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Achtung Baustelle!

Die Sanierung des Bautzener Doms beginnt. Doch vorher muss alles raus, selbst die zentnerschweren Bänke.

© Thorsten Eckert

Von Nicole Preuß

Der Dom ist eine Baustelle. Überall liegen Kabel, auf dem Gang steht eine Schubkarre. Alle paar Meter klafft ein Loch im Kirchenboden. Die Arbeiten für die Sanierung des Bauwerks haben begonnen. Doch bevor die Maler und anderen Fachleute in das Bauwerk können, muss abgebaut und eingehaust werden. Und das ist in der jahrhundertealten Kirche gar nicht so einfach. Das fängt schon bei den Bänken an.

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Kay Krüger hockt vor dem verzierten Gestühl. In der Hand hat er einen herkömmlichen Schraubenzieher mit einer kleinen Verlängerung, einer Ratsche. Schraube für Schraube dreht er aus dem Holzboden und löst so die Bank von ihrem Untergrund. Mühsam. Heutzutage nimmt man doch für alles einen Akkuschrauber. „Es muss aber alles erhalten bleiben und das fordert sehr viel Handarbeit“, sagt Kay Krüger. Die Schrauben stammen noch aus einer anderen Generation. „Ob die Schrauben auch alle wieder genommen werden, wissen wir nicht, aber sie sind auf jeden Fall da“, sagt sein Vorarbeiter Bernd Janusch. Krüger und Janusch kommen von der Thüringer Firma BSB. Das Bau- und Spezialgerüstbauunternehmen hat sich auf solche Arbeiten spezialisiert. Sie hat schon am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig gearbeitet, in der Wittenberger Lutherkirche, am Schloss Neuschwanstein in Bayern und erst vor Kurzem im Bolschoi-Theater in Moskau. Nun sind Mitarbeiter in Bautzen.

Sechs Wochen haben sie Zeit, um die Bänke auszubauen, die Altäre einzuhausen und die Empore, auf der die Orgel steht, mit einer speziellen Folie zu ummanteln.

Eine Kreissäge kreischt auf. Zwei Männer schneiden eine Spanplatte zurecht. Die alten, besonders verzierten Bänke nahe des katholischen Altars bekommen zurzeit eigene kleine Hütten. Stück für Stück tackern Steffen Feilner und Andreas Kraft ein Fließ zwischen Spanplatte und Dach. Die Wände bestehen nicht nur aus Holz. Ein Teil davon ist nur Stoff. „Die Einhausung muss staubdicht und atmungsaktiv sein“, sagt Vorarbeiter Bernd Janusch. Das garantiert das Fließ. Die Spanplatten am unteren Teil der Hütte sichern die reich verzierten Bänke, die den Geistlichen und den Messdienern vorbehalten sind, zusätzlich. Ähnliche Einhausungen sollen später auch die Altäre im Dom bekommen. Die Türen, die überall eingebaut werden, müssen in den zwei Jahren Sanierungszeit auch regelmäßig geöffnet werden, damit noch mehr Luft an die wertvollen Kunstwerke kommt.

Die Holzempore im evangelischen Teil, auf der die Orgel steht, wird komplett mit atmungsaktiver Folie ummantelt. Nirgendwo dürfen die haltenden Klebestreifen an das Holz kommen. Ein Fachmann schneidet die nötigen Stoffbahnen zurecht. Ein anderer schleppt eine Spanplatte durch den Dom. Mitarbeiter einer weiteren beauftragten Firma stemmen Holzbretter aus dem Boden. Was sie tun, sind Vorarbeiten. Die eigentliche Plackerei kommt noch. Dann nämlich, wenn die vielen Bänke aus dem Dom geschafft und in eine Lagerhalle nach Schmochtitz gebracht werden. So eine lange Bank bringt locker 100 Kilo auf die Waage. Fünf Mann braucht man mindestens, um sie anzuheben. Mit Hubwagen und Möbelrollern wird sie dann zum Laster transportiert. Jede Bank hat eine Nummer. So weiß man später, wo sie jetzt stand.

Doch es gibt noch andere Schwerstarbeiten. Bernd Janusch geht durch den Dom und bleibt vor dem Abendmahlsbild stehen, das normalerweise über dem Gitter zwischen evangelischem und katholischem Teil hängt. Der halbhohe Metallzaun ist schon weg, abgebaut. Die Pfeiler stehen noch. Momentan wird an einer Idee getüftelt, wie man sie aus dem Steinboden bekommt. Diese Verzögerung war nicht geplant. Doch Überraschungen gibt es selbst bei den Vorbereitungen für so eine Sanierung immer wieder, sagen die Fachleute. Bernd Janusch und seine Kollegen von der Firma BSB werden vor das Abendmahlsbild extra ein Gerüst mit Verstärkung bauen. Das 400 Kilogramm schwere Gemälde soll heruntergelassen, begutachtet, an wenigen Stellen ausgebessert und wieder hoch an die Wand gebracht werden. Das braucht ein solches Gerüst. Leichter, aber kniffliger ist da die Sache mit dem Holzkreuz von Balthasar Permoser. Für die Zeit der Sanierung wird es abgenommen, in zwei Teilen. Erst Jesus, dann das Kreuz. Für die lebensgroße Figur des Erlösers wurde extra eine Art Sarg angefertigt. Dort soll die Figur dann liegen, bis sie in über zwei Jahren wieder an die gleiche Stelle kommt. Dazwischen wird die Elektrik des Doms komplett erneuert, ein riesiges Raumgerüst aufgestellt, die Wände und die Säulen gestrichen. Und irgendwann natürlich wieder eingeräumt.