten zu.

Manfred W. jedenfalls lässt nicht mehr umrechnen. „Auch nicht an der Tankstelle, auch nicht, wenn die Schlange lang ist“, sagt der Görlitzer. Er bestehe auf Bezahlen mit Zloty.

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