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Warum sind die Buspreise so kompliziert?

Ein Bautzener pendelt zur Arbeit nach Nebelschütz - von einem Verkehrsverbund in den anderen. Der Fahrscheinkauf gleicht einer Wissenschaft.

Uwe Hentschel fährt jeden Tag von Bautzen aus mit dem Bus zur Arbeit nach Nebelschütz und überquert dabei die Tarifgrenze zwischen zwei Verkehrsverbünden. Das stellte ihn beim Fahrscheinkauf schon vor große Probleme.
Uwe Hentschel fährt jeden Tag von Bautzen aus mit dem Bus zur Arbeit nach Nebelschütz und überquert dabei die Tarifgrenze zwischen zwei Verkehrsverbünden. Das stellte ihn beim Fahrscheinkauf schon vor große Probleme. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Uwe Hentschel wohnt in Bautzen und arbeitet seit November 2019 in Nebelschütz. Mit dem Auto ist die Entfernung in rund einer halben Stunde zu schaffen, doch Hentschel fährt  lieber mit dem Bus. Er steigt entweder in die 102 von Bautzen nach Kamenz und dort um in die 186 nach Nebelschütz. Oder er fährt mit der 102 nur bis Lehndorf, auf halbem Weg zwischen Bautzen und Kamenz. Dort steigt er um in die 186 nach Crostwitz, wo sein Bus endet. Mit dem nächsten Bus der 186 kann er dann von Crostwitz nach Nebelschütz fahren.

So weit, so gut - was die Fahrt betrifft. Aber dazu braucht er ja auch eine Fahrkarte. Und damit ging der Ärger los. Denn Bautzen liegt im Gebiet des Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien (Zvon), Nebelschütz gehört wie Kamenz zum Verkehrsverbund Oberelbe (VVO). Im Zvon wird der Fahrpreis nach der Entfernung berechnet, im VVO gibt es Tarifzonen.

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Was auf ihn zukommen würde, ahnte Uwe Hentschel noch nicht beim ersten Blick in den Online-Tarifrechner des Zvon. Dort steht, dass eine Wochenkarte zwischen Bautzen und Nebelschütz 46,50 Euro kostet. Das ist der gleiche Preis wie für eine Wochenkarte zwischen Bautzen und Kamenz. "Eigentlich logisch", dachte er sich, "liegen doch Kamenz und Nebelschütz in der gleichen VVO-Tarifzone. In der ersten Zeit löste ich deshalb eine Wochenkarte nach Kamenz zu 46,50 Euro."

Immer wieder ein falsches Ticket erwischt

Mit dieser Wochenkarte pendelte er zwischen Bautzen und Nebelschütz. "Einige Busfahrer der VVO akzeptierten das auch. Aber einige waren der Meinung, das wäre ein Zvon-Tarif und nur auf der Linie 102 gültig." Also kaufte er nun eine Wochenkarte zwischen Bautzen und Nebelschütz zum gleichen Preis - und wieder war es nicht das richtige Ticket.

Uwe Hentschel versuchte es dann mit zwei Wochenkarten: eine vom Zvon zwischen Bautzen und Lehndorf, wo die Tarifgrenze zwischen beiden Verbünden verläuft. Und eine VVO-Wochenkarte zwischen Lehndorf und Nebelschütz. Die Zvon-Wochenkarte kostet 30 Euro, die vom VVO  22,50 Euro - so steht es im Zvon-Tarifrechner, und so verkaufte ihm auch der Busfahrer beide Tickets . Doch "wie zu vermuten war, war das wieder die falsche Fahrkarte", berichtet Hentschel sarkastisch.

Für den Abschnitt zwischen Lehndorf und Nebelschütz braucht er nämlich eine Wochenkarte für 32,50 Euro, weil beide Orte in verschiedenen Tarifzonen des VVO liegen. Lehndorf gehört zur Tarifzone Wittichenau, Nebelschütz zur Tarifzone Kamenz. Für die beiden Wochenkarten für seinen Arbeitsweg zahlt Hentschel nun insgesamt 62,50 Euro. "Die Busfahrer sind glücklich, aber ich fühle mich über den Tisch gezogen", fasst der Bautzener seine Schilderungen zusammen.

Mit dem Sachsentarif soll es besser werden

Mit seiner Kritik wandte sich Uwe Hentschel auch an den Zvon. Dessen Pressesprecherin Sandra Trebesius bestätigt einen "umfangreichen Schriftwechel". Und sie erklärt: Für jede Buslinie, welche die Grenze zwischen Zvon und VVO überquert, gilt entweder der eine oder der andere Tarif. Für die 102 Bautzen-Kamenz gilt der Tarif des Zvon. Wer dann aber innerhalb des VVO weiterfährt, braucht dafür auch einen Fahrschein dieses Verbundes. Auch wenn auf dem Ticket die Ortsnamen Bautzen und Nebelschütz stehen, gilt es trotzdem nur für die Linie 102 Bautzen-Kamenz, nicht aber für die Weiterfahrt nach Nebelschütz.

VVO-Pressesprecher Christian Schlemper rät jedem Reisenden, der die Tarifgrenze überqueren will und sich nicht ganz sicher ist, vorher das Infotelefon des Zvon oder des VVO anzurufen. Sowohl Sandra Trebesius als auch Christian Schlemper verweisen auf den vom sächsischen Wirtschaftsministerium angestrebten Sachsentarif. Dann könnte der Tarifschungel der Vergangenheit angehören - was aber wohl nicht vor 2023 zu erwarten ist.

Andrea Radtke mag das Wort Tarifdschungel nicht. "An Tarifgrenzen wird es immer Unterschiede geben", sagt die Geschäftsführerin des Unternehmens Regionalbus Oberlausitz. "Das ist nicht schön, aber es ist so", sagt die Chefin und nimmt die Busfahrer ihres Unternehmens und der 32 kleineren Verkehrsbetriebe, mit denen Regiobus zusammenarbeit, in Schutz. "Die müssen sich ganz viel merken, verschiedene Tarife, Übergangsregelungen und so weiter." Zwar gibt es mindestens vier Mal im Jahr Schulungen für Busfahrer. Aber Andreas Radtke weiß: Auch die Fahrer schimpfen über das verschiedene Tarifwerk in der Oberlausitz.

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