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Ämter-Posse gefährdet Erlwein-Villa

Ein Investor will das Gebäude aus dem Dornröschenschlaf wecken. Doch seine schon investierte Million war wohl umsonst.

Von Nora Domschke

Er ist einer der größten noch erhaltenen Villengärten in Dresden – so jedenfalls bewertet das Denkmalschutzamt den kleinen Park unterhalb der alten Fabrikantenvilla in der Elsa-Brändström-Straße. Trotzdem verwildert er, und das einst prunkvolle Gebäude fristet ein trauriges Dasein inmitten von dornigen Himbeerhecken.

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Dabei gibt es seit Jahren einen Investor, der Park und Villa sanieren will. Doch zwei städtische Ämter machen Franz Holzapfel einen Strich durch die Rechnung. Nun könnte die bisherige Investition von etwa 1,2 Millionen Euro für Kauf und Erhaltung des Ensembles umsonst gewesen sein. Denn das Bauvorhaben steht derzeit auf der Kippe: Die Stadt will den Bebauungsplan aufheben. Um die Sanierungskosten von etwa drei Millionen Euro zu finanzieren, plant Holzapfel Neubauten auf dem Gelände. Doch genau dort liegt das Problem: Für zusätzliche Häuser gibt es zwar genug Platz auf dem 1,4 Hektar großen Grundstück zwischen Rayski-, Elsa-Brändström- und Reicker Straße. Doch sowohl Umwelt- als auch Denkmalschutzamt verhindern die Pläne des Investors. Seit mehr als sechs Jahren begleitet er das Ämter-Wirrwarr um das Bauvorhaben. Der Architekt hat in den vergangenen vier Jahren zwei Bebauungspläne für das Grundstück entworfen – beide wurden abgelehnt.

Die erste Variante sah zwei Neubauten unterhalb der Villa an der Reicker Straße vor. Im Juni 2012 teilte die Stadt mit, dass die Häuser in einem Biotop liegen würden. In dem Waldstück hatte man in Bäumen kleine Höhlen entdeckt. Sie könnten vom Juchtenkäfer bewohnt werden, nachgewiesen wurde das Insekt jedoch nicht. Trotzdem sei der Park nun ein besonders schützenswertes Areal, so das Umweltamt – und eine Bebauung somit unmöglich.

Also entwarf Tippmann einen zweiten Plan. Demnach sollten außerhalb des Biotops an der Rayskistraße sechs kleinere Gebäude und ein größerer Neubau direkt neben der Villa entstehen. Diese Variante wurde nun wiederum vom Denkmalschutzamt abgelehnt, weil es die beiden Kulturdenkmale Villa und Park zu sehr verändern würde. Das war Mitte vergangenen Jahres. Seitdem bemühen sich Tippmann und Holzapfel um einen Kompromiss mit den Ämtern. Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) räumte in einem Gespräch ein, dass er so etwas in seiner 32-jährigen Praxis noch nicht erlebt hätte. Nun müsse die Verwaltungsspitze um Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) darüber entscheiden.

Neue Hoffnung keimte auf, denn Orosz könnte in einem sogenannten Ermessungsentscheid bestimmen, ob nun Umwelt- oder Denkmalschutzbelange wichtiger sind. Trotz mehrfacher Versuche gelang es nach Tippmanns Angaben nicht, einen Termin mit ihr zu vereinbaren. Stattdessen schickte die Stadt am 24. Januar einen Brief, in dem sie ankündigte, dass das Bebauungsverfahren eingestellt werden soll. Ein Kompromiss sei nicht in Sicht und der Konflikt zwischen Natur- und Denkmalschutz nicht lösbar.

Das bestätigt das Rathaus auf SZ-Nachfrage. Keine guten Aussichten für die ehemalige Villa des Dresdner Schokoladenfabrikanten Ernst Ludwig Aulhorn. Er hatte sich sein Wohnhaus weit entfernt von der Fabrik bauen lassen. Seine Schokolade ließ Aulhorn im Plauenschen Grund produzieren. Dresdner bezeichnen das Gebäude heute als Erlwein-Villa. Diesen Namen verdankt es dem Dresdner Stadtbaurat Hans Erlwein, der dort von 1904 bis 1914 wohnte.

Nun hofft Tippmann, dass es doch noch eine Lösung für das verfallene Haus gibt. Die Zeit drängt, denn schon am 30. April soll der Bauausschuss über dessen Zukunft entscheiden. In der letzten Sitzung des Prohliser Ortsbeirates wurde heftig über das Vorgehen der Stadt diskutiert. Die Ortsbeiräte lehnten die Aufhebung des Bebauungsplanes ab, forderten stattdessen, dass sich Ämter und Investor an einen Tisch setzen. Darauf baut auch Tippmann.