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Acht Millionen Euro für Gefängnis-Umbau in Bautzen

Mehr als 100Jahre lang waren hinter den dicken Holztüren mit Gucklöchern Gefangene untergebracht – jetzt haben sie ausgedient. Im Ostflügel des großen Hafthauses in der Bautzener Justizvollzugsanstalt (JVA) wird bald nichts mehr aussehen, wie früher.

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Von Christoph Scharf

Mehr als 100Jahre lang waren hinter den dicken Holztüren mit Gucklöchern Gefangene untergebracht – jetzt haben sie ausgedient. Im Ostflügel des großen Hafthauses in der Bautzener Justizvollzugsanstalt (JVA) wird bald nichts mehr aussehen, wie früher. „Der Durchblick durch die vier Etagen bis zum Oberlicht wird verschlossen“, sagt Manfred Schütze, Leiter der JVA-Bauverwaltung. Wo jetzt Maschendraht die Öffnungen zwischen den Geschossen verschließt, wird die Decke im Flur künftig durchgängig geschlossen sein.

Außerdem werden die langen Flure ein ganzes Stück enger: Die dicken Mauern, von denen die Zellen abzweigen, kommen mehr in die Mitte. „Dadurch werden die Einzel-Hafträume etwas größer: Von acht bis neun auf rund zehn Quadratmeter“, sagt Schütze.

Zellen werden größer

Insgesamt 125 Hafträume entstehen bis 2011 in den Obergeschossen des Ostflügels, der von der Breitscheidstraße aus rechts neben der Kirche zu sehen ist. Ins Erdgeschoss ziehen wieder ein Freizeitbereich und eine Verkaufsstelle ein. Die Gefangenen selbst mussten bereits im Oktober in andere Abteilungen umziehen – Ende November begannen die Abbrucharbeiten, mit denen derzeit drei Firmen beschäftig sind. Durch den Umbau sitzen vorübergehend deutlich weniger Häftlinge in Bautzen ein: „Derzeit sind wir mit rund 390 Leuten voll belegt“, sagt Anstaltsleiter Burghart Jäckel. Vor Beginn des Umbaus waren es noch fast 500. Dass die JVA trotzdem nicht in Bedrängnis kommt, liegt an der allgemeinen Entwicklung in Sachsen.

„Gab es 1999/2000 noch 4850 Gefangene im Freistaat, sind es aktuell nur noch 3700“, sagt Burghart Jäckel. Als Gründe nennt er die mit den offenen Grenzen sinkenden Pass- und Einreiseverstöße und die leichtere Abschiebung nach Polen oder Tschechien. Nicht zuletzt schrumpfe aber auch die Zahl der Sachsen und damit die der jungen potentiellen Straftäter.

Zahl der Gefangenen sinkt

Deshalb sinkt auch die Zahl der Mitarbeiter: Aktuell sind 225 Leute in der JVA beschäftigt – von einst 300. Einen Ausbruch gab es 2008 trotzdem nicht. Keine Sorgen müssen sich Bautzener auch um das historische Stadtbild machen: „Von außen wird sich am Anblick des Ostflügels kaum etwas ändern“, sagt Manfred Schütze.

Ausgemustert sind dagegen die halbrunden Zellentüren im Inneren. Einige Dutzend gingen an die Gedenkstätten in der Weigangstraße und ans ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Eine Versteigerung der Türen hatte die Verwaltung unterlassen: Erst vor wenigen Wochen hatte es in Hamburg Proteste gegeben, weil historische Zellentüren der JVA Fuhlsbüttel an Privatleute verkauft wurden. Kritiker sahen so die Würde von ehemaligen Gestapo-Häftlingen verletzt.