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Löbau

Einst ging es prima ohne Datenschutz

Adressbücher wie das von Neugersdorf aus dem Jahre 1925 sagen einiges über das Leben unserer Vorfahren aus.

Die Umschlagseite des Neugersdorfer Adressbuches von 1925.
Die Umschlagseite des Neugersdorfer Adressbuches von 1925. © SLUB

Adressbücher wurden einst für jede größere Ortschaft herausgegeben. Sie erschienen in regelmäßigen Abständen. Lücken entstanden vor allem während der beiden Weltkriege. Nach 1945 erschienen in den Anfangsjahren der DDR noch vereinzelt solche Almanache. Inzwischen sind sie zu wahren Fundgruben für die Heimatgeschichtsforschung geworden. Glücklich sind all jene, die noch ein Exemplar aus ihrem Ort antiquarisch erwerben können.

Die Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden hat dankenswerterweise einige Exemplare digitalisiert, in der Oberlausitz unter anderem für Ebersbach/Sa., Görlitz, Herrnhut, Löbau, Neugersdorf, Reichenbach O.L., Seifhennersdorf und Zittau. Komplett nach Jahren sind die Adressbücher bzw. Einwohnerverzeichnisse allerdings nicht erfasst. Vor allem sind die Jahre 1880 bis 1935 vertreten.

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Die meisten der Nachschlagewerke sind gut strukturiert und nach festen Rubriken gegliedert. So enthält das 1925 erschienene "Adreßbuch der Stadt Neugersdorf" ein Behörden- und ein Einwohnerverzeichnis, ein alphabetisch nach Straßen geordnetes Häuserbuch, eine Aufstellung der Berufsklassen und Gewerbebetriebe, ein Handelsregister sowie eine Übersicht der Vereine und Verbände. Auch ein kurzer Abriss der Stadtgeschichte ist enthalten.

Was die Berufsklassen und Gewerbebetriebe betrifft, so finden sich für Neugersdorf unter dem Buchstaben H zum Beispiel eine Heimbürgin, drei Holzbildhauer und drei Hebammen. Auch vier Musikalienhandlungen sind vertreten, unter anderem die von Reinhhold Fiedler, Schillerstraße 4, die heute unter gleichem Namen und gleicher Anschrift noch als Buchhandlung existiert. Bei den Vereinen wurde stets das jeweilige Vereinslokal angegeben. So tagte der Stenografenverein "Gabelsberger" immer dienstags im Hotel "Lampelburg".

Keine Adressbücher zu DDR-Zeiten

Viele Informationen aus dem Alltagsleben machen die Bücher zudem interessant. Demnach war die "Oberlausitzer Dorfzeitung" vom Neugersdorfer Verlag Teller & Roßberg mit einer Auflage von 10.000 bis 11.000 Stück zu jener Zeit die "gelesenste moderne Tageszeitung der mittleren sächsischen Oberlausitz".

In der DDR waren bis auf die Anfangsjahre Adressbücher Fehlanzeige. Erst nach 1990 wurde vereinzelt versucht, an die alte Tradition anzuknüpfen. In Görlitz war das 1993/94 erstmals der Fall. Ein privater Verlag splittete das Buch in einen Teil mit offiziellen Angaben über Behörden, Unternehmen und Branchen, der gratis zu haben war. Das Buch mit den Einwohnerangaben dagegen wurde nicht billig angeboten. Nun herrscht jedoch an der Neiße seit über zehn Jahren wieder Adressbuch-Ruhe. 

Ob eine Neuauflage an den stolzen Preisen, an heute von Bürgern verweigerten Namensnennungen oder einfach daran scheitert, dass der Bedarf drastisch sank, ist nicht bekannt. Dabei hatte der Historiker Hartmut Zwahr bereits 1968 betont, dass Anschriftenverzeichnisse "wesentliche Erkenntnisse über sozialökonomische Strukturen und die soziale Lage erwarten" lassen.

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