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Ärger mit verstopfter Abwasserleitung

Eine Wilsdrufferin will die Kosten für eine Kanalreinigung nicht bezahlen. Sie glaubt, dafür gute Gründe zu haben.

Von Annett Heyse

Es begann mit Schmutzwasser, das aus einem Schacht nach oben stieg. Mehrere Tage quoll die Brühe unter dem Deckel hervor und lief über den Fußweg. Als auch die Toilette nicht mehr richtig ablaufen wollte, rief Britta Willuhn beim Abwasserzweckverband Wilde Sau an. Der schickte einen Kanalreinigungsservice vorbei und einige Wochen später die Rechnung: 284,53 Euro sollte die Wilsdrufferin bezahlen. Doch sie weigert sich: „Ich habe nichts als das eingeleitet, was gewöhnlich durch eine Toilette muss. Warum soll ich für den Schaden aufkommen?“, fragt sie sich.

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Der Zwist um die Kosten ist inzwischen ein Dreivierteljahr alt. Wenn er nicht bald beigelegt wird, könnte er auch noch Anwälte und das Gericht beschäftigen. Britta Willuhn hat ein Haus in der Wilsdruffer Rosenstraße, welches sie allein bewohnt. Unmittelbar am Hoftor, aber noch auf ihrem Grundstück, befindet sich der Deckel des Revisionsschachtes, wo Mitte August 2013 der Streit seinen Anfang nahm, als der Schacht überlief. Am 16. August fuhr deshalb der Rohr- und Kanalservice Berndt vor. Weil nur zwei Monate vorher ein Hochwasser Teile der Stadt geflutet hatte, lag die Vermutung nahe, dass Unrat von der Hauptleitung aus in das Hausanschlussrohr gedrückt worden war.

Die Kanal-Experten befuhren mit einer Kamera den Abfluss und speicherten die Aufnahmen – man weiß ja nie. Was sie dort fanden, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen: „Nur Toilettenpapier und Fäkalien“, sagt Britta Willuhn, so hätten es ihr die Männer erzählt. „Da habe ich mir nichts vorzuwerfen.“

„Was darin war, darüber möchte ich öffentlich nicht reden“, sagt dagegen Andreas Clausnitzer vom Abwasserzweckverband. Er deutet an, dass es sich nicht nur um übliche Abwässer gehandelt habe. Baumängel oder Schäden jedenfalls seien ausgeschlossen, das gehe aus einem Gutachten hervor, welches der Kanalservice anschließend anfertigte. Clausnitzer: „Die Grundstückseigentümerin hat die Verstopfung verursacht. Und wer verursacht, muss bezahlen.“ Zumal die Leitung, in der das Malheur passierte, reine Privatangelegenheit sei. Aus Kulanz schlug der Abwasserverband dennoch vor, nur die Hälfte der Service-Kosten zu verlangen: Bitta Willuhn wäre mit 142,27 Euro aus der Nummer heraus gewesen. „Wir weisen jedoch ausdrücklich darauf hin, dass dies keinem Schuldanerkenntnis gleichkommt“, heißt es in einem Schreiben vom November 2013. Die Wilsdrufferin lehnte ab, denn sie ist anderer Meinung. „Wieso ist die Leitung überhaupt meine Sache“, fragt sich Britta Willuhn. Die Regelung, festgeschrieben in Wilsdruffs Abwassersatzung, lautet: Die vom Hauptstrang in der Straße abgehenden Hausanschlüsse obliegen den Hauseigentümern. Der Revisionsschacht oder die Grundstücksgrenze ist nicht die Schnittstelle zwischen öffentlichem Netz und privatem Rohr. Clausnitzer: „In diesem Fall lag die Verstopfung eindeutig zwischen dem Hauptstrang und dem Revisionsschacht und somit in der Privatleitung.“

Britta Willuhn hat nun einen Rechtsanwalt konsultiert, einer gerichtlichen Auseinandersetzung sieht sie gelassen entgegen. „Es kann doch nicht sein, dass bei normaler Nutzung die Leitung verstopft. Das muss mir erst mal einer nachweisen“, gibt sie sich kämpferisch. Auch die Gegenseite ist gelassen. „Wir werden von unserer berechtigten Forderung nicht abweichen“, teilt Andreas Clausnitzer mit. Einem Streitverfahren sehe man übrigens gespannt entgegen, heißt es in einem Schreiben an die Hauseigentümerin. Denn nun wolle man auch die Kosten für das Gutachten in Rechnung stellen, das Kulanzangebot indes gilt nicht mehr.