SZ + Hoyerswerda
Merken

Acht Finalisten, zwei Gewinner

Die Hoyschrecken des Jahrgangs 2019 zieren fortan Berlin und Salzburg.

 3 Min.
Teilen
Folgen
Gruppenfoto der Gewinner: Die Publikumssieger Georg Clementi (mit Hoyschrecke) und Band (Ossy Pardeller, Bojana Popovicki ). Rechts die Jurysiegerin Franziska Günther.
Gruppenfoto der Gewinner: Die Publikumssieger Georg Clementi (mit Hoyschrecke) und Band (Ossy Pardeller, Bojana Popovicki ). Rechts die Jurysiegerin Franziska Günther. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Eins der filigranen Tiere, die wieder der Hoyerswerdaer Künstler Helge Niegel geschaffen hat, steht künftig bei der Berliner Liedermacherin Franziska Günther, die am Wochenende die Jurywertung des 23. Liederfestes Hoyschrecke gewann. Das andere Metalltier steht bald im Foyer des Salzburger OFF-Theaters. 

Dort tritt normalerweise der Schauspieler und Sänger Georg Clementi auf, wenn er nicht gerade mit seinen Musikern im Saal der KulturFabrik Publikumsliebling wird. Diese Hauptpreise sind mit je 500 € dotiert, sagte Petra Schwarz, die das Liederfest wieder moderierte. Alle acht teilnehmenden Liedermacher starteten erstmals in Hoyerswerda und waren zuvor aus 43 Anmeldungen ausgewählt worden. So viele Bewerbungen gab es zuvor noch nie.

Mit „gelesen, beworben, angenommen und gesiegt“ beschrieb Georg Clementi den Weg seiner Band zu der überraschenden Auszeichnung. Er sang seine „Zeitlieder“, die von hektischen Großstädten sowie von Wünschen nach autofreien Citys und drei Wochen Urlaub ohne Internet erzählen. Den richtigen Klang erhielten die Songs durch Ossy Pardellers elegantes Gitarrenspiel und Bojana Popovickis mitreißende Akkordeonmusik. Georg Clementi erträumte sich im schrumpfenden Hoyerswerda sofort eine ruhige Piazza, die er singend beschrieb. Die Grundlage seiner Lieder bilden Texte der Reihe „Ich habe einen Traum“ aus dem Zeitmagazin, sagte er dem zahlreichen Publikum.

Petra Schwarz stellte die Singer-/Songwriterin Franziska Günther als Geisteswissenschaftlerin mit abgeschlossenem Kurs in Popmusik vor, die schon seit ihrer Jugend mit der Gitarre Europa erkundet. Die Gemeinschaft der wenigen Bewohner der Färöer-Inseln im Atlantik verglich Franziska Günther in ihren Liedern mit dem eher einsamen Alltag der Menschen in der Metropole Berlin. „Unangestrengt und stimmlich lebendig“ beurteilte die Leipziger Liedermacherin Peggy Luck Franziska Günthers Auftritt im Namen der sechsköpfigen Jury. Diese bestand aus Hoyschrecken-Preisträgern und Vertretern von ProFolk (Verband für Folk, Lied und Weltmusik in Deutschland) sowie Gundermanns Seilschaft e.V.

Der Berliner Liedermacher Tobias Thiele erreichte in der Zuschauer- und der Jurywertung die dritten Plätze mit klaren politischen Botschaften zu großen Problemen dieser Zeit. In dem Lied „unerhört“ aus seinem gleichnamigen, mit dem Förderpreis der Liederbestenliste geehrten Debütalbum, prangert er Kriege und die weltweite Flüchtlingskrise an, die einfachen Menschen immer Leid bringen. Nur die Mächtigen verdienen heimlich daran, denn „all die Wege, die sie gehen, führen durch Hintertüren“, sang Tobias Thiele entlarvend. Allen Menschen empfahl er, nicht mehr die verfügbare Masse für Regierungen und Konzerne zu sein. Das sprach wohl den Anwesenden im Saal aus der Seele, die heftig applaudierten.

Die Liedermacherkollegin Kathrina aus Ostwestfalen sang zu handgemachter kraftvoll-rockiger Musik gesellschaftskritische Texte über die Energieerzeugung in Atomkraftwerken. Claudia Wolozyn aus Frankfurt/Oder, die nach 2017 schon zum zweiten Mal als Publikumsliebling der offenen Bühne am Samstag starten durfte, erzählte sanft gut beobachtete Geschichten, die bei den Zuschauern ein Nachdenken über den Sinn und Unsinn unserer Konsumgesellschaft in Gang setzte. Heike Mildner begleitete die Sängerin und Gitarristin auf der Geige und am Klavier. Beatrice Heinz aus Meißen kommt immer wieder zur Hoyschrecke, weil es hier Musik gibt, die nicht in eingängigen Radiosendern läuft.

Die Live-Übertragung des Konzertes organisierte das Fliederteeradio von Gundermanns Seilschaft e. V., erstmals unterstützt vom Freien BürgerRadio Slubfurt aus Frankfurt/Oder und dem polnischen Slubice. Reinhard „Pfeffi“ Ständer von der Seilschaft wurde als ehrenamtlicher Cheforganisator des Veranstaltungswochenendes von Petra Schwarz gewürdigt.

Tobias Thiele bei seinem Auftritt im Bürgerzentrum Braugasse Hoyerswerda. Er wurde dritter bei der Publikumswertung und der Jurywertung.
Tobias Thiele bei seinem Auftritt im Bürgerzentrum Braugasse Hoyerswerda. Er wurde dritter bei der Publikumswertung und der Jurywertung. © Foto: Katrin Demcenzko