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Ärger um alte Telekom-Masten

Die Bergstraßen werden an das Kanalnetz angeschlossen. Stadt und Drewag beteiligen sich. Ein anderes Unternehmen nicht.

Von Lars Kühl

Dieser Stadtblick. Phänomenal. Auch auf der anderen Seite des Bischof-Benno-Weges in Cossebaude schauen die Bewohner hinab auf pure Idylle aus alten Weinhängen und bewaldeten Hügeln. Und doch ist es die Aussicht, die sie stört. Denn über ihre Grundstücke führen die Leitungen der Telekom – oberirdisch. Die wurden nach 1992 gebaut und die Holzmasten vermitteln keinen zeitgemäßen Eindruck mehr. Die Anwohner befürchten nun, dass das so bleibt.

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Obwohl ab Juni auf diesem Weg wie auch auf den benachbarten Anliegerstraßen Parkweg, Am Steinberg und Gnomenstieg gebaut wird. Denn die Grundstücke im oberen Ortsteil von Cossebaude werden an das Netz der Stadtentwässerung angeschlossen. Das Straßen- und Tiefbauamt befestigt dabei die maroden Fahrbahnen vor den Häusern mit Rasengitterplatten sowie Asphalt und erneuert die Straßenbeleuchtung, teilt Leiter Reinhard Koettnitz mit. Und auch die Drewag wechselt ihre Trinkwasser- sowie Stromleitungen aus. Die Masten verschwinden und die Leitungen werden unter die Erde verlegt.

Es ist noch nichts entschieden

Nur die Telekom will sich bis jetzt nicht beteiligen. „Das ist eine Sauerei“, schimpft Anwohner Wolfgang May. Wenn schon so ein aufwendiges und teures Vorhaben durchgeführt wird, müssten sich die Medienträger absprechen. Nicht nur May hat Angst, dass die in den Augen der Cossebauder veralteten Telekom-Masten auch in Zukunft stehen, wenn das Unternehmen jetzt nicht mitmacht.

Er fordert wenigstens ein Leerrohr. Zusammen mit seinen Nachbarn hat er deshalb bei dem Kommunikationsriesen protestiert. Wortführerin Karin Widera hat die Nachteile des „Holzmastprovisoriums“ in einem Brief aufgezählt: anfällig gegen Fäulnis, zum Teil Begrenzung der Durchfahrtshöhe, Verengung der ohnehin schon schmalen Straße sowie Rost an den Anschlusskästen, der dazu führt, dass der Verbindungsaufbau abbricht. Außerdem stünden einige Masten auf Privatgrundstücken. Als sie damals gebaut wurden, seien viele froh gewesen, endlich einen Telefonanschluss zu haben. Allerdings wären sie davon ausgegangen, dass die Masten nur vorübergehend stehen.

Die Antwort der Telekom hat die Anwohner erzürnt. Vor allem eine Formulierung, dass die Ablösung der oberirdischen Leitungen „nicht Gegenstand der aktuellen Betrachtungen“ ist, stieß auf Unverständnis. Auch die Feststellung zu den Masten: „Es handelt sich nicht um Provisorien“, sondern die Leitungen seien unterirdischen gleichwertig.

Auch die Stadt weiß von der ablehnenden Haltung der Telekom. Allerdings könne das Unternehmen nicht gezwungen werden, die Freileitungsanlage zu erneuern, erklärt Straßen- und Tiefbauamtsleiter Koettnitz.

Gegenüber der Sächsischen Zeitung wiegelt die Telekom jedoch ab. Die Antworten hören sich inzwischen etwas anders an und machen Karin Widera und ihren Nachbarn wieder etwas Hoffnung. „Die Planungen mit dem Straßenbauamt sind noch nicht abgeschlossen“, erklärt Unternehmenssprecher Georg von Wagner. „Insofern ist über eine Beteiligung der Telekom noch nicht entschieden.“

Feststehen dagegen bereits einige Eckpunkte des Vorhabens: Geplant ist ein Jahr Bauzeit, teilt Koettnitz mit. „In mehreren Abschnitten, um die Einschränkungen im Anliegerverkehr gering zu halten“, sagt er. Einen genauen Ablaufplan würde das beauftragte Unternehmen unmittelbar vor Baubeginn zur Verfügung stellen. Auch Ausweichplätze zum Parken und zur Abholung des Mülls muss der Auftragnehmer einkalkulieren. Sobald die Details feststehen, wird es für die Anwohner eine Informationsveranstaltung geben.