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Ärger auf den letzten Metern

Manuel Kretschmar sorgt maßgeblich dafür, dass immer mehr Orte schnelles Internet haben – trotz mancher Hürden.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Von Daniela Pfeiffer

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Das konnte doch eigentlich gar nicht sein. Die Genehmigungen waren für den größten Teil der Strecke da, das letzte Stück mit der Stadt vorbesprochen. Und nun plötzlich eine Ablehnung?

Manuel Kretschmar verstand die Welt nicht mehr. Der junge Unternehmer aus Hagenwerder ist der Mann fürs schnelle Netz. Seit 2010 hat er in Hagenwerder das Telekommunikationsunternehmen Speedloc Datacenter, das er davor in Berlin betrieb. Es ist das einzige Rechenzentrum östlich von Dresden. Hier stehen Server, an denen unzählige Privatleute und Firmen hängen. Und nicht nur Sachsen, denn die Daten, die bei Kretschmar hier zusammenlaufen, sind von Firmen in ganz Deutschland und Europa. Sie alle können hier ihren Shop oder ihre Internetseite abstellen, das heißt, sie bekommen den nötigen Speicherplatz. Auch Mitarbeiter größerer Betriebe arbeiten direkt auf den hier betriebenen Servern.

Manuel Kretschmar, der Elektrotechniker und IT-Systemtechniker gelernt hat und in Hagenwerder aufgewachsen ist, kümmert sich außerdem darum, dass die Orte der Region schnelles Internet bekommen. Gerade erst hat er dafür gesorgt, dass Biehain ans Breitbandinternet angeschlossen werden konnte. Mittels einer lizenzierten Richtfunkstrecke, für die der Feuerwachturm im Ort genutzt werden konnte, war das möglich. Die Gemeinde Horka unterstützte das Vorhaben von Anfang an, war doch somit zumindest die Erschließung eines der drei Ortsteile in greifbare Nähe gerückt. So wurden die Aufträge für Elektroarbeiten, Bautätigkeiten und weitere Maßnahmen an die in Horka und Biehain ansässigen Firmen vergeben.

Trotzdem ging nicht alles ganz glatt. Denn während das nötige Glasfaserkabel von Biehain bis Hagenwerder gelegt werden konnte, war 30 Meter vor dem Gemeindezentrum in Hagenwerder abrupt Schluss. Das Stück, dass Kretschmar sich am einfachsten vorgestellt hatte, wurde plötzlich zur harten Nuss. Es gab keine Genehmigung von der Görlitzer Stadtverwaltung. „Es ging um ein städtisches Grundstück und ein Stück Keller“, so Kretschmar. Von dort sollte der Durchbruch in sein Rechenzentrum erfolgen. Vorher war in mündlichen Absprachen grünes Licht aus dem Rathaus gekommen. „Die waren begeistert, weil sie nichts bezahlen müssen und alle Arbeiten von Fachfirmen erledigt werden“, so Kretschmar. Und nicht nur um Biehain ging es bei besagten 30 Metern, sondern auch Diehsa und Sohland – letzteres wurde nun ebenfalls im Januar an das Internet angeschlossen – hängen daran.

Doch die schriftliche Genehmigung kam zunächst nicht. So standen im November 2017 die Firmen für die letzten 30 Meter bereit und konnten nicht loslegen. „Ich wollte dringend eine Klärung, bevor es kalt wird“, so Kretschmar. Trotzdem hörte er lange nichts, das Vorhaben geriet in Verzug. Außer, dass es sich um städtischen Grund und Boden handle, bekam Manuel Kretschmar keine plausible Erklärung. Irgendwann kam dann doch das grüne Licht auch schriftlich. „Unstimmigkeiten in der Stadtverwaltung“ wurden Kretschmar gegenüber genannt. Offenbar sind diese inzwischen ausgeräumt. Eine richtige Erklärung gab es nicht – trotz mehrmaliger Nachfrage auch nicht für die SZ.

In Biehain wurde die neue Anlage jetzt den Einwohnern vorgestellt. Sie können sich nun anmelden und anschließen lassen. Die am günstigsten gelegenen Grundstücke könnten nun mit einer Datengeschwindigkeit von bis zu 50 Megabit in der Sekunde rechnen.

Rund um Görlitz sind die meisten Orte schon angeschlossen. So haben unter anderem der südliche Teil von Hagenwerder, der obere Teil von Klein-Neundorf, Jauernick-Buschbach, Pfaffendorf, Teile von Markersdorf, Gersdorf, Friedersdorf, Deutsch-Paulsdorf, Nieder Seifersdorf, Baarsdorf, Attendorf, Diehsa und Teile von Arnsdorf-Hilbersdorf und Melaune Datengeschwindigkeiten zwischen 16 und 100 Megabit in der Sekunde. Derzeit in Planung sind laut Manuel Kretschmar noch Mengelsdorf sowie der südliche und mittlere Teil von Horka.

2014 hatte Kretschmar das DSL-Funkwerk vom Jauernicker Stefan Bunzel übernommen, der sich mit WLAN-Versorgung in den Gemeinden Markersdorf, Vierkirchen und Waldhufen einen Namen gemacht hatte. 450 Kunden gingen damals an Kretschmar, der inzwischen über 2500 hat. Sein Speedloc Datacenter betreibt er mit zwei festen und zwei freiberuflichen Mitarbeiter sowie einem Praktikanten.