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Äpfel dieses Jahr kleiner, aber süßer

Die Spalierobst-Ernte fällt noch schlechter aus als voriges Jahr. Dabei haben Bauern zum Pflücken Ukrainer eingeflogen.

Dort hängen die Zweige voll mit Gala-Äpfeln, doch insgesamt ist die Ernte schwach: Sachsens Blütenkönigin Elisabeth hat mit ukrainischen Pflückern die Saison eröffnet.
Dort hängen die Zweige voll mit Gala-Äpfeln, doch insgesamt ist die Ernte schwach: Sachsens Blütenkönigin Elisabeth hat mit ukrainischen Pflückern die Saison eröffnet. © Georg Moeritz

Wer im Priestewitzer Ortsteil Blattersleben wohnt, kann sich leicht Produkte aus der Region besorgen. Martin Ibisch verkauft seine Äpfel im Hofladen und auf Märkten wie voriges Jahr für 1,50 bis 2,49 Euro pro Kilo, je nach Qualität. Seine Nachbarn gegenüber bieten laut Aushang Hühnereier an – und spaßeshalber „Unkraut zum Selberpflücken“.

Doch Trockenheit und Frostschäden haben Sachsens Apfelernte in diesem Jahr noch einmal schlechter ausfallen lassen als im schwachen vorigen Jahr. Rund 58.000 Tonnen Äpfel von sächsischen Bäumen, das sind laut Landesverband Sächsisches Obst rund elf Prozent weniger als voriges Jahr und 40 Prozent „unter einer Normalernte“. Verbandschef Gerd Kalbitz eröffnete am Freitag auf Ibischs Hof offiziell die Apfelsaison und sagte, in Sachsen-Anhalt sehe es noch trauriger aus. Dort werde er nächste Woche die Saison eröffnen.

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Auch Obstbauer Ibisch hat Einbußen bei Äpfeln der Sorten Shampion und Topas zu spüren bekommen, konnte sie aber mit anderen ausgleichen. Er zeigte Sachsens Blütenkönigin Elisabeth II. Spalierobst mit Gala-Äpfeln, die dank Bewässerung beinahe geplatzt wären. Schon seit 15 Jahren führen Schläuche von Ibischs Brunnen durch die Plantage. Angst vor Hagel müsse er auch kaum haben, Unwetter ziehe an seinem Hof dank guter Lage meist vorbei.

Versorgung trotz Corona gesichert

Die Ernte war für Ibisch in diesem Jahr trotzdem „eine aufregende Zeit“, weil er sich wegen Corona um Erntehelfer aus der Ukraine kümmern musste. Gemeinsam mit einem Kollegen charterte er für 30.000 Euro ein Flugzeug und bezahlte so 240 Euro Reisekosten für jeden seiner 40 Erntehelfer. Auf dem Hof und in gemieteten Wohnungen sind sie nach seinen Angaben untergebracht und erhalten Mindestlohn, bei Erdbeeren und Spargel bot er Zuschläge je nach Erntemenge.

Die Helfer bleiben immer drei Monate lang, denn für diese Zeit müssen die Bauern keine Sozialabgaben abführen. In diesem Jahr wurde diese Zeitspanne vom Staat wegen Corona noch ausgedehnt.

Verbandschef Kalbitz rechnet damit, dass künftig mehr Erntehelfer von außerhalb der Europäischen Union angeworben werden, weil etwa Polen zu Hause leicht Arbeit fänden. Die Organisation in der Corona-Zeit habe gut funktioniert, die Versorgung sei gesichert worden. Kalbitz dankte der Landesregierung für den Informations-Austausch: „Alles ist prima gelaufen.“

Das Ernte-Ergebnis dagegen macht Kalbitz Kummer. Alle Apfelsorten hätten wegen der Trockenheit „durchschnittlich kleinere Fruchtgrößen“. Die Äpfel fallen also kleiner aus – sind aber wegen des warmen Sommers süßer als voriges Jahr. In privaten Gärten und auf Streuobstwiesen vor allem in Süddeutschland dagegen hängen laut Kalbitz die Bäume voll. Das könne an widerstandsfähigen alten Sorten liegen.

Marienkäfer statt Chemie

Die sächsischen Obstbauern richten sich laut Verband bei der Auswahl ihrer Sorten nach dem Handel, der keine große Vielfalt wünsche. Dennoch stehen auf Kalbitz’ Liste immerhin 16 häufig angebaute Sorten, darunter auf den ersten Plätzen für Sachsen Gala, Elstar und Jonagold.

In Deutschland insgesamt ist die Apfelernte auch unterdurchschnittlich ausgefallen, aber besser als in Sachsen. Im Alten Land bei Hamburg gibt es laut Kalbitz Beregnungsanlagen, die bei Frost einen Eisschutz um die Blüten legen. Für so etwas sei in Sachsen das Wasser zu knapp.

Sachsens Agrarminister Wolfram Günther (Grüne) führte die zunehmenden Ernte-Risiken auf den Klimawandel zurück. Er ging auf Wünsche des Obstbauernverbandes ein: Sachsen unterstütze eine Mehrgefahrenversicherung und werde die Bauordnung so verändern, dass keine Genehmigungsverfahren für Bewässerungsanlagen und Schutzvorrichtungen mehr nötig seien. Günther bekräftigte aber auch das Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln bis 2030 zu halbieren. Ein Teil der Chemikalien lasse sich durch Nützlinge ersetzen. Obstbauer Ibisch will mehr Marienkäfer gegen Läuse in Stellung bringen.

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