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Achtundachtzig und topfit

Regelmäßig geht Christa Jürgens mit Senioren auf Wanderschaft. Es ist nicht nur die Bewegung, die rüstig hält. Es ist noch mehr.

Von Constanze Knappe

Rentner haben niemals Zeit. Das ist auch bei Christa Jürgens so. Plätzchen und Mandelstollen sind gebacken. 50 selbst gehäkelte Weihnachtssterne liegen parat. Damit hatte die Bischofswerdaerin mal den zweiten Platz im Wettbewerb um den schönsten Weihnachtsbaum belegt. Die 88-Jährige bekocht sogar noch die ganze Familie, sie schreibt aber auch an einer Schulchronik mit und organisiert Wanderungen. Das Alter ist für sie dabei keine Hürde, sagt sie im SZ-Gespräch.

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Christa Jürgens aus Bischofswerda kümmert sich mit ihren 88 Jahren noch selbst um ihren Haushalt. Zum Beispiel hält die Treppe steigen und Wäsche auswringen fit wie ein Turnschuh. Die rüstige Seniorin schwört aber auch auf ein warmes Mittagessen – täglich
Christa Jürgens aus Bischofswerda kümmert sich mit ihren 88 Jahren noch selbst um ihren Haushalt. Zum Beispiel hält die Treppe steigen und Wäsche auswringen fit wie ein Turnschuh. Die rüstige Seniorin schwört aber auch auf ein warmes Mittagessen – täglich © Thorsten Eckert

Hallo Frau Jürgens, wie geht es Ihnen?

Für mein Alter kann ich dankbar sein, dass ich so fit bin. Nach einer Operation vor zehn Jahren und den Folgen ging es mir lange Zeit nicht gut. Zum Glück habe ich mich erholt. Darum beneidet mich jeder.

Man könnte sagen, Sie sind fit wie ein Turnschuh. Aber mal im Ernst, für Ihr Alter sind Sie wirklich erstaunlich gut drauf. Wie machen Sie denn das?

Man muss schon ein bisschen Disziplin halten. Wichtig ist ein geregelter Tagesablauf. Ich stehe jeden Tag sieben Uhr auf und mache mir vieles im Haushalt noch alleine, außer Gardinen aufhängen zum Beispiel. Die Treppe ist mein Training. Ich gehe mehrmals am Tag rauf und runter, dabei aber immer eine Hand am Geländer. Wenn andere zum Fitness gehen, wird bei mir auch mal die Wäsche mit der Hand ausgewrungen. Das ist meine Fitness. Deswegen kann ich noch so gut mit meinen Händen. Ich denke, wichtig ist außerdem ein ordentliches Mittagessen. Und das täglich. Viele, die wie ich alleine leben, machen sich diese Mühe leider gar nicht mehr.

Manch ein Bischofswerdaer Bürger schmunzelt, wenn er Sie mit Stock und Rucksack losgehen sieht…

Ich gehe seit den 1980er Jahren wandern. Damals hat Marianne Löffler vom Kulturbund die Wanderungen organisiert und viele davon aufgeschrieben. Anfangs konnte ich nur an den Wochenenden mit, weil ich ja noch gearbeitet habe. Später organisierte Irene Jähnke die Touren. Nachdem sie krank wurde, beschlossen wir, trotzdem weiterzumachen.

Wer ist wir?

In unserer Wandergruppe sind wir 32 Leute, die Jüngsten um die 65 Jahre alt.

Im Vergleich zu Ihnen ja beinahe junge Hüpfer. Warum ziehen Sie selber denn immer noch los?

Gerade für uns Ältere ist es doch wichtig, etwas für die Gesundheit zu tun, auch mal raus zu kommen. Wir treffen uns alle drei Wochen. Aber es geht ja nicht nur um die Bewegung. Fast alle in der Gruppe sind alleinstehend. Es ist doch schön, wenn sich Ältere so zusammenfinden können. Wir unterhalten uns, da wird auch mal ein Witz gemacht. Über Krankheiten reden wir nie.

Wie viele Kilometer sind Sie unterwegs?

Im Sommer so sechs bis acht pro Tour, im Winter wohl die Hälfte. Vorher steht die Frage, wie viel wir uns zumuten können - und ob es unterwegs eine Gaststätte gibt. Gemeinsam zu essen, das ist uns wichtig.

Das Wetter stört Sie nicht?

Es gibt doch keine schlechte Jahreszeit. Wenn die Sonne nicht scheint, erfreut uns eben der Regen. Man braucht nur feste Schuhe und einen Wanderstock.

Wer denkt sich die Touren aus?

Da wechseln wir uns ab. Wir waren zum Beispiel auf dem Jeschken in Liberec, in der Gartenstadt Hellerau und in der Hüttermühle in Radeberg. Allzu weite Fahrten können wir aber nicht mehr unternehmen, weil nicht mehr alle so fit sind und weil manche auch nur eine kleine Rente bekommen.

Haben Sie eine Lieblingsecke?

Nein, die Oberlausitz ist überall schön. Am liebsten sind wir in der Natur, da gibt es immer etwas zu entdecken. Ich schreibe das dann alles auf.

Wie die Schulchronik der einstigen Hermann-Matern-Schule, der späteren Mittelschule, an der Sie mitarbeiten?

Ich schreibe eben gern. Wir treffen uns zwei- bis dreimal im Jahr, um Material für diese Chronik zusammenzutragen. Wenn man so alt ist wie ich, weiß man auch viel.

So wie Sie zum Beispiel ein wandelnder Geburtstagskalender sind?

Ich kenne die Geburtstage aller früheren Kollegen und rufe auch alle Wanderfreunde zu ihren Geburtstagen an. Das sind doch die kleinen Freuden im Alter, wenn jemand zum Geburtstag an Einen denkt.

Sie stammen aus dem Erzgebirge, sind Ihrem Mann nach Bischofswerda gefolgt. Haben Sie das jemals bereut?

Nein. Seit 1951 lebe ich in Bischofswerda. Inzwischen ist das auch meine Stadt. Ihre Geschichte liegt mir irgendwie am Herzen.

Ich habe sogar 2002 einige Stadtführungen in der Uniform des letzten Schützenkönigs von Bischofswerda gemacht.

Wie denn das?

Mein Schwiegervater Otto Jürgens war 1939 dieser letzte Schützenkönig. Ein paar große Schießscheiben aus jener Zeit und die Originaluniform besitze ich noch.

Und darin haben Sie neben Napoleon zum 200-jährigen Jubiläum des Stadtbrands von Bischofswerda gar keine schlechte Figur gemacht.

Das war der Spaß wert. Wer sagt denn, dass man in meinem Alter keinen Spaß mehr haben darf? Leider sind die Älteren nicht mehr alle so fit wie ich und können sich an Spaß erfreuen.

Gibt es Momente, in denen Sie weniger gut drauf sind?

Ja. Aber unsere Generation hat gelernt, immer das Beste aus dem Leben zu machen. Ich sag mir dann, wenn ich etwas nicht ändern kann, brauche ich mich auch gar nicht erst darüber aufzuregen.