merken
PLUS Weißwasser

Ärger mit Glücksrittern

Ruhestörungen nerven die Anwohner vom Casino in Bad Muskau. Auch die Spielhallenbetreiber haben Probleme.

Das Casino in Bad Muskau besteht seit 2011. Nun gibt es hier Probleme.
Das Casino in Bad Muskau besteht seit 2011. Nun gibt es hier Probleme. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Seit August 2011 gibt es in Bad Muskau ein Casino. Das hat inzwischen eine neue Betreibergesellschaft. Aus dem „Las Vegas“ wurde das „Fürst-Pückler-Casino“. Die Spielhalle hat sich auch in puncto Innen-Ausstattung und Größe verändert. 

Doch Damen und Herren in Abendrobe, die bei Poker oder Roulette an Drinks nippen, trifft man hier nicht . Denn es herrscht striktes Alkoholverbot. Gäste kommen in T-Shirt und Jeans, sind mindestens 18 Jahre alt, spielen meist zum Zeitvertreib und ausschließlich an Automaten. Daran gezockt werden kann täglich nur von 8 bis 23 Uhr. So legten es Stadtrat und Verwaltung Bad Muskau fest. So weit, so gut.

Anzeige
Sommer, Sonne, Sonnencreme
Sommer, Sonne, Sonnencreme

Hier erfährst Du welchen Schutz und welche Pflege Deine Haut in den heißen Monaten wirklich braucht.

Doch das Kleinstadt-Idyll trügt, weil die Spielothek insbesondere männliche Glücksritter aus Bulgarien, Polen, anderen osteuropäischen und südlichen Ländern anzieht. Für sie ist der Parkplatz neben dem Casino zum Treffpunkt geworden. Hier wird getrunken, geraucht, lautstark diskutiert; hier dröhnt Musik aus Autoradios. Für die Anwohner enorme Belästigungen. „Fast täglich gibt es nächtliche Ruhestörungen. . Lautstarke, mitunter schreiend hysterische Diskussionen «begleiten» Schlafsuchende bis 24 Uhr, oft bis 3 oder 4 Uhr morgens, nicht selten von rhythmischer Folkloremusik begleitet“, beschreibt ein direkter Nachbar die Situation. „Nachtstreifen der Polizei können das doch nicht überhören oder übersehen?“, fragt er.

In der Stadtverwaltung sind die Probleme bekannt. „Es laufen aufgrund von Anzeigen diverse Verfahren, beispielsweise wegen Nichteinhaltung der Sperrzeit, und es wurden Bußgelder gegen die Betreiber verhängt“, so der Bad Muskauer Hauptsamtleiter Dirk Eidtner.

Dies bestätigt Casino-Prokurist Stefan Menzel. Er versteht den Ärger der Anwohner ob des Lärms. Doch dagegen, dass das Casino die Probleme verursache, verwahren er und die Betreiber sich vehement. „Wir haben selbst mehrfach im Monat mit Sachbeschädigungen durch Gäste zu kämpfen, müssen stets die Polizei holen, haben in den letzten Monaten rund 15 Strafanzeigen unterschrieben und aktuell Schäden von etwa 15 000 Euro.“ Er bedauert, dass bisher alle Anzeigen der Betreiber eingestellt wurden. „Entweder, weil die Täter nicht ermittelt werden konnten, oder weil das Delikt bei uns, im Vergleich zu anderen Verfahren, eine untergeordnete Rolle bei der Strafermittlung spielt.“

Schwierigkeiten des Casinos bestätigt die Polizeidirektion Görlitz. „In diesem Jahr wurden im weitreichenden Sinn des Casinos 17 Ereignisse im polizeilichen Datenverarbeitungssystem registriert. In zwölf Fällen hatten Straftatverdachte Gestalt angenommen“, so Polizei-Sprecher Philipp Marko, laut dem die Verdächtigen überwiegend keine deutsche Staatsbürgerschaft hatten. Er bestätigt auch, dass Polizeibeamte in zwei Fällen beim Casino schlichtend auf Unstimmigkeiten einwirkten und dass Polizeibeamte am 24. Juni den Parkplatz aufsuchten, um lärmenden Personen Einhalt zu gebieten. Zudem habe, so Marko, das Polizeirevier Weißwasser bei Streifenfahrten Bad Muskau und den Bereich ums Casino im Blick.

Doch die Polizeistreifen sind unregelmäßig, was Anwohner und Casinobetreiber bemängeln. Daher sind die Spielhallenbetreiber nicht untätig, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Aber Ausweiskontrollen und Gästelisten scheiterten bisher. Ebenso Aufforderungen der meist weiblichen Aufsichtskräfte an Gäste, die Einrichtung wegen der Sperrzeit zu verlassen. „Leider haben südländische Kulturen oft keine Achtung vor Frauen. Da auch alle unsere Anzeigen eingestellt sind oder Täter über die Grenze nach Polen fliehen konnten, besteht kaum Angst vor möglicher Strafverfolgung“, meint der Prokurist. Zur Abschreckung und zum Schutz von Mitarbeitern und Eigentum habe man daher schon zeitweise ein Weißwasseraner Sicherheitsunternehmen im Casino eingesetzt. „Dennoch gab es eine Schlägerei. Selbst Hausverbote brachten nichts. Betroffene trinken und lärmen nun provokativ auf den Parkplatz. Wir können kaum noch etwas tun. Hilfreich wären stärkere Polizeipräsenz und ein von der Stadt ausgesprochenes Alkoholverbot auf dem Parkplatz“, appelliert Menzel. Bis es so weit ist, bleibt nur Selbsthilfe. Ab 1. August stellen die Casino-Betreiber einen Sicherheitsmitarbeiter mit Kampfsport-Hintergrund ein, der vor allem am Abend vor Ort sein wird.

Und wie können sich Anwohner vor Nachtlärm schützen? „Gestörte können sich jederzeit an das Polizeirevier Weißwasser wenden oder den polizeilichen Notruf wählen“, rät Polizeisprecher Marko.

Mehr zum Thema Weißwasser