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Ärger in der Hundestadt Dresden

Immer mehr Tiere sorgen für mehr Konflikte in der Großstadt. Das sind die häufigsten Probleme. 

Hunde an die Leine, Ärger über Haufen auf dem Gehweg: In Dresden wächst die Zahl der Tiere – und damit auch die Debatte zur richtigen Haltung.
Hunde an die Leine, Ärger über Haufen auf dem Gehweg: In Dresden wächst die Zahl der Tiere – und damit auch die Debatte zur richtigen Haltung. © Ralf Hirschberger/dpa

Dresden ist auf dem Weg zur Hundestadt: Derzeit gibt es 14.000 – so viele wie nie zuvor. Das hat eine Anfrage von SPD-Stadträtin Kristin Sturm ergeben. Über 2.000 Tiere mehr als noch vor zehn Jahren. Die Dresdner zahlen 1,41 Millionen Euro Hundesteuer pro Jahr. Und doch sorgt die steigende Zahl für Debatten zur Haltung in der Großstadt – Leinenzwang und Freilaufflächen sind nur zwei Streitpunkte.

Konflikt 1: Hundehaufen

Die Hinterlassenschaften der Tiere ärgern viele Dresdner. Besonders häuft sich das Problem an den Elbwiesen, teilt die Stadt mit. Ganz abgesehen von generellen Problemen mit Müll und Glasscherben, die wiederum für Hunde gefährlich werden können. Weit weniger Beschwerden sind es hingegen im Neustädter Alaunpark geworden: Nach anhaltender Kritik hat es hier laut Stadtbezirksamt 2018 keinerlei Hinweise gegeben. Es greife ein Mix aus Kontrolle, Angebot und Prävention, heißt es. Der Alaunpark werde mehrmals täglich vom Ordnungsamt kontrolliert. Aus Sicht vieler Besitzer gibt es jedoch zu wenig Hundetoiletten. Aktuell stehen 56 Hundebeutelspender bereit. Sie werden jährlich mit 1,2 Millionen Kotbeuteln bestückt. Mehr Spender sind nicht geplant, so die Stadt. Der Betrieb sei mit 26 000 Euro jährlich sehr teuer.

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Konflikt 2: Freilaufende Hunde

Auf Spielplätzen und in Parks kollidieren die Interessen von Hundebesitzern, Spaziergängern, Eltern und Kindern. Laut Stadt gibt es die meisten Beschwerden im Hermann-Seidel-Park, dem Leutewitzer Volkspark und dem Waldpark Blasewitz. Die Stadt reagiert: Im Seidel-Park soll die Leinenpflicht eingeführt werden. Auch in der Dresdner Heide sollen Hunde an die Leine. Ebenso an Haltestellen der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Auf Spiel- und Sportplätzen haben sie zudem Hausverbot. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 1.000 Euro geahndet werden.

Ein positives Beispiel: Im Südpark hat eine Bürgerwerkstatt ergeben, dass eine Hundewiese zum Freilaufen eingerichtet werden soll. Die Planungen für das Gelände laufen nun an. Für den Dresdner Landtagsabgeordneten Andreas Pallas (SPD) ist eine solche Mitsprache von Anwohnern wichtig. „Es müssen alle Interessen gewahrt sein. Unter anderem in Wohngebieten plädiere ich für einen strengen Leinenzwang, natürlich muss aber auch eine artgerechte Haltung ermöglicht werden.“ Stefan Engel, neu gewählter SPD-Stadtrat, ergänzt: Auch für das große Grünareal Hufewiesen in Trachau wäre eine großzügige Freilauffläche denkbar. In Planungen sollten jedoch Vereine des Hundesports einbezogen werden.

Holger Zastrow (FDP-Stadtrat) schätzt die Konflikte mit Hunden in Dresden als eher gering ein. Er fordert einen liberalen Umgang beim Thema Leinenpflicht. In der Heide müsse er nicht zwangsweise durchgesetzt werden, auch an den Elbwiesen sei eine lockere Handhabung wünschenswert. Eine Idee hält er für kontraproduktiv: In einem Antrag fordert die Dresdner AfD für die Zukunft eingezäunte Freilaufflächen etwa in dicht besiedelten Wohngebieten – samt Spielzeugen und Sportgeräten für die Tiere. „Nicht alle Hunde sind sozialkompatibel“, sagt Zastrow. Wenn sie in solchen Hundeanlagen zusammengesteckt würden, könnte das negative Folgen haben. Manche Hunde könnten auf die Enge nervös reagieren.

Ähnlich sieht es Stadtrat Michael Schmelich (Grüne). Ein Freilaufverbot in der Stadt bringe nichts. „Hundebesitzer und Nicht-Hundebesitzer müssen in einen Dialog treten. Es geht um gegenseitiges Verständnis füreinander.“ Im Beisein von Kindern sei eine Leinenpflicht zu empfehlen – aber Tiere einzusperren, könne nicht die Lösung sein.

Konflikt 3: Aggressive Tiere

Wenn die Leinenpflicht missachtet wird, kann es Ärger geben. Konstantin Schanze vom Sachsenforst berichtet von einem Fall, bei dem eine Dresdnerin von einem freilaufenden Hund angesprungen und ihre Kleidung zerrissen wurde. Auch Thomas Stelzig, Revierförster in Bühlau kennt die Konflikte, wenn Hunde im Wald frei laufen und Jogger verschrecken. Anders im Alaunpark: Hier wird streng kontrolliert. Auch in Bussen und Bahnen gibt es Beschwerden. Es gilt Leinen- und Maulkorbpflicht. Wenn sich Fahrgäste über bellende oder aufdringliche Tiere beschweren, kann der Fahrer vom Hausrecht Gebrauch machen und Hund und Halter vor die Tür setzen. Beschwerden gebe es, laut DVB-Sprecher Falk Lösch. Jedoch in keinem großen Ausmaß.

Konflikt 4: Begegnung mit Wildtieren

Skeptiker sorgen sich bei freilaufenden Hunden auch um Tiere im Wald. Dass es zu schweren Verletzungen kommen kann, wenn Hunde auf Wildtiere stoßen, bestätigt der Sachsenforst. Rehe oder Marder wurden in der Heide verletzt. Jedoch können auch Wildtiere Hunden gefährlich werden. Wildschweine seien sehr wehrhaft und könnten Hunde tödlich verletzen. Zudem können Füchse, die an der Räude erkrankt sind, diese übertragen.

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