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Ärger in der Müglitztalbahn

Ein Ehepaar aus Greifswald hat sich nach dem Einsteigen nicht gleich um ein Ticket bemüht. Das hatte Folgen.

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Von Maik Brückner

Elke und Ekkehard Lau lieben das Osterzgebirge. Seit Jahren kommen die Greifswalder regelmäßig zum Urlaub hierher. „Hier fühlen wir uns wohl“, sagt die 75-Jährige. Doch vom letzten Besuch bleibt beiden ein bitterer Beigeschmack. Und das hat mit einer Bahnfahrt zu tun. Wie bei ihren letzten Urlauben stiegen die beiden Rentner in Niederschlottwitz, wo sie in einer Pension wohnen, in einen Zug der Städtebahn Sachsen, um nach Heidenau zu fahren. „Wir setzten uns in ein Viererabteil“, erinnert sich Frau Lau. Kurze Zeit später stand die Zugbegleiterin vor ihnen und verlangte den Fahrschein. Doch den hatten die beiden nicht. In Niederschlottwitz steht kein Automat und vorher hatten sie sich keinen gekauft. Sie wollten das Ticket bei der Zugbegleiterin kaufen. So wie sie es bisher immer gemacht haben. Das eingesetzte Personal „war freundlich und gab uns manche Anregungen für unsere Ausflüge“, erinnert sich Frau Lau. Deshalb wartete sie mit dem Portemonnaie auf dem Schoß auf die Schaffnerin. Doch die habe sich überrascht gezeigt, als sie hörte, dass die beiden keinen Fahrschein hätten. „Das wird teuer“, habe sie gesagt. Denn die beiden Rentner hatten es versäumt, sich nach dem Betreten des Zuges sofort bei ihr zu melden. Ein anderer Satz hat die beiden Greifswalder dann richtig geärgert, denn sie wurden des beabsichtigten Schwarzfahrens bezichtigt: „Ich bin berechtigt, von ihnen eine Zahlung von 40 Euro wegen Schwarzfahrens zu kassieren“, soll die Schaffnerin gesagt haben.

Es folgte eine längere Diskussion, an deren Ende sich die Schaffnerin aber kulant zeigte. Sie verzichtete auf die „Strafgebühr“ und verkaufte beiden eine Familien-Tageskarte. Der Vorfall beschäftigte Elke und Ekkehard Lau trotzdem noch länger. Deshalb meldeten sie – zu Hause in Greifswald angekommen – den Vorfall nicht nur dem Verkehrsverbund Oberelbe, sondern auch dem Tourismusverband Erzgebirge und der Geschäftsführung der Städtebahn. Wie Unternehmenssprecherin Michelle Böhme auf Nachfrage erklärte, habe diese sich dann mit der betreffenden Zugbegleiterin unterhalten und dem Ehepaar indes schon geantwortet. Demnach hat sich der Vorfall auch in etwa so abgespielt. Aus Sicht der Städtebahn sei der Zugbegleiterin nichts vorzuwerfen. Sie habe richtig gehandelt, sagt Frau Böhme. Denn bereits seit 2010 gilt bei der Städtebahn der Grundsatz, dass Fahrgäste ohne Fahrkarten beim Betreten des Zuges zunächst die Schaffnerin aufsuchen müssen. „Dies wird analog im gesamten VVO-Gebiet und bei der Deutschen Bahn so gehandhabt und sollte daher nichts Neues sein“, sagt Frau Böhme. Sie räumt allerdings ein, dass die Mitarbeiter der Städtebahn in den letzten Jahren sehr kulant waren. Sie ließen die Fahrgäste Platz nehmen und verkauften bei den Kontrollen die gewünschten Fahrkarten. Denn in jedem Zug fährt auch ein Begleiter mit. „Diese Regelung haben immer mehr Fahrgäste missbraucht“, sagt Frau Böhme. Manche verstecken sich auf der Toilette, andere wechselten an Bahnhöfen von einem Waggon zum nächsten, um der Kontrolle zu entgehen. Besonders beliebt sei das an Stationen gewesen, die zugleich auch Tarifzonengrenzen bilden. Dort versuchten manche, Geld zu sparen. Mit der Fahrplanänderung Mitte Juni wurden die Kontrollen verstärkt. „Ein Monat vorher haben wir das auf unserer Homepage sowie unserer Facebook-Seite angekündigt“, sagt Frau Böhme. Zudem wurden an den Zugtüren Aufkleber angebracht, die darauf hinwiesen. Auch von Touristen erwarte man, dass sie die Gegebenheiten kennen. Denn bei anderen Bus- und Bahnunternehmen gelten dieselben Regeln.

Die Laus besänftige die Antwort der Städtebahn nicht. „Wir sind 75 Jahre alt, Touristen, noch nie schwarz gefahren“. Die Schaffnerin müsse ein Gespür dafür haben, wie sie Leute anspricht und nicht gleich so einen Verdacht äußern.